Sidlo verteidigt eigene Qualifikation. Der Finanzvorstand der Casinos Austria, Peter Sidlo, hat am Anfang seiner Befragung im Ibiza-Untersuchungsausschuss seine Qualifikation für den Posten verteidigt. Den Vorwurf des politischen Postenschachers wies der FPÖ-Bezirkspolitiker erwartungsgemäß zurück. Sidlo sagte aus, dass ihm der ehemalige FPÖ-Obmann Heinz-Christian Strache die Unterstützung bei der Casag-Bewerbung zugesagt hätte.

Von APA, Redaktion. Erstellt am 01. Juli 2020 (14:21)
Sidlo kündigte an, sich in mehreren Punkten entschlagen zu müssen
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"Aber weil er persönlich von mir und meiner Expertise aus der Privatwirtschaft überzeugt ist", sagte Sidlo. "Ich kenne den Herrn Strache seit 25 Jahren, insofern läuft man sich immer wieder über den Weg, auch abseits der Politik." Auch über die Bewerbung zum Casinos-Finanzvorstand sei Strache zuvor informiert gewesen. Strache hätte ihn "als Person" und nicht "als Partei" unterstützt, gab Sidlo zu Protokoll. Strache sei während der Bewerbung für ihn beim Personalberater auch als Referenzperson zur Verfügung gestanden, berichtete Sidlo. "Diese Funktion hat er auch übernommen."

Der FPÖ-Bezirksrat aus Wien-Alsergrund stieg unter der türkis-blauen Regierung zum Finanzvorstand der Casinos Austria auf. Dabei soll es nicht mit rechten Dingen zugegangen sein, was auch die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft (WKStA) prüft. Sie ermittelt wegen möglicher geheimer Absprachen. Im Raum steht der Verdacht, die FPÖ könnte gemeinsam mit dem Glücksspielkonzern Novomatic und in Absprache mit der ÖVP Sidlo als Kandidaten durchgesetzt haben.

"Ja, es stimmt, ich war für eine österreichische Partei in der Vergangenheit ehrenamtlich tätig", bestritt Sidlo auch gar nicht seine politische Nähe zu den Freiheitlichen. "Ich war aber nie Berufspolitiker, sondern habe mein ganzes Berufsleben in der Finanzwelt verbracht." Sidlo verwies etwa auf seine Tätigkeit als Finanzvorstand bei der Sigma Investment AG des blauen ORF-Stiftungsrats Markus Braun.

Zu den Chats befragt, sagte Sidlo, dass diese den Kern des Ermittlungsverfahren betreffen, in dem er beschuldigt wird. Er nahm daher nicht dazu Stellung. Sidlo wollte der NEOS-Fraktionsführerin Stephanie Krisper auch nicht sagen, über wen er den Ex-Novomatic-Pressesprecher Bernhard Krumpel kennt. Die Diskussion, ob Sidlo den Namen sagen muss, dauerte mehrere Minuten. Krisper tippte auf Ex-FPÖ-Mandatar Markus Tschank. Nein, der sei es nicht gewesen, so Sidlo. Es sei eine Person ohne politische Funktion und spiele in dem Verfahren keinerlei Rolle.

Die Fragen der Mandatare drehten sich auch um den Spielerschutz und das illegale Glücksspiel in Österreich. Sidlo gab dazu ausführlich Auskunft, äußerte seine Meinungen zu Entwicklungen in der Branche und erklärte detailreich, wie so ein Fit & Proper-Test abläuft. Den Abgeordneten lieferte Sidlo damit aber wenig neuen Erkenntnisse.

Zur Polimedia, an der Sidlo so wie Tschank und Krumpel beteiligt war, nahm Sidlo nicht Stellung, da diese in Liquidation befindliche Firma Teil der Casag-Ermittlungen sei, so Sidlo. Die Beratungsgesellschaft soll auch Rechnungen an Tschanks "Institut für Sicherheitspolitik" (ISP) gestellt haben, das ebenso im Fokus des Ibiza-Untersuchungsausschusses - allerdings in der Causa Vereine - steht.

Nina Tomaselli von den Grünen wollte zu anderen Firmen, an denen Sidlo aktiv war, wissen "was da dahinter steckt". Der stellvertretende Verfahrensrichter Wolfgang Pöschl, der die zurückgetretene Ilse Huber vertritt, konnte nicht nachvollziehen, wie das Firmengeflecht mit dem Untersuchungsgegenstand zusammenhängen soll. Nein, Geldwäscherei sei da nicht betrieben worden, verwahrte sich Sidlo gegen Tomasellis Frage.

Sidlo schilderte auch, wie es dazu kam, sich überhaupt bei der Casag zu bewerben. Im Generalrat der Österreichischen Nationalbank (OeNB) habe er Vorstandschefin Bettina Glatz-Kremsner kennengelernt und mit dieser rasch ein "vertrauensvolles Verhältnis aufgebaut". Diese habe ihn wiederum an Casag-Aufsichtsratschef Walter Rothensteiner verwiesen, der bereits vergangene Woche im Untersuchungsausschuss zur Causa ausgesagt hat.

Ob eine gewisse politische Zugehörigkeit einen Ausschlag für Sidlos erfolgreichen Weg in den Casag-Vorstand gegeben hat, bleibt für ihn selbst "offen", wie er sagte. Er verwies auf zahlreiche Unterstützer, die er im Laufe seines Bewerbungsverfahrens gewonnen habe. In der Funktion selbst habe er hauptsächlich mit seiner Expertise in den Bereichen Corporate Governance und Compliance punkten könne, wie er schilderte.

Sidlo kündigte an, sich in mehreren Punkten entschlagen zu müssen, da ein Verfahren gegen ihn anhängig sei. "Ich habe mir weder moralisch noch strafrechtlich etwas vorzuwerfen", meinte Sidlo auch im Bezug auf das Verfahren der Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft (WKStA) in der Causa Casinos gegen ihn. Einvernommen worden sei er von der Behörde noch nicht, berichtete er. Da aber die Ermittlungen im Laufen seien, "werde ich nur sehr eingeschränkt Auskünfte geben können", kündigte Sidlo an.

Auf die Fragen von Verfahrensrichter Wolfgang Pöschl, der nach dem Rückzug von Ilse Huber dieses Amt interimistisch übernommen hatte, antwortete Sidlo dann wie zu erwarten zurückhaltend. Ob er mit dem negativen und nach seiner Bestellung vorgenommenen Gutachten zu seiner Qualifikation einverstanden sei? "Das ist eine Meinungsfrage und keine Faktenfrage." Den Fragen der Abgeordneten wich Sidlo ebenfalls aus oder er entschlug sich. Dass er auf einem "Novomatic-Ticket" in den Casinos-Vorstand gekommen sei, sei ihm erst im Nachhinein bekannt geworden.

Nach Sidlo sind am Mittwoch der Ex-Staatssekretär Hubert Fuchs und Krumpel als Auskunftspersonen geladen. Allerdings ist Krumpels Einvernahme fraglich, weil Sidlos Befragung länger dauerte als vorgesehen. Auch in den vergangenen Sitzungstagen war die Aussage der jeweils dritten Auskunftsperson vertagt worden.