China erhöht Zölle auf Waren im Wert von 60 Mrd. Dollar. Im Handelsstreit mit Washington reagiert China auf höhere US-Zölle und hebt seinerseits die Einfuhrgebühren auf US-Produkte im Wert von 60 Milliarden US-Dollar (rund 53 Mrd. Euro) an. Vom 1. Juni an sollen knapp 2.500 US-Produkte mit 25 Prozent Importzoll belegt werden. Auf weitere Waren sollen ebenfalls Strafzölle erhoben werden, allerdings mit niedrigeren Zollsätzen.

Von Redaktion, APA. Erstellt am 13. Mai 2019 (15:52)
Nicht alle sehen Trump als gewieften Verhandlungsführer
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Die "Anpassung" sei eine "Antwort auf den US-Unilateralismus und Handelsprotektionismus", so die Behörden in Peking weiter. China hoffe, dass die USA im Sinne gegenseitigen Respekts zur bilateralen wirtschaftlichen Zusammenarbeit zurückkehrten. US-Präsident Donald Trump hatte die Regierung in Peking vor Gegenmaßnahmen gewarnt.

In der Nacht zum Freitag hatten die USA die Anhebung der Sonderabgaben auf Importe aus China im Wert von 200 Milliarden Dollar in Kraft gesetzt. Die Zölle stiegen von bisher 10 auf 25 Prozent. Für weitere Importe im Volumen von 50 Milliarden Dollar lag der Satz bereits zuvor bei 25 Prozent. Daraufhin hatte China Gegenmaßnahmen angekündigt.

Die letzte Gesprächsrunde zwischen den beiden größten Volkswirtschaften der Welt war in der vergangenen Woche ohne Durchbruch beendet worden.

US-Präsident Donald Trump gab China die Schuld an der Eskalation im Handelskonflikt und warnte Peking vor Konsequenzen. Man sei kurz davor gewesen, ein "großartiges" Abkommen abzuschließen, dann sei China aber abgesprungen, schrieb Trump am Montagvormittag (Ortszeit) auf Twitter. Der US-Handelsbeauftragte Robert Lighthizer hatte am Wochenende berichtet, Trump habe auch angeordnet, 25-prozentige Abgaben auf weitere Waren im Wert von rund 300 Milliarden Dollar zu erheben - und damit auf alle chinesischen Importe.

Ohne einen Deal würden sich Firmen gezwungen sehen, dass Land zu verlassen, schrieb Trump am Montag bei Twitter weiter. "Ich sage Präsident Xi und all meinen Freunden in China offen, dass China sehr schwer getroffen wird, wenn sie kein Abkommen abschließen, weil Unternehmen gezwungen werden, China zu verlassen und in andere Länder zu gehen."

In heimischen Wirtschaftskreisen wächst indes die Sorge vor einem möglichen Rundumschlag von US-Präsident Donald Trump, der die EU mit höheren Zöllen auf Autos treffen könnte. Andererseits gilt auf Trump bezogen wie so oft auch "nobody knows" ("niemand weiß", Anm.), sagt Michael Löwy von der Industriellenvereinigung (IV).

"Die Eskalation, die jetzt stattfindet, ist grundsätzlich negativ zu bewerten", sagte der IV-Bereichsleiter für internationale Beziehungen am Montag im Gespräch mit der APA. "Es stellt sich die Frage, ob sich die Spirale mit Kfz-Zöllen gegen Europa weiterdreht. Das wäre klarerweise ein Schlag ins Herzstück der europäischen Industrie, der auch die heimischen Zulieferer treffen würde", so Löwy.

Die USA heben derzeit auf Pkw 2,5 Prozent Zoll ein, die EU 10 Prozent. Bei Trucks sind es in den USA 25 Prozent und in der EU 14 Prozent. "Wir hoffen immer noch auf ein Wirtschaftsabkommen, das Zölle auf beiden Seiten senkt", merkte Löwy an. Lichtblick dabei sei, dass es auch in US-Wirtschaftskreisen sowie auch in Trumps Fraktion der Republikaner große Unzufriedenheit mit den Zöllen gebe.

Gefragt zu den Auswirkungen von Zollerhöhungen auf Autos in den USA verwies der Fachmann auf Zahlen des Wirtschaftsforschungsinstituts (Wifo) vom Vorjahr: Würden die USA 20 Prozent einheben, würden 120.000 Jobs in der Kfz-Industrie in Europa gefährdet und 3.000 in Österreich. Käme es zu Kfz-Zöllen von 25 Prozent wären es sogar 150.000 in der Union bzw. 5.000 Jobs in Österreich, die in Gefahr gerieten.

EU-Handelskommissarin Cecilia Malmström rechnet derzeit nicht damit, dass US-Präsident Donald Trump in dieser Woche Zölle auf Autoimporte aus der EU verhängt. Sie wies darauf hin, dass EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker und Trump im vergangenen Jahr vereinbart hätten, dass während der laufenden Verhandlungen keine neuen Zölle verhängt werden. "Wir hoffen, der US-Präsident hält sich daran." Andernfalls sei die EU auf das Schlimmste vorbereitet.