Afrikanische Schweinepest alarmiert heimische Behörden. Die erstmals 2014 auf europäischem Boden festgestellte Afrikanische Schweinepest (ASP) ist nicht kleinzukriegen.

Von Redaktion, APA. Erstellt am 30. August 2018 (12:09)
APA (dpa/Symbolbild)
Die Angst geht um vor der Schweinepest

Dieses Jahr wurden bis Ende August laut einer von der Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) kürzlich aufgestellten Statistik rund 4.830 Fälle von infizierten Wild- und Hausschweinen in Europa nachgewiesen. Das sind in etwa 700 Fälle mehr als im gesamten Vorjahr.

Für Österreich stellen vor allem die zuletzt in Ungarn infizierten Wildschweine eine Gefährdung dar. Seit April wurde das widerstandsfähige, unter Schweinen hochansteckende Virus dort bei 32 Wildschweinen nachgewiesen. Manche Fundorte waren lediglich 200 Kilometer von der österreichischen Staatsgrenze entfernt. Ein Impfstoff konnte trotz Bemühungen noch nicht entwickelt werden.

"Die Tierseuche ist bisher noch nicht in Österreich aufgetreten, durch zahlreiche Fälle in Nordosteuropa ist die Gefahr einer Einschleppung aber sehr hoch", sagte Regina Zeppelzauer vom Gesundheitsministerium auf Anfrage der APA. Denn das Virus halte sich sehr lange in Produkten, die von infizierten Schweinen gewonnen wurden und könne so über hunderte Kilometer vom letzten Ausbruchsort entfernt verbreitet werden. Andere Übertragungswege seien etwa der direkte Kontakt von infizierten Wild- zu Hausschweinen oder die Verschleppung des Erregers mit verschmutzten Schuhen oder kontaminierten Geräten.

Um möglichst rasch reagieren zu können, beobachtet die Veterinärverwaltung im Gesundheitsministerium die Entwicklung der Seuchenlage sehr genau. "Vertreter aus betroffenen Ländern berichten regelmäßig im Ständigen Ausschuss für Tiergesundheit in Brüssel", erklärte Zeppelzauer. Zudem sei die AGES beauftragt worden, alle Seuchenmeldungen auch im Hinblick auf die Entfernung zur österreichischen Grenze zu analysieren.

Sollte die Seuche erstmals in Österreich auftreten, besteht für den Menschen keinerlei Gefahr, auch Schweinefleisch könnte bedenkenlos konsumiert werden. Jedoch müssten in betroffenen Hausschweinebetrieben alle Schweine gekeult und die Tierkörper unschädlich beseitigt werden. Große wirtschaftliche Einbuße für die Betroffenen wären vorprogrammiert. Zudem würden laut Zeppelzauer um den Betrieb Schutz- und Überwachungszonen errichtet und der Tierverkehr drastisch eingeschränkt werden.

Als das für die Schweine meist tödliche Virus im Juni 2017 in der Region um Zlin in Tschechien ausbrach, leitete das Gesundheitsministerium Vorsorgemaßnahmen ein. Diese sind laut Auskunft des Ministeriums nach wie vor aufrecht und könnten falls notwendig auch ausgeweitet werden. Sie gelten für sechs niederösterreichische Bezirke nördlich der Donau und Wien.

Konkret wurden und werden alle tot aufgefundenen Wildschweine auf das Virus hin untersucht und Materialien aus der Jagd entsorgt. Um den Kontakt mit Wildschweinen zu unterbinden, darf Auslaufhaltung von Schweinen nur am Tag und reine Freilandhaltung nur mit doppelter Abzäunung erfolgen. Auch sollten Schweine keine Speiseabfälle gefüttert bekommen, da diese kontaminiert sein könnten. Damit ist auch die Bevölkerung zu Achtsamkeit aufgerufen: Werden potenziell kontaminierte Speisereste auf beispielsweise Autobahnraststätten weggeworfen, könnten diese von Wildschweinen verspeist werden.

Die Afrikanische Schweinepest wurde europaweit erstmals in den baltischen Staaten und im Osten Polens nachgewiesen. Das Virus dürfte über Russland oder die Ex-Sowjetrepublik dorthin gelangt sein. Vor allem in Polen und Litauen wurden in den letzten Monaten viele Fälle bei Wildschweinen nachgewiesen. Hinsichtlich von kontaminierten Hausschweinen ist Rumänien mit 758 Fällen seit Jahresbeginn einsamer Spitzenreiter unter den europäischen Staaten.

Entgegen Rumänien, wo oft kontaminierte Speisereste an Hausschweine verfüttert werden dürften, gelang es Tschechien die Afrikanische Schweinepest durch besonders rigide Vorkehrungen in den Griff zu bekommen. Unter anderem machten mit Wärmebildkamera und Nachtsichtgeräten ausgestattete Scharfschützen der Polizei Jagd auf Wildschweine und das Infektionsgebiet wurde mit einem Elektrozaun eingehegt. Seit April wurden dort keine neuen Fälle von infizierten Schweinen nachgewiesen.