USA, Großbritannien und Frankreich griffen Syrien an. Als Reaktion auf den mutmaßlichen Giftgaseinsatz durch syrische Regierungstruppen haben die USA, Frankreich und Großbritannien zusammen Luftangriffe in dem Bürgerkriegsland geflogen.

Von NÖN-Redaktion, APA. Erstellt am 14. April 2018 (06:46)
SYRIAN GOVERNMENT'S CENTRAL MILI
Schwere Explosionen in Damaskus

Nach US-Angaben wurden drei Ziele angegriffen, Berichte vor Ort sprachen von mehr als drei. An den Militärschlägen waren Schiffe und Flugzeuge beteiligt. US-Medien schrieben von Dutzenden Marschflugkörpern. Es handle sich um eine begrenzte, einmalige Aktion. Weitere Schläge seien nicht geplant, sagte US-Verteidigungsminister James Mattis. Nach syrischen Angaben wurden mindestens drei Zivilisten verletzt. Aus Armeekreisen hieß es, sechs Soldaten seien bei der Stadt Homs verletzt worden.

US-Präsident Donald Trump sagte in einer kurzen Fernsehansprache am Freitagabend (Ortszeit) im Weißen Haus, er habe "Präzisionsschläge" gegen Ziele angeordnet, die mit den mutmaßliche Chemiewaffen von Machthaber Bashar al-Assad in Zusammenhang stünden. Die Angriffe sind unterdessen wieder beendet.

Die mit Assad verbündete russische Regierung reagierte wütend und drohte dem Westen mit "Konsequenzen". Nach Angaben des Pentagon wurden drei Anlagen des mutmaßlichen syrischen Chemiewaffenprogramms angegriffen. Getroffen worden seien ein Forschungszentrum für Chemiewaffen in der Hauptstadt Damaskus sowie ein Lager und ein Kommandoposten für diese Art von Waffen nahe Homs, sagte US-Generalstabschef Joseph Dunford. Die syrische Luftabwehr habe den Angriff zu erwidern versucht. Doch gebe es keine Informationen über Verluste unter den westlichen Truppen.

AFP-Reporter berichteten von mehreren schweren Explosionen in Damaskus. Es seien Geräusche von Flugzeugen zu hören gewesen, und am nördlichen und östlichen Rand der Hauptstadt sei Rauch aufgestiegen.

Nach Angaben des Pentagon wurden die Luftangriff nach kurzer Zeit vorerst beendet. "Die Welle der Luftangriffe ist vorbei", sagte Dunford. US-Verteidigungsminister Jim Mattis sagte, "derzeit" seien keine weiteren Angriffe geplant.

Trump hatte indessen in seiner Rede gesagt, die USA und ihre Verbündeten wollten "diese Antwort aufrechterhalten", bis die syrische Regierung den Einsatz von Chemiewaffen beende. Es war unklar, ob der US-Präsident damit eine Fortsetzung der am Freitag geführten Militäroperation meinte - was im Widerspruch zu den späteren Aussagen von Mattis stehen könnte.

Trump bezeichnete es als Ziel der Operation, für eine "starke Abschreckung" hinsichtlich der Produktion, Verbreitung sowie des Einsatzes von Chemiewaffen zu sorgen. Er geißelte das Vorgehen Assads in dem Bürgerkrieg als "Verbrechen eines Monsters". Trump machte aber deutlich, dass die Operation nicht auf den Sturz des syrischen Machthabers abziele. Dessen Schicksal liege in der Hand der Syrer, sagte er.

Auch die britische Premierministerin Theresa May erklärte, es gehe bei dem Angriff darum, die Assad-Regierung vom weiteren Einsatz chemischer Waffen abzuschrecken. Der französische Staatschef Emmanuel Macron betonte: "Wir können die Normalisierung des Einsatzes chemischer Waffen nicht hinnehmen."

