Kritik an EU-Plan: Agrana warnt vor Klima-Rückschritt. Der börsenotierte Zucker-, Stärke- und Fruchtkonzern Agrana sieht eine Gefährdung für Umwelt und Landwirtschaft wegen eines "Rückziehers" der EU-Kommission beim Einsatz von Biokraftstoffen.

Von Redaktion, APA. Erstellt am 12. Dezember 2016 (15:13)
J. Marihart
NOEN, Agrana

Im Kommissionsvorschlag zur EU-Richtlinie für erneuerbare Energien ist vorgesehen, den Anteil von Biokraftstoffen aus landwirtschaftlichen Rohstoffen von 7 Prozent 2021 auf 3,8 Prozent im Jahr 2030 zu senken.

"Biotreibstoffe aus Holz, Stroh und Abfällen führen zu Kosten, die doppelt so hoch wie bei konventionellem Ethanol sind. Sie werden in absehbarer Zeit kommerziell nicht verfügbar sein", wird Agrana-Vorstandschef Johann Marihart am Montag in einer Unternehmensaussendung zitiert. "Darüber hinaus ist bei Ethanol der 2. Generation (also nicht aus landwirtschaftlichen Rohstoffen der 1. Generation, Anm.) kein wertvolles gentechnikfreies Eiweißfuttermittel als Nebenprodukt zur Deckung unserer Eiweißlücke herstellbar und angesichts des hohen Enzym- und Energieverbrauchs die gesamte Klimabilanz zu hinterfragen."

"Erfolge bisheriger hoch geförderter Projekte evaluieren"

Die Europäische Kommission sei "gut beraten, die Erfolge bisheriger hoch geförderter Projekte zu evaluieren und ihre Erwartungen diesbezüglich drastisch zurückzunehmen", fordert Marihart. Sein Konzern erzeugt insgesamt 400.000 Kubikmeter Bioethanol, davon 240.000 in Österreich. Für die Gesamtmenge sind eine Million Tonnen Überschussgetreide nötig. Da es in Mitteleuropa jährlich ein Überangebot von 8 bis 12 Mio. Tonnen Getreide gebe, werde davon rund ein Zehntel der Wertschöpfung statt eines unbearbeiteten Exports zugeführt, argumentiert das Unternehmen.

Die Agrana-Bioethanolanlage in Pischelsdorf in Niederösterreich spare gegenüber Benzin 70 Prozent der Treibhausgasemissionen und bewirke eine um fast ein Drittel geringere Partikel-Emission durch Benzin-Motoren, so der Konzern. Vor allem stelle man Bioethanol ausschließlich aus dem Stärkeanteil von Futtergetreide-Überschüssen her und lasse den Proteinanteil im Futterkreislauf.

"Das Klimaprotokoll von Paris ist ein herausforderndes Ziel", erinnert Marihart. "Der von der EU-Kommission geplante Schritt einer Beimischungsabsenkung von Ethanol der 1. Generation würde einen klimatischen Rückschritt bedeuten."