13 Jahre Haft und Einweisung nach Messerangriff

Aktualisiert am 03. August 2022 | 06:41
Lesezeit: 5 Min
Nach einer Messerattacke auf eine Frau auf einem Reitstall-Areal im Bezirk Mödling ist ein 18-Jähriger am Dienstag in einem Geschworenenprozess am Landesgericht Wiener Neustadt wegen versuchten Mordes zu 13 Jahren Haft verurteilt worden. Zusätzlich wurde der junge Mann in eine Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher eingewiesen. Das Urteil ist nach Gerichtsangaben nicht rechtskräftig.
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Der Nordmazedonier hatte seit Juli 2021 in Vertretung für seinen Vater, der wegen einer Hochzeit in die Heimat gefahren war, als Stallbursche auf dem Reiterhof ausgeholfen. Die Attacke am 13. August 2021 in der Sattelkammer kam laut der 39-Jährigen plötzlich. "Mein einziger Gedanke war: Fliehen", sagte sie in ihrer Befragung in Abwesenheit des Angeklagten. Mit einem Klappmesser habe der Stallbursche mehrmals auf sie eingestochen, "ich bin Richtung Tür hingefallen, er hat sich über mich gebeugt und am Hals zu schneiden begonnen. Ich bin am Rücken gelegen und hatte eigentlich schon die Hoffnung aufgegeben." Der Beschuldigte habe dann die Sattelkammer verlassen und die Schiebetür geschlossen.

Die lebensgefährlich verletzte und stark blutende Frau konnte schließlich mit ihrem Auto flüchten. Der zufällig vorbeifahrende Gemeindearzt leistete Erste Hilfe und verständigte die Einsatzkräfte. "Es war sehr knapp" zwischen Leben und Tod, berichtete der Mediziner im Zeugenstand. Die Frau wurde vom Notarzthubschrauber in das Universitätsklinikum St. Pölten geflogen. Der Verdächtige wurde auf dem Reiterhof-Gelände festgenommen.

Der Beschuldigte hat laut der psychologischen Sachverständigen Anita Raiger die Eigenschaft, "neutrale Reize feindlich wahrzunehmen". Er vermutete - wie Zeugenaussagen ergaben, zu Unrecht -, dass sich das spätere Opfer bei der Frau des Reitstallbesitzers über ihn beschwert hatte. Der 18-Jährige hat seit seiner Festnahme verschiedene Versionen des Geschehenen präsentiert. Am Dienstag sagte er, die damals 38-Jährige habe auf ihn eingeschlagen. "Ich bin nicht schuldig, weil sie mit den Problemen begonnen hat", meinte der Beschuldigte laut Dolmetscherin. Sie sei ihm ins Messer gefallen und später am Boden liegend ein zweites Mal verletzt worden.

Die Blessuren waren laut dem gerichtsmedizinischen Gutachter Wolfgang Denk lebensbedrohlich und sind nicht mit der Schilderung des Angeklagten in Einklang zu bringen. Dem Opfer wurden durch zumindest acht wuchtige Bewegungen gegen Hals und Brustbereich massive Stich- bzw. Schnittverletzungen zugefügt. Die Frau leidet unter schweren Dauerfolgen und schloss sich als Privatbeteiligte an dem Verfahren an.

Der Beschuldigte ist laut Gutachten zurechnungsfähig. Der junge Mann hat dem psychiatrischen Sachverständigen Manfred Walzl zufolge eine kombinierte Persönlichkeitsentwicklungsstörung. "Ein Konglomerat aus Narzissmus, Paranoia und hoher Impulsivität hat zu dieser Explosion geführt", sagte der Gutachter. Weitere Anlasstaten seien zu befürchten, der Beschuldigte benötige Therapie.

Die Staatsanwältin verwies in ihrem Schlussvortrag auf das Martyrium des Opfers und die "heimtückische, brutale und bestialische" Vorgehensweise des Angeklagten. Die Verteidigerin sagte: "Man kann die Tat nicht beschönigen." Der junge Mann entschuldigte sich in seinen Schlussworten: "Es tut mir leid, dass ich das getan habe."

Der 18-Jährige wurde anklagekonform wegen versuchten Mordes und Einbruchsdiebstahls schuldig gesprochen und wird in einer Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher untergebracht. Das Urteil ist nicht rechtskräftig, weil Staatsanwaltschaft und Verteidigung keine Erklärung abgaben.