Hermann Nitsch: „Dann geh ich nach Walhalla“

Erstellt am 25. August 2021 | 04:56
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Der Meister und die Gladiolen: Hermann Nitsch vor einer seiner „neuen Arbeiten“, die noch bis 5. September im Mistelbacher Nitsch Museum zu sehen sind. Davor, am 28. August, feiert der Universalkünstler noch Uraufführung – seiner zweiten Sinfonie.
Foto: Michael Pfabigan
Universalkünstler Hermann Nitsch wird 83. Und spricht über Farben, Räusche, Partituren und Walküren.
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Müde ist er noch lange nicht. Dazu hat er noch zu viel vor, der Streitbare, der Umstrittene und der vielleicht Universellste in Österreichs Kunstszene: Hermann Nitsch.

83 wird der in Wien geborene und seit mittlerweile 50 Jahren auch im Weinviertler Prinzendorf lebende Maler, Aktionskünstler, Bühnen- und Kostümbildner, Regisseur und Komponist diesen Sonntag. Und sagt beim Geburtstagsgespräch im einzigen Nitsch Museum Österreichs mitten in Mistelbach (das zweite steht in Neapel): „Mir geht es gut!“

Das sieht man vor allem seinen Bildern an, die so riesig (die beiden größten nehmen gleich die beiden Stirnwände des Ausstellungsraums ein) und so farbenprächtig leuchten wie immer. Nur heller, weicher, sonniger sind sie, die „neuen Arbeiten“, so auch der Titel der Schau, die noch bis Anfang September läuft und nur Werke aus 2019 und 2020 zeigt. „Ich habe“, erklärt der Maler, der als Gebrauchsgrafiker begonnen hat, „das Spektrum meiner Farben erweitert“.

Das ist alles immer ein Gesamtkunstwerk Hermann Nitsch

Neu seien die nicht, aber „neue Kombinationen“. Früher war es „das Schütten“ („ich hab’ auch viele Bilder mit Freude beschmutzt“), jetzt ist es „das Gleiche, aber mit schöneren Farben.“ In diese „neuen Farbräusche“ möchte sich Nitsch „immer mehr vertiefen“ und „mit beiden Händen in den Eingeweiden der Farben wühlen“. Ob er dort jetzt weitermache? Oder ob seine Blumenbilder eine Phase seien? „Für mich gibt es keine Phasen“, denn: „Das ist alles immer ein Gesamtkunstwerk.“

Das gilt auch für sein jüngstes Projekt, für das ihn die Bayreuther Festspiele engagiert haben und das vergangene Woche seine letzte Aufführung hatte: eine konzertante „Walküre“, in Szene gesetzt mit (Schütt-)Bildern von Hermann Nitsch. Welche Farbe denn Wagners Amazone habe? „Zur Walküre“, so der Universalkünstler Nitsch über den „Weltkünstler“ Wagner, „passen alle Regenbogenfarben – und natürlich auch Blut!“ Zu sehen sind die diesen Juli und August entstandenen Bayreuth-Bilder ab 9. Oktober, wenn im Nitsch Museum die nächste Jahresausstellung eröffnet wird.

„Weinviertel Sinfonie“ wird uraufgeführt

Zu hören ist der nächste Nitsch aber schon diesen Samstag, wenn seine „Weinviertel Sinfonie“ ebenfalls in Mistelbach Uraufführung feiert. Wie die klingt? „Wie beim Heurigen [lacht]!“ Nein, es gehe, so der Komponist über sein Streichquartett, das jetzt auf ein Streichorchester – und seine zweite Sinfonie – erweitert wurde, „um die Landschaft“. Denn: „Die Musik und die Malerei, das braucht sich beides.“ Ob er auch noch eine Oper inszenieren würde, den „Parsifal“ vielleicht? „Dafür bin ich jetzt schon zu alt. Ich brauche meine Kraft für meine eigene Arbeit!“ Und für sein Sechs-Tage-Spiel, das er nächstes Jahr in Prinzendorf endlich wieder realisieren will. Davor müsse aber geprobt werden: „Die Partitur ist schon fertig!“

Und nach der Sinfonie, der Bayreuth-Schau, dem Sechs-Tage-Spiel? „Dann geh’ ich nach Walhalla“, sagt Nitsch. Und lacht.