Mit der Operation reagierten die drei westlichen Staaten auf den mutmaßlichen Giftgaseinsatz in Duma in der Region Ost-Ghouta. Dabei waren am Samstag dutzende Menschen getötet und hunderte weitere verletzt worden. Der Westen macht die Assad-Truppen für den Angriff verantwortlich. Kurz vor Beginn der Militäroperation hatte das US-Außenministerium mitgeteilt, Washington wisse "mit Sicherheit", dass die Assad-Truppen in Ost-Ghouta Giftgas eingesetzt hätten.

Trump appellierte an Russland und den Iran, ihre militärische Unterstützung für Assad aufzugeben. "Welche Art von Nation will mit dem Massenmord an unschuldigen Männern, Frauen und Kindern in Verbindung gebracht werden?" fragte er.

Der Angriff der USA und ihrer Verbündeten auf Syriens Regierung ist nach Ansicht der syrischen Opposition auch eine Botschaft an Russland und den Iran. Die Angriffe zeigten, dass die westliche Mächte außerhalb der Vereinten Nationen aktiv sein könnten, sagte der Sprecher des in Istanbul ansässigen Oppositionsbündnisses Syrischen Nationalen Koalition, Ahmed Ramadan, am Samstag. Sie seien eine Antwort auf Moskaus Veto im UN-Sicherheitsrat.

Der russische Botschafter in Washington, Anatoli Antonow, drohte Washington, Paris und London mit "Konsequenzen", konkretisierte aber nicht, was er damit meinte. Zudem nannte er es im Kurzbotschaftendienst Twitter "inakzeptabel und unzulässig", den russischen Präsidenten zu beleidigen - damit bezog er sich auf Trumps Vorwurf, Putin unterstütze den "Massenmord" in Syrien.

Das Außenministerium in Moskau erklärte, die westlichen Angriffe kämen zu einem Zeitpunkt, an dem Syrien gerade eine "Chance auf eine friedliche Zukunft" gehabt habe. Russland hatte 2015 auf Seiten Assads in den syrischen Bürgerkrieg eingegriffen.

Dank einer Warnung Russlands seien die von den USA angegriffenen syrischen Militärbasen bereits vor Tagen evakuiert worden, sagte ein hochrangiger Vertrauter des syrischen Präsidenten Bashar Assad am Samstag. Derzeit schätze die Regierung die Schäden ab, sagte der Vertreter einer regionalen Allianz, die Damaskus unterstützt.

Trump hatte bereits vor einem Jahr mit einem Raketenangriff auf eine Luftwaffenbasis der Assad-Truppen auf einen mutmaßlichen Giftgaseinsatz geantwortet.

Mindestens drei Zivilisten verletzt

Nach offiziellen syrischen Angaben wurden bei dem Militärschlag mindestens drei Zivilisten verletzt. Die Opfer habe es bei der Bombardierung in der Region Homs gegeben, meldete die staatliche Nachrichtenagentur Sana am Samstag. Aus syrischen Armeekreisen hieß es, bei dem Angriff auf ein Waffendepot in Homs im Zentrum des Landes seien sechs Soldaten verletzt worden.

Nach Angaben von Sana gab es zudem Schäden in einer Forschungseinrichtung in dem Ort Barsah nördlich der Hauptstadt Damaskus. Dort sei ein Gebäude zerstört worden. Dank einer Warnung Russlands seien die von den USA angegriffenen syrischen Militärbasen bereits vor Tagen evakuiert worden, sagte ein hochrangiger Vertrauter von Assad.

Wenige Stunden nach der Attacke zeigte das syrische Staatsfernsehens Bilder, wie die Armee nach Douma vorrückt. In wenigen Stunden werde die Stadt vollständig "von der terroristischen Präsenz" befreit sein, hieß es weiter in Bezug auf die Rebellen. Am Donnerstag hatten die Regierungstruppen nach russischen Angaben Douma bereits vollständig unter ihre Kontrolle gebracht.