Zahlreiche Geschäfte sperren nach "Shutdown" wieder auf. Am Dienstag haben zahlreiche Handelsgeschäfte nach einem einmonatigen "Shutdown" wieder aufgesperrt. Bei einigen Baumärkten gab es am Vormittag großen Kundenandrang, in den sozialen Medien kursierten Videos von langen Schlangen. Regierung und Gewerkschaft appellierten an die Vernunft der Kunden, "nur dringende Einkäufe bereits in dieser Woche zu erledigen".

Von APA, Redaktion. Update am 14. April 2020 (14:10)
Bau- und Gartenmärkte dürfen seit Dienstag wieder öffnen
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Seit Dienstag dürfen Tankstellen-Waschstraßen, Kfz- und Fahrradwerkstätten, Baustoff-, Eisen- und Holzhandel, Pfandleihanstalten und der Handel mit Edelmetallen, Bau- und Gartenmärkte (unabhängig von der Größe) sowie kleinere Händler, wenn der Kundenbereich im Inneren höchstens 400 Quadratmeter beträgt, ihre Pforten öffnen. In den Geschäften gilt Masken- und Abstandspflicht. Einkaufszentren, Gastronomie und Hotellerie müssen sich noch gedulden. Wieder offen haben auch die Bundesgärten in Wien und Innsbruck.

Die Regierung ersuchte angesichts des starken Andrangs bei den wieder geöffneten Baumärkten die Bevölkerung, nicht gleich am ersten Tag die Geschäfte zu stürmen. "Die Baumärkte bleiben offen. Man muss nicht alles heute besorgen", sagte Innenminister Karl Nehammer (ÖVP). Ähnlich äußerte sich auch Kanzler Sebastian Kurz (ÖVP). Er appellierte an die Bevölkerung mitzuhelfen, dass es nicht zu einer Überlastung kommt. Laut Nehammer ist speziell bei den Baumärkten die Polizei in Kooperation mit den Filialleitern verstärkt vor Ort, damit alles geordnet abläuft.

Auch die Gewerkschaft appellierte an die Vernunft der Kunden, "nur dringende Einkäufe bereits in dieser Woche zu erledigen", so Barbara Teiber, Bundesvorsitzende der Gewerkschaft GPA-djp. Denn die Kundenströme müssten sich über einen längeren Zeitraum verteilen können. "Kurz gefasst: Material zur Reparatur der Wasserleitung kann gerne heute gekauft werden, der neue Lampion für den Garten soll bitte bis nächste Woche warten," so Teiber.

Die teilweise Öffnung des Handels sorgt jedoch nicht nur für großen Kundenandrang, sondern auch für erneute Rufe nach mehr Gerechtigkeit beim Wieder-Hochfahren. Denn nicht alle Händler, die im Zuge der Corona-Krise für vier Wochen schließen mussten, durften am Dienstag wieder aufsperren. So müssen Shoppingcenter noch bis 2. Mai geschlossen bleiben - und damit auch alle darin angesiedelten Händler, die nicht zur lebensnotwendigen Grundversorgung zählen.

Die FPÖ ortet eine Ungleichbehandlung und Bevorzugung von großen Konzernen. Man vergesse mit der Regelung auf "die kleinen, eigenständigen und nicht zu Konzernen gehörenden KMU, die sich lediglich in größere Einheiten oder verkehrsgünstige Standortkonzentrationen (Einkaufszentren) eingemietet haben", so der Bundesobmann der Freiheitlichen Wirtschaft (FW), Matthias Krenn.

Die im Zuge der Ausgangsbeschränkungen zunächst geschlossenen Bundesgärten sind seit Dienstag wieder geöffnet. Sämtliche Anlagen in Wien und Innsbruck - in diesen beiden Städten gibt es Bundesgärten - sind wieder frei zugänglich. Allerdings gab es Kontrollen, um zu großes Gedränge zu vermeiden. Dieses blieb in Wien, wo es heftige Debatten um die Schließung gab, am Dienstag aber wetterbedingt ohnehin aus.

Die historischen Gartenanlagen wurden nach Verkündung der Covid-Maßnahmen Mitte März analog zu den Bundesmuseen geschlossen - oder genau genommen nicht mehr aufgesperrt. Denn die Areale sind umfriedet und auch regulär nur tagsüber besuchbar. Betroffen waren in Wien der Schlosspark Schönbrunn, der Belvederegarten, der Volksgarten, der Burggarten sowie der Augarten, in Innsbruck der Hofgarten und der Schlosspark Ambras. Bei den Toren wurde mittels Schildern auch auf den nötigen Sicherheitsabstand oder das Verbot der Gruppenbildung hingewiesen.

Neu geregelt wurde zudem, dass neben Begräbnissen künftig auch Hochzeiten nur im engsten Familienkreis stattfinden dürfen.