Tippler im Super-G von St. Anton 4.. Lara Gut-Behrami hat einen spektakulären Weltcup-Super-G in St. Anton gewonnen. Die Schweizerin siegte 0,16 Sek. vor der Italienerin Marta Bassino und 0,20 vor Landsfrau Corinne Suter. Die Abfahrts-Zweite Tamara Tippler wurde Vierte (+0,45). Ariane Rädler sprang nach einem Doppel-Aus für Nina Ortlieb mit Rang 7 als beste Vorarlbergerin ein und wurde zweitbeste Österreicherin. Die überlegene Abfahrtssiegerin Sofia Goggia schied auf dem trickreichen Kurs wie viele andere aus.

Von APA / BVZ.at. Erstellt am 10. Januar 2021 (15:10)
Lara Gut-Behrami gewann Super-G in St. Anton
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Nach der ohnehin schon spektakulären Abfahrt ging am Sonntag auch der Super-G am Arlberg bei Prachtwetter über die Bühne. Was auch gut so war, denn auf dem vom italienischen Franzosen-Coach Marco Viale knifflig gesetzten Kurs hatten die Damen ihre liebe Not. Vor allem im unteren Streckenteil nach dem Eisfall, auf dem das Tempo trotz der unrhythmisch gesteckten Tore höher war als tags zuvor in der Abfahrt. Suter etwa sprach von einem "Höllenritt", Goggia bezahlte diesmal ihre Angriffslust mit einem Ausfall.

"Wenn die heute runter kommt, fresse ich einen Besen", hatte Tippler das im Ziel schon befürchtet. Die Steirerin selbst zeigte erneut eine starke Leistung, obwohl sie am Saisonstart an einer heftigen Covid-19-Erkrankung gelitten hatte. Am Geschmackssinn fehle es zwar immer noch ein wenig, "aber insgesamt ist es Geschichte", versicherte Tippler, die das erneute Podest um 0,25 Sekunden verpasste. Insgesamt war sie beim Weltcup-Comeback in St. Anton aber mit den Plätzen 2 und 4 klar die beste ÖSV-Dame. "Aber auch bei mir war es heute nicht die perfekte Fahrt."

Dass am Ende trotz des Doppelausfalls der hoch eingeschätzten Lokalmatadorin Ortlieb ("Das tut entsetzlich weh") mit Tippler (4.), Rädler (7.), Stephanie Venier (9.), Ricarda Haaser (11.) und Rosina Schneeberger (13.) gleich fünf ÖSV-Damen in die Top 13 kamen, war nach Val d'Isere mit Tippler als Bester auf Rang 14 eine deutliche Steigerung. Und freute auch Nicole Schmidhofer. Die verletzte Teamkollegin meldete sich aus dem Krankenhaus über Telefon und Ziellautsprecher. Für Tipplers spektakulären Sprung im Eisfall vergab sie "fünf Mal Note 20". Tipplers schmunzelnde Antwort: "Als Skispringerin wäre ich nur bei der Anfahrt schnell."

Die größte ÖSV-Überraschung beim Antoner Super-G-Spektakel war Rädler. Die Vorarlbergerin raste mit hoher Startnummer 34 auf Platz sieben und toppte ihr bisher bestes (12. in Garmisch 2019) Weltcupergebnis. Dass die 25-Jährige ihr erst elftes Weltcuprennen fuhr, liegt daran, dass sie bereits vier Kreuzbandrisse erlitten hat. "Es ist schwierig, es nach Verletzungen immer gleich bei Rennen beweisen zu müssen. Aber das Schwierige liegt mir. Super, dass ich endlich etwas zurückgeben konnte", sagte Rädler.

Auch Venier freute sich über ein gutes Wochenende. "Heute ist kaum eine fehlerfrei runtergekommen. Die Geschwindigkeit im Eisfall war höher als in der Abfahrt, da werden die Kurven automatisch enger", erklärte die Tirolerin. "Ich hätte heute dreimal ausfallen können. Aber insgesamt ist die alte Steffi wieder im Kommen", sagte Venier. Haaser meinte nach Platz elf: "Der Speed passt wieder. Es war eine Frechheit, mit welcher Handbremse ich zuvor den unteren Teil gefahren bin."

Gut-Behrami hatte wie oft eine frühe Nummer gewählt und dachte nach ihren zahlreichen Fehlern, den Sieg liegen gelassen zu haben. Was ihr wegwerfende Handbewegung im Ziel erklärte. Letztlich freute sich die routinierte Schweizerin (29) über ihren 27. Weltcupsieg, den 13. im Super-G. Zuletzt hatte sie im Februar vor dem vorzeitigen corona-bedingten Abbruch der Saison beide Abfahrten in Crans-Montana gewonnen. In einem Super-G hatte es für die Eidgenossin zuletzt vor drei Jahren in Cortina d'Ampezzo geklappt.

Diesmal schlug sie sogar gleich "doppelt" zu, gewann sie doch 2 Hundertstel vor Suter auch die Wertung für die Gesamtschnellste beider Rennen und damit einen Sommerurlaub in Altenmarkt-Zauchensee. "Es war ein schwieriger Super-G und ich dachte definitiv, zu viel Zeit liegegelassen zu haben", sagte Gut-Behrami. "Ich fahre lieber gleich vorne, mag das Herumstudieren nicht so sehr", erklärte sie ihre Nummernwahl. "Natürlich hatten es die anderen dadurch heute leichter, weil sie mitbekommen haben, welche Fehler wir gemacht haben." Bei ihr stimme das Vertrauen derzeit wieder. "Wenn das fehlt, bin ich gleich zwei Sekunden langsamer."