Skandal um türkis-blaues Dosenschießen am Familienfest. SJ ließ Gäste bei Stand in Groß-Enzersdorf (Bezirk Gänserndorf) auf Gesichter von FP- und VP-Politikern schießen.

Von Stefan Havranek. Update am 21. August 2019 (14:23)
Die gegenständlichen Dosen, die für den Skandal am SPÖ-Familienfest in Groß-Enzersdorf sorgten.
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Aufregung herrschte nach dem heurigen Familienfest der Stadtler SPÖ: Bei einem Stand der Sozialistischen Jugend (SJ) gab es ein Dosenschießen. So weit, so gut, doch auf den Dosen waren Konterfeis der Mitglieder der ehemaligen türkis-blauen Regierung aufgeklebt, was sowohl die VP als auch die FP in Rage brachte.

„Niveaulos. Außerdem sollte die Politik auf einem Familienfest nichts verloren haben.“ÖVP-Stadrat Gottfried Rotter

„Eine absolut unpassende Aktion. Ich glaube, in der heutigen Zeit auf Gesichter von Personen zu schließen, ist nicht angebracht“, beschwert sich VP-Stadtrat Peter Cepuder. Sein Fraktionskollege, Gemeinderat Gottfried Rotter, pflichtet ihm bei: „Niveaulos. Ich bin schon grundsätzlich verwundert, dass die SP-Spitze der Stadt, die ja aus zwei ausgebildeten Pädagogen besteht, zulässt, dass Kinder mit Bällen Personen abschießen. Außerdem sollte Politik auf einem Familienfest nichts verloren haben.“

Auch wenn die SJ den Stand betreute, hätten die Veranstalter ihren Segen dazu geben müssen. „Außerdem gibt es Bilder, auf der eine lachende SP-Bürgermeisterin Monika Obereigner-Sivec sowie SP-Landesparteivorsitzender Franz Schnabl auf die fragwürdigen Dosen zeigen.“ Die VP verlange eine Entschuldigung und Distanzierung der roten Genossen sowie ein eindeutiges Statement zu der Aktion.

FP-Stadtrat René Azinger schlägt in die gleiche Kerbe: „Es ist sehr befremdlich, bei einem Familienfest auf Personen schießen zu lassen. Eine geschmacklose Aktion. Und ich bin einer, der schon Spaß versteht, aber diese Aktion ist nicht lustig.“

Azinger erinnert daran, wie sich die SPÖ darüber beschwerte, als die FPÖ zur Party lud, weil die Grünen aus dem Parlament geflogen waren. „Paradox finde ich außerdem, dass just einige Tage vor dem Familienfest eine Aussendung der Bürgermeisterin herausging, in dem sie für Fairness im Wahlkampf wirbt“, legt der Blaue nach.

„Wir wollten niemanden damit verletzen“

SJ-Bezirksvorsitzender Patrick Hansy stellt vorweg klar: „Die SPÖ wusste nichts von dieser Aktion.“ Das Ganze sei als lustige Aktion für Erwachsene geplant gewesen – deswegen gab es als Preis auch ein Glas Bowle: „Wir finden, dass die Ibiza-Affäre eine Sauerei war und nicht in Vergessenheit geraten darf. Wir wollten aber niemanden verletzen.“ Ziel des Dosenschießens sei gewesen, mit einem „Ibiza-Ball“ die türkis-blaue Koalition erneut zu sprengen. „Ein Treffer wurde deshalb auch als Rücktritt gewertet und nichts anderes“, informiert Hansy weiter.

SP-Landesparteivorsitzender Franz Schnabl und SP-Bürgermeisterin Monika Obereigner-Sivec mit den betreffenden Dosen
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Weder die SP-Bürgermeisterin noch ihr SP-Vize Michael Paternostro waren für eine Stellungnahme zu erreichen. Via APA äußerte sich Schnabl: „Es war keine besonders kluge Aktion der SJ. Aber die Freiheitlichen sollen erst einmal vor der eigenen Tür kehren. Die FP versucht, mit Aufregung von sich selbst und davon, dass sie themenlos sind und von einem Fettnäpfchen ins nächste stolpern, abzulenken.“

Sogar SPÖ-Bundesparteichefin Pamela Rendi-Wagner gab eine Stellungnahme ab: Die SJ sei „im wahrsten Sinne übers Ziel geschossen“. Dass sie sich entschuldigte, „war richtig“. Dennoch zeigte sich Rendi-Wagner stolz, dass „wir eine große Jugendorganisation haben, die mit viel Eifer bei der Sache ist“. Allerdings wehre sie sich dagegen, den Fall „auf einer Stufe mit einem Ibiza-Video zu diskutieren“.

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