Russland wird britische Diplomaten ausweisen. Als Reaktion auf die Sanktionen Londons in der Giftanschlag-Affäre weist Russland nun britische Diplomaten aus. Außenminister Sergej Lawrow nannte zwar keine Zahlen, Russland werde diesen Schritt aber sicher gehen. Nach britischen Medienberichten könnte das bei dem Anschlag verwendete Nervengift im Koffer der Tochter des Ex-Doppelagenten Sergej Skripal nach Großbritannien gelangt sein.

Von Redaktion, APA. Erstellt am 16. März 2018 (11:23)
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Lawrow kündigte Ausweisungen an

Wie die Zeitung "Daily Telegraph" meldete, prüfen die Ermittler derzeit die Theorie, dass ein Kleidungsstück oder ein Kosmetikum mit dem Gift imprägniert gewesen sein könnte, oder ein Geschenk, das im Haus von Skripal geöffnet worden sei. Damit hätten es die Verantwortlichen womöglich gezielt auf Skripals Tochter abgesehen, um an ihren Vater heranzukommen.

Bei den Untersuchungen im Streit um den Giftanschlag setzt Lawrow auf eine mögliche Aussage des Opfers. "Warum fragen wir nicht einfach den Betroffenen selbst, wenn es ihm hoffentlich besser geht", sagte der russische Außenminister in Astana. "Wahrscheinlich kann er am ehesten Aufschluss über vieles geben, was an jenem Tag passiert ist, als die Tragödie geschah."

Lawrow kritisierte zudem die Rhetorik des britischen Verteidigungsministers Gavin Williamson als unflätig. "Wahrscheinlich will er mit seinen groben Worten in die Geschichte eingehen", sagte der Chefdiplomat. Williamson hatte zuvor betont: "Russland soll weggehen und die Klappe halten."

Der ehemalige russische Doppelagent Skripal und seine Tochter waren am 4. März im britischen Salisbury vergiftet worden, sie schweben weiterhin in Lebensgefahr. London verhängte wegen des Attentats Sanktionen gegen Moskau. Unter anderem müssen 23 russische Diplomaten das Land binnen einer Woche verlassen, die bilateralen Beziehungen wurden auf Eis gelegt.

Die Regierung in Moskau bereitet neben der Ausweisung der Diplomaten derzeit auch "Vergeltungsmaßnahmen" für die von den USA verhängten Sanktionen wegen des Vorwurfs der Wahlkampfeinmischung vor. Die am Donnerstag beschlossenen Strafmaßnahmen der USA würden nach dem Prinzip der Parität im selben Umfang beantwortet, zitierte die Nachrichtenagentur RIA den russischen Vize-Ministerpräsidenten Sergej Riabkow am Freitag.

Es seien aber auch zusätzliche Maßnahmen denkbar. Allerdings werde man bei Gegenmaßnahmen berücksichtigen, dass Russland weiterhin ein Interesse daran habe, den Dialog mit den USA aufrecht zu erhalten, sagte Riabkow. Diejenigen in den USA, die die Sanktionen gegen sein Land dazu nutzen wollten, die beiderseitigen Beziehungen zu zerstören, spielten mit dem Feuer, warnte er.