Paar und Gäste in Gamlitz eingetroffen. Der große Tag von Außenministerin Karin Kneissl (FPÖ) und ihrem zukünftigen Mann Wolfgang Meilinger hat am Samstag in Gamlitz mit einem Sektempfang begonnen. Zu Ziehharmonikaklängen trafen Gäste wie Heinz-Christian Strache, Mario Kunasek und Norbert Hofer (alle FPÖ) ein. Auf den russischen Staatspräsidenten Wladimir Putin wird noch gewartet.

Von Redaktion, APA. Erstellt am 18. August 2018 (14:08)
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Außenministerin Kneissl mit künftigem Ehemann

Kurz nach der Landung einer zweiten russischen Regierungsmaschine setzte sich am Samstagnachmittag eine umfangreiche Eskorte aus Limousinen und Kleintransportern vom Flughafen Graz in Bewegung. Für die Abfahrt der von Blaulichtfahrzeugen und einem Polizeihubschrauber begleiteten Eskorte wurde die Zufahrt zum Airport abgeriegelt. Ebenfalls in beide Richtungen gesperrt wurde die A9 Pyhrn-Autobahn zwischen Kalsdorf und der Abzweigung Vogau/Straß.

Bereits um 8.30 Uhr bezogen erste Medienvertreter in Gamlitz an der südsteirischen Weinstraße Stellung. Mehr als ein Dutzend Kamerateams aus dem In- und Ausland positionierten sich vor und hinter dem Gasthaus des Gamlitzer Bürgermeisters Karl Wratschko. Gegen 10.00 Uhr trafen die ersten Gäste ein. Unter ihnen waren Verteidigungsminister Kunasek und seine erst im Juni ebenfalls in der Südsteiermark angetraute Ehefrau Sabrina. Kunasek sagte gegenüber der Presse: "Wir sind heute sehr aufgeregt. Ein schöner Tag."

Den Besuch von Putin kommentierte Kunasek ebenfalls: "Das ist eine große Wertschätzung für die Frau Minister Kneissl und auch für die Steiermark beste Werbung. Ich freue mich sehr, ihn heute vielleicht auch persönlich kennenzulernen. In erster Linie soll es aber eine Feier sein und ich hoffe für Karin Kneissl, dass sie die Stunden genießen kann." Die Kritik im Vorfeld sei unberechtigt: "Österreich zeigt damit auch, und Karin Kneissl, dass wir mit jedem auch entsprechend reden. Dass wir die Diplomatie wieder leben, im besten Sinne. Deshalb kann das heute nur ein großartiger Tag werden."

Gegen 11.45 Uhr traf auch Kunaseks Parteichef Strache mit seiner Frau Philippa ein. Er kam in Lederhose und dunkelgrünen Stutzen, im Gegensatz zu Kunasek trat er nicht vor die Presse. Nur Minuten später stieg auch das Brautpaar hinter dem Gasthaus aus: Kneissl trug ein cremefarbenes Dirndl mit himmelblauem Saum, Bräutigam Meilinger kleidete sich in steirischer Tracht. Beide gaben aber der Presse gleich wie Vizekanzler Strache vorerst keine Wortspende.

Während die Gäste vom Brautpaar mit Sekt begrüßt wurden, brachten sich eine Pferdekutsche sowie zwei Traktoren samt großen Anhängern mit Sitzbänken hinter dem Gasthaus in Stellung. Sie sollen als Transportmittel für die Fahrt zur zweiten Location dienen.

Die Polizei hat in und rund um Gamlitz ein Großaufgebot an Kräften aufgezogen. Unzählige teils schwer bewaffnete Beamte beobachteten an vielen Stellen entlang der Straße das Geschehen. Das Gasthaus Wratschko sowie der dazugehörige Parkplatz waren nur für geladene Gäste zu betreten und befahren. Der russische Präsident Wladimir Putin wurde allerdings nicht in Gamlitz erwartet. Er soll dem Vernehmen nach direkt zur tatsächlichen Hochzeits-Location - dem Gasthaus Tscheppe an der Weinstraße, wenige Autominuten entfernt - kommen.

Der Wirbel im Dorf blieb auch den Gamlitzern nicht verborgen. Eine Pflegeheim-Bewohnerin spazierte samt ihrem Rollator am Vormittag durch das Dorf und rastete nahe der Polizeiinspektion. Sie kritisierte den Trubel: "Einen Haufen Geld ausgeben und das zahlt der Steuerzahler. Bravo." Dann blitzte im Gespräch doch auch etwas Stolz durch: "So was Politisches wie heut' ist nicht so bald wieder."

Die Teilnahme des russischen Präsidenten an der Hochzeit von Außenministerin Kneissl hat seit Bekanntwerden für große Diskussionen gesorgt. SPÖ-Europasprecher Jörg Leichtfried sieht Österreichs außenpolitische Position durch die Teilnahme Putins Schaden nehmen. In einer am Samstag auf Twitter veröffentlichten parlamentarischen Anfrage betonte er die besondere Verantwortung während der EU-Ratspräsidentschaft. In der an die Außenministerin gerichteten Anfrage betreffend den "Arbeitshochzeitsbesuch des russischen Präsidenten" bezeichnete er die gewählte Vorgangsweise als "befremdlich, naiv und geeignet, nachhaltigen Schaden an Österreichs außenpolitischer Position anzurichten".

Leichtfried verwies dabei auf die Kritik seitens der Vorsitzenden des außenpolitischen Ausschusses im ukrainischen Parlament, Hanna Hopko. Diese hatte am Mittwochabend erklärt, dass Österreich mit der Hochzeiteinladung für Putin nun kein neutraler Vermittler in der Ukraine mehr sein könne. Nach Ansicht des SPÖ-Europasprechers wäre Österreich dafür als neutrales Land besonders geeignet gewesen.

Da Österreich aktuell die EU-Ratspräsidentschaft innehabe und somit die Union nach außen vertrete, sei es "umso symbolischer und schädlicher", Putin "in dieser Art und Weise zu hofieren", so Leichtfried. Er gab zu bedenken, dass es massive Kritik sowohl an Putins Innen- als auch an seiner Außenpolitik gebe. Zudem stelle sich für ihn die Frage, "ob es hier nicht zu einer unzulässigen Vermischung privater und öffentlicher Interessen komme", so Leichtfried. "Die Optik ist jedenfalls desaströs", urteilte er.

Der Abgeordnete forderte unter anderem Auskunft zu den für den Besuch anfallenden Kosten sowie darüber, ob es eine Abstimmung mit der EU-Außenbeauftragten Federica Mogherini gegeben habe und welche Themen Kneissl Putin gegenüber ansprechen wolle. Als letzten Punkt führte Leichtfried an: "Wie in aller Welt sind Sie überhaupt auf die Idee gekommen, Wladimir Putin bei Ihrer Hochzeit haben zu wollen?"

Auch der ukrainische Außenminister Pawlo Klimkin äußerte sich am Freitag dazu kritisch. Das Außenministerium betonte am Donnerstag, der persönliche Besuch ändere nichts an der außenpolitischen Positionierung Österreichs.