Sturm will Kiew mit schärferem Pressing ausschalten

Erstellt am 08. August 2022 | 19:54
Lesezeit: 4 Min
Für Ilzer und Sturm soll es ins Play-off der Champions League gehen
Für Ilzer und Sturm soll es ins Play-off der Champions League gehen
Foto: APA/EXPA/ROLAND HACKL
Mit verbessertem Pressing und Effizienz vor dem Tor will Sturm Graz die Hürde Dynamo Kiew nehmen. Österreichs Fußball-Vizemeister muss am Dienstag (20.30 Uhr/live ORF 1) in Graz in der dritten Qualifikationsrunde ein 0:1 aus dem Hinspiel wettmachen, um das Play-off der Champions League zu erreichen. Die Grazer gehen vor über 12.000 Zuschauern optimistisch in das zweite Duell mit dem 16-fachen ukrainischen Meister.
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"Wir wollten aus Lodz mit einem Ergebnis zurückkehren, das uns für das Rückspiel eine realistische Chance eröffnet. Das Ergebnis gibt alles her. Ich bin zuversichtlich", erklärte Christian Ilzer vor dem Rückspiel. Es wartet aber eine schwierige Aufgabe, weiß der Sturm-Trainer nicht erst seit dem Hinspiel. "Kiew ist in Ballbesitz eine Topmannschaft und jeder einzelne Spieler hat am Ball höchste Qualität und hohe Lösungskompetenz", analysierte Ilzer.

Im Hinspiel in Polen fand seine Mannschaft gut ins Spiel und einige gute Chancen vor, ehe Oleksander Karawajew in der 28. Minute den letztlich einzigen Treffer erzielte. Nach der Pause brachten die Ukrainer den Vorsprung routiniert über die Zeit. "Kiew ist sehr pressingresistent. Sie waren in der zweiten Halbzeit gegen uns sehr clever. Wir müssen da in unserem Pressing schärfer sein, ein paar mehr Prozent rüberbringen, um auch in die Zonen zu kommen, wo wir Kiew weh tun können. Und ganz wesentlich ist auch, dass wir effizient sind", gab Ilzer den Weg vor.

Er will sein Team so wie beim Ligaerfolg über Titelfavorit Red Bull Salzburg von Beginn an mit viel Druck und Intensität sehen. "Es gibt aber auch einen Gegner. Es hängt davon ab, ob wir die Kraft haben, die Dominanz zu übernehmen, wie es gegen Salzburg gelungen ist. Unser grundsätzlicher Gedanke ist immer die Offensive", betonte Ilzer.

Dass Kiew aufgrund des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine keine Meisterschaft bestreiten kann, ist für die Elf von Mircea Lucescu kein Nachteil, ist Ilzer überzeugt. Er verweist auf viele Testspiele gegen starke Gegner wie Borussia Dortmund oder Olympique Lyon und mittlerweile drei Qualifikationsspiele in der Champions League. "Kiew ist absolut im Spielrhythmus", stellte er daher klar.

Lucescu ist dennoch mit einigen Problemen konfrontiert. "Am schwierigsten ist es, dass den Spielern die Familie und ihre Kinder fehlen. Aber wir sind alle Profis", erklärte der 77-Jährige. Seit Kriegsbeginn Ende Februar ist das Team fast durchgehend zusammengezogen, seit Anfang Juli trainiert es in Uniejov eine Stunde von Lodz entfernt in Zentralpolen.

"Es ist keine einfache Situation, aber wir müssen trotzdem lachen - das Leben geht weiter", betonte Lucescu, der mit Inter Mailand (2:0-Sieg 1998) und Galatasaray Istanbul (0:3-Niederlage 2000) bereits in der Champions League in Graz zu Gast war. Nun erwartet die Trainer-Legende eine schwierige Partie. "Qualifikationsspiele sind anders als die Gruppenphase", meinte der Rumäne. "Sturm Graz ist eine gute Mannschaft - jung, motiviert, mit großem Enthusiasmus."

Ilzer muss in dieser unverändert auf Routinier Jakob Jantscher, der für das Wochenende wieder einsatzbereit sein könnte, und Otar Kiteishvili, der noch länger fehlen wird, verzichten. Dafür wird es lautstarke Unterstützung von den Rängen geben, bis Montagnachmittag wurden 12.150 Karten abgesetzt, darunter wurden 650 an Ukrainer zur Verfügung gestellt. "Die zu erwartende super Kulisse setzt zusätzliche Energie frei", freute sich Gregory Wüthrich.

Der Schweizer Verteidiger ist so wie sein Coach zuversichtlich, dass er und seine Kollegen das Duell mit Kiew noch drehen können. "Wir wissen, was zu tun ist, wir haben einen klaren Spielplan. Wir werden so früh wie möglich auf das erste Tor spielen, ohne ihnen die Räume zu geben. Wir müssen mutiger auftreten (als im Hinspiel), da hat uns auch die letzte Spritzigkeit gefehlt, morgen wird es anders ausschauen", erklärte Wüthrich.

Sturm will zum insgesamt vierten Mal und erstmals seit der Saison 2000/01 wieder in die Gruppenphase der Königsklasse. Ilzer war damals als Fan dabei, nun will er das Gefühl selbst erleben. Mit einem Aufstieg gegen Kiew hätte Sturm bereits fünf Millionen Euro sicher, die jeder Play-off-Verlierer als Trostpflaster erhält. Im Kampf um den Einzug in die Königsklasse würde dann voraussichtlich Benfica Lissabon warten. Die Portugiesen haben in der dritten Qualifikationsrunde das Hinspiel gegen Midtjylland mit 4:1 gewonnen und würden am 16./17. August im ersten Spiel in Graz zu Gast sein - gleichbedeutend mit weiteren Mehreinnahmen für Sturm.