"Staatenbund"-Präsidentin breitete weiter Ideen aus. Im Grazer Straflandesgericht ist am Donnerstag der Prozess gegen 14 Mitglieder des "Staatenbund Österreich" fortgesetzt worden.

Von Redaktion, APA. Erstellt am 18. Oktober 2018 (12:00)
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Der Prozess gegen 14 Mitglieder des "Staatenbunds" geht weiter

Am vierten Tag stand die Befragung der Erstangeklagten durch die Verteidiger auf dem Programm. Das erwies sich aber als wesentlich umfangreicher als erwartet und bot der Präsidentin nochmals ausführlich Möglichkeit, ihre Vorstellungswelt ausführlich darzulegen.

Die 14 Angeklagten sind mit den bizarr anmutenden Ideen ihrer Chefin bestens vertraut, die 14 Verteidiger wollten unterschiedliche Teile des Gedankengebäudes beleuchten. Der Staatsanwalt hatte zwei Tage lang nicht nur Fragen gestellt, sondern auch zahlreiche Tondokumente vorgespielt, die seine Anklage untermauern sollten. Die Beschuldigten müssen sich teilweise wegen versuchter Bestimmung zum Hochverrat, staatsfeindlicher Verbindung und Betrug verantworten.

Am ersten Tag hatte der Ankläger die Präsidentin als "Hasspredigerin" bezeichnet. "Haben Sie irgendwann zu Hass und Gewalt aufgerufen?", fragte einer der Verteidiger. "Nie, nur zu Liebe, und wir wollten für die Menschen etwas verändern", lautete die Antwort. Dann ergänzte sie aber: "Die Wahrheit ist ein zweischneidiges Schwert, auf der einen Seite zerstört es, auf der anderen Seite entsteht etwas Neues, und das kann mit Verletzungen verbunden sein. Natürlich nur psychisch, niemals körperlich, beeilte sie sich hinzuzufügen.

"Unser Motto ist Wahrheit, Licht und Liebe", betonte die Präsidentin immer wieder. "Wie passt das mit den Haftbefehlen zusammen, die Sie ausgestellt haben?", wollte die Richterin wissen. "Wir wollten euch einen Spiegel vorhalten", kam die Antwort. "Wir sind die Opfer, wir werden von diesem System permanent unterdrückt", meinte sie, um dann ihrem Unmut Luft zu machen: "Sie stellen uns ja dar, als wären wir lauter Depperte."

Gleich darauf schilderte sie aber, dass sie einen Anruf aus dem Kreml bekommen habe, nachdem sie Wladimir Putin einen Brief mit der Bitte um Hilfe geschickt habe. Ein Sekretär, der "gut Deutsch gesprochen hat", habe sich über den "Staatenbund" erkundigt. Da fragte dann niemand mehr weiter.

Ein anderer Verteidiger meinte, "ich möchte in Ihre Gedankenwelt eintauchen". Nach über einer Stunde Befragung über Staatenbund, Bundesstaat, Gewaltentrennung und Staatsbürgerschaften machte sich eine allgemeine Erschöpfung breit, nur die Angeklagte sprach weiterhin munter von ihren "Menschen aus Fleisch und Blut". Für den Nachmittag wurde die Befragung des Zweitangeklagten erwartet.