Erstellt am 10. August 2018, 11:33

von APA Red

SPÖ: Diskussion um Kurs entbrannt, Kritik aus NÖ. In der SPÖ ist eine recht heftige Diskussion um den künftigen Kurs entbrannt, denn die von Parteichef Christian Kern am Mittwoch ausgegebene, "weltoffene, tolerante" Position stieß offenbar nicht überall auf Zuspruch.

Andreas Kollross  |  Thomas Lenger

Unterstützung für Kern gab es hingegen umgehend auf Twitter - unter anderem von seinem Sohn.

Kern hatte nach dem Bundesparteivorstand - in dem das neue Grundsatzprogramm abgesegnet wurde - bei einer Pressekonferenz am Mittwoch erklärt, die SPÖ werde sich "weltoffen, tolerant" positionieren und dabei auch Maßnahmen zum Klimaschutz, ein ursprünglich grünes Thema, vorgestellt. Hans Peter Doskozil, in Kürze burgenländischer Landesparteichef, hält davon wenig und erklärte in der "Kronen Zeitung" wenig zurückhaltend: "Wir dürfen keine grün-linke Fundi-Politik betreiben. Da schaffen wir uns selbst ab."

Harsche Zurechtweisung kam dazu ausgerechnet aus dem benachbarten Niederösterreich vom Abgeordneten Andreas Kollross: "vielleicht sollte man den freunden im burgenland, die da regelmässig über das leithagebirge nach wien diverses ausrichten, mal genauer vor augen führen wie groß der prozentuelle anteil am spö gesamtergebnis ist. glaube es sind um die 6%. mein wahlkreis hat nicht viel weniger", schrieb Kollross am Freitag auf Twitter.

Öffentliche Unterstützung für den Parteivorsitzenden gab es auch von Sohn Niko Kern. Dieser stellte ebenfalls via Kurznachrichtendienst in den Raum, dass Doskozils Beliebtheitswerte dürftig seien.

Diskussion für Schnabl ein Missverständnis

Für den niederösterreichischen SPÖ-Chef LHStv. Franz Schnabl ist die entbrannte Diskussion "ein Missverständnis". Es sei "ganz klar, dass wir dem (in Ausarbeitung befindlichen, Anm.) Migrationspapier hohe Bedeutung beimessen". Mit dem Thema Klimawandel sei das Parteiprogramm "ergänzt und erweitert worden". Christian Kern sei "natürlich" der favorisierte Parteivorsitzende.

"Im Unterschied zu (Hans Peter) Doskozil" sei er, Schnabl, am Dienstag im Präsidium und im Vorstand dabei gewesen, sagte der niederösterreichische Parteivorsitzende am Freitag zur APA. Es gebe keine Priorisierung, vielmehr sei ein Thema ergänzt worden, "das Bedeutung hat".

Immerhin sei Klimawandel neben Krieg der Hauptauslöser für Flucht und Migration, so Schnabl. "Es gibt keinen Grund zur Aufregung." Das Migrationspapier einer von Landeshauptmann Peter Kaiser und Doskozil geführten Arbeitsgruppe werde Ende des Monats fertig sein und am 13. September diskutiert.

Schnabl gab sich auch überzeugt, dass Kern beim Parteitag im Oktober "einziger Kandidat" als Parteivorsitzender sein werde. "Und er wird ein super Ergebnis einfahren."