Männer ziehen Frauen bei Pensionshöhe weiter davon. Der Unterschied in der Pensionshöhe zwischen Frauen und Männern ist heuer weiter angestiegen. Das zeigt eine Anfragebeantwortung von Sozialminister Rudolf Anschober (Grüne) an NEOS-Sozialsprecher Gerald Loacker. 2019 lag die Pensionshöhe der Männer im Schnitt bei 1.769 Euro, jene der Frauen bei 1.171 Euro. Verantwortlich ist unter anderem ein Nachzieheffekt bei der erweiterten Hacklerregelung.

Von APA, Redaktion. Update am 15. September 2020 (15:16)
Der Gender Pension Gap ist erneut größer geworden
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Das macht einen Gender-Gap von 51 Prozent. Im ersten Halbjahr 2020 stieg die durchschnittliche Leistung der Männer auf 2.039 Euro, jene der Frauen aber nur auf 1.219 Euro, womit der Unterschied zwischen den Geschlechtern schon 67 Prozent ausmacht. Auch die Zahl der Neuzugänge in den Ruhestand ist heuer nach oben geschnellt und auch das vor allem bei den Männern. Waren im Vorjahr gesamt 46.311 Männer in Pension gegangen, waren es heuer alleine im ersten Halbjahr schon 28.312.

Dafür gibt es einen Hauptgrund, nämlich die als "Wahlzuckerl" verschriene Ausweitung der Langzeitversicherung, auch genannt Hacklerregelung. Diese war gegen die Stimmen der NEOS kurz vor dem Urnengang 2019 beschlossen worden und brachte mit sich, dass man mit 45 Beitragsjahren wieder abschlagsfrei in den Ruhestand treten konnte. Nicht wenige angehende Pensionisten gingen daher etwas später als geplant, nämlich erst Anfang 2020 in Pension, um sich die Abschläge, die bei einem früheren Antritt angefallen wären, zu ersparen.

Diese Hacklerpensionen haben ihren Preis. Nach Angaben der Pensionsversicherungsanstalt PVA vom August sind die abschlagsfrei zuerkannten Pensionen im Schnitt um 305 Euro brutto monatlich höher als jene, die im vergangenen Jahr zuerkannt wurden.

Loacker ist jedenfalls empört. Die Auswirkungen seien schlimmer als befürchtet. Nicht nur dass der Gender Pension Gap immer größer werde, müssten die nächsten Generationen auch die immensen Kosten von längerfristig knapp drei Milliarden Euro jährlich stemmen.

Ein wesentlicher Grund für den Geschlechterunterschied bei Männern und Frauen sei zudem das höhere gesetzliche Pensionsantrittsalter bei Männern von 65 im Vergleich zu noch 60 bei Frauen. Beim Pensionsantritt könnten Männer so deutlich mehr Versicherungszeiten vorweisen als Frauen. Laut Pensionsrechner würde sich der Unterschied zwischen Frauen- und Männer-Pensionen von 51 Prozent auf circa 35 Prozent reduzieren, wenn Frauen erst mit dem Männerpensionsantrittsalter in Pension gehen würden. Wenn Frauen ähnlich viele Versicherungsjahre aufweisen würden wie Männer, wäre der Gap zumindest bei etwa 15 bis 20 Prozent. Als politische Handlungsanleitung gibt Loacker das verpflichtende Pensionssplitting und einen Ausbau der Kinderbetreuungseinrichtungen mit.

Freilich rücken Frauen mittlerweile deutlich näher an ihr gesetzliches Pensionsalter heran als die Männer. Frauen gingen im Vorjahr im Schnitt nämlich mit 59,5 Jahren in Rente, Männer mit 61,3, also fast vier Jahre vor dem 65. Geburtstag.

Frauenministerin Susanne Raab (ÖVP) sieht in der Erhöhung des Pension Gender Gaps ein Argument für die Umsetzung des automatischen Pensionssplitting, da dieses dem Kampf gegen die Altersarmut diene. Sie werde sich weiter stark dafür einsetzen, dass dieses Vorhaben so rasch wie möglich umgesetzt werde.

ÖGB und SPÖ laufen gegen das verpflichtende Pensionssplitting hingegen Sturm. Dass Männer und Frauen während der Karenz die Beiträge teilen, würde für ÖGB-Vizepräsidentin Korinna Schumann bedeuten, dass die Frauen- und Familienpolitik um Jahrzehnte zurückgeworfen würde. Mögliche Effekte seien bestenfalls in einigen Jahrzehnten spürbar. Stattdessen empfiehlt sie unter anderem eine faire Anrechnung von Kindererziehungszeiten.