Top-Noten für nachrüstbare Lkw-Abbiegeassistenten. Ein u.a. vom ÖAMTC durchgeführter Test nachrüstbarer Lkw-Abbiegeassistenten hat ergeben, dass alle vier überprüften Systeme ungeschützte Verkehrsteilnehmer erkennen und einen Unfall verhindern können. Nicht jeder Assistent arbeite in jedem Szenario gleich zuverlässig, aber alle vier Systeme erfüllen die Voraussetzungen, die z.B. in Deutschland gelten, um eine Nachrüstungs-Förderung zu erhalten.

Von APA Red. Erstellt am 25. April 2019 (14:52)
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Laut ÖAMTC funktioniert die Technik

Im Test am meisten überzeugt habe das Nachrüst-System AAS von MEKRA Lang, hieß es am Donnerstag vom ÖAMTC. Die Kombination aus Radarsensor und Kamera-Monitor-System habe sich als sehr zuverlässig erwiesen. "Diese Technologie kann mehrere stationäre und bewegliche Objekte gleichzeitig erfassen und differenzieren und es kam auch bei den Versuchen im realen Verkehrsgeschehen zu keiner Fehlauslösung", erklärte Gerhard Blümel, Lkw-Experte des ÖAMTC.

Auch die Systeme Mobileye Shield+ und LUIS Technology Turn Detect funktionierten im Test zufriedenstellend. Der Assistent von Mobileye beobachte mit zwei Kameras das Verkehrsgeschehen und warne den Fahrer mittels optischen Signals auf der A-Säule. Errechne die Software eine bevorstehende Kollision, gibt es zusätzlich eine akustische Warnung. Die Rate der Fehlauslösungen lag laut ÖAMTC hier bei rund sechs Prozent. Das System von LUIS Technology verfüge über eine Kamera und einen Monitor in der Fahrerkabine, auf dem ungeschützte Verkehrsteilnehmer im Gefahrenbereich rot hervorgehoben werden. Ist das beim Abbiegevorgang der Fall, werde der Fahrer auch akustisch gewarnt. Hier habe die Rate der Fehlauslösungen bei rund 22 Prozent gelegen.

Beim Abbiegeassistenten von Wüllhorst Fahrzeugbau/EDEKA hätten sich die Schwächen von Ultraschallsensoren gezeigt. Mit fast 60 Prozent Fehlauslösungen schnitt das System in der realen Straßensituation im ÖAMTC-Test am schwächsten ab. "Diese Technologie kann nicht zwischen ungeschützten Verkehrsteilnehmern und Objekten wie Ampeln unterscheiden. Auch wenn ein Monitor dem Fahrer bei der Identifizierung hilft, bindet eine solche Fehlerrate zu viel Aufmerksamkeit und schadet der Akzeptanz des Systems", so Blümel.

Die EU sieht die verpflichtende Serienausstattung mit Abbiegeassistenten spätestens ab 2022 in allen neuen Fahrzeugtypen und ab 2024 in allen Neufahrzeugen vor. Einer freiwilligen Serienausstattung, die bereits heuer beginnen könne, stehe laut ÖAMTC aber nichts im Weg. "Eine Typisierung von Lkw mit neuen Abbiegeassistenten sollte nach jetzigem Kenntnisstand ab Oktober 2019 möglich sein. Bis dahin werden voraussichtlich die genauen Spezifikationen stehen, die die Systeme ab 2022 erfüllen müssen", sagte ÖAMTC-Direktor Oliver Schmerold.

Was eine Nachrüstung des Fahrzeugbestandes betrifft, sei die entsprechende Förderung von Verkehrsminister Norbert Hofer (FPÖ) bereits zugesagt, jetzt gehe es darum, die Regeln festzulegen, wie die Frächter und Busunternehmen dazu kommen. Die Kosten liegen bei den getesteten Nachrüstsystemen etwa zwischen 800 und 2.500 Euro, dazu kommen die Kosten für den Einbau. "Aus unserer Sicht könnte man sich dabei im Wesentlichen an der Förderrichtlinie des deutschen Verkehrsministeriums orientieren. Dann liegt es in der Eigenverantwortung der Transport-Unternehmen", so Schmerold. Rein technisch stehe einer Nachrüstung der Lkw- und Busflotten in Österreich nichts mehr im Wege.

Auch der Verkehrsclub Österreich (VCÖ) zeigte sich erfreut über die Testergebnisse und sprach sich erneut für eine rasche Nachrüstung von Lkw mit Abbiegeassistenten aus. Zudem seien gesetzliche Grundlagen zu schaffen, damit Städte und Gemeinden Fahrverbote für gefährliche Lkw erlassen können. "Die Testergebnisse bestätigen, was wir und andere Fachleute seit Monaten sagen: Es gibt bereits heute Lkw-Abbiegeassistenten, die gut funktionieren", so VCÖ-Experte Markus Gansterer. Wie in Deutschland solle es dafür auch eine entsprechende Förderung geben.

Erfreut über das Ergebnis des Tests zeigte sich Verkehrsminister Norbert Hofer (FPÖ): "Es ist mehr als positiv, dass es nun zumindest von bestimmten Herstellern funktionierende Abbiegeassistenzsysteme für Nachrüstungen gibt." Der verpflichtende Einbau eines Assistenten vor der vom EU-Parlament beschlossenen Einführung 2022 sei nach wie vor nicht geplant.

Dies würde gegen EU-Recht verstoßen, begründete man am Donnerstag im Ministerium auf APA-Nachfrage. Die Typisierung der Lkw sei EU-Sache, es könne Klagen geben, wenn ein Land nun im Alleingang eine Verpflichtung einführe.

In Wien will man - sofern möglich - den Fuhrpark des Magistrats bzw. der Rathaus-Dienststellen ebenfalls mit Abbiegeassistenten ausrüsten. Die Müllabfuhr testet seit Monaten entsprechende Modelle - derzeit werden neun verschiedene Systeme ausprobiert. "Jedes einzelne hat noch 'Kinderkrankheiten'", hieß es am Donnerstag aus dem Büro der zuständigen Stadträtin Ulli Sima (SPÖ). Anlässlich der aktuellen Studie werde man sich mit dem ÖAMTC umgehend austauschen, wurde auf APA-Anfrage im Sima-Büro versichert. Denn alle hätten dasselbe Ziel: "Die Straßen sicherer zu machen und Unfälle zu vermeiden."