Kreative Ideen für den Weg aus der Krise. Eine technische Anwendung zum