Impfen für jedes Alter und jede Lebenslage. Die Österreicher sollten sich für jedes Alter und jede Lebenslage per Impfung vor gefährlichen Erkrankungen schützen. Das forderten am Mittwoch Experten aus Anlass des Österreichischen Impftages (19. Jänner) in Wien. Die Zahl der schweren Erkrankungen die durch Impfungen vermeidbar wären, ist in Österreich zuletzt deutlich angestiegen.

Von Redaktion, APA. Erstellt am 12. Dezember 2018 (13:15)
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Die Österreicher sind Impfmuffel

"Es beginnt schon in der Schwangerschaft, bei der sich das Immunsystem dramatisch ändert. Da können schwerste Erkrankungen häufiger auftreten. Das gilt zum Beispiel für die Influenza, auch für Keuchhusten", sagte Ursula Wiedermann-Schmidt von der MedUni Wien, die wissenschaftliche Leiterin des Impftages.

Im Kindesalter seien dann bald Pneumokokken und Meningokokken ein Problem. Jugendliche müssten verstärkt darauf angesprochen werden, im Impfschutz zu bleiben. "Auch die Erwachsenen sind eine wichtige Gruppe, weil wir bei ihnen Impflücken entdecken, zum Beispiel bei Masern und Keuchhusten." Bis November dieses Jahres gab es in Europa bereits rund 41.000 Masern-Erkrankungen und 63 Todesfälle. In Österreich waren es 75 registrierte Masern-Erkrankungen. Im Alter schließlich gilt es, durch besseren Impfschutz auf die zunehmende Schwächung des Immunsystems zu reagieren.

Der Kinderarzt und Leiter des Referats für Impfangelegenheiten der Österreichischen Ärztekammer, Rudolf Schmitzberger, verwies besonders auf die Pertussis: "In den vergangenen zwei Jahren ht sich die Zahl der registrierten Keuchhustenerkrankungen verdoppelt. Ein Erkrankter kann 17 weitere Personen anstecken." Hier wären mehr Impfungen quer durch die Bevölkerungsschichten in Österreich notwendig.

Bezüglich der Pneumokokken - hier gibt es die Impfung im Gratis-Immunisierungsprogramm - sprach sich Schmitzberger für einen Umstieg von der derzeit verwendeten Vakzine, die gegen zehn Serotypen der Bakterien schützt, auf den vorhandenen breiter wirksamen Impfstoff gegen 13 Serotypen aus. "Man sollte von dem zehn-valenten Impfstoff auf den 13-valenten wechseln." Vergangenes Jahr hätte es in Österreich zehn (invasive) Pneumokokkenfälle gegeben, bei denen die festgestellten Keime nicht durch die Vakzine abgedeckt worden seien.

Die Frage ist offenbar auch eine der Finanzen für das Gratis-Impfprogramm. Außerdem ist sie in der Pharma-Industrie umstritten. Klarheit soll eine wissenschaftliche Studie des Instituts für Spezifische Prophylaxe und Tropenmedizin der MedUni Wien (Leiterin: Ursula Wiedermann-Schmidt) und der Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) bringen.

Bei der Influenza drängen die Fachleute auf eine jährliche frühe Immunisierung. Gerhard Kobinger, Vorstandsmitglied der Österreichischen Apothekerkammer: "Es ist zu spät, eine Feuerversicherung abzuschließen, wenn der 'Stadl' bereits brennt." Die Österreicher sollten sich am besten jedes Jahr schon im Herbst gegen die Virus-Grippe immunisieren lassen. Vergangenes Jahr taten das nur rund sechs Prozent der Österreicher. Dieses Jahr sei etwas mehr Impfstoff vorhanden. Besser sei die Versorgung auch mit dem Vierfach-Influenzaimpfstoff. Im Endeffekt erhalte aber Österreich nur Kontingente der verschiedenen Vakzine auf der Basis der Verkaufszahlen des vergangenen Jahres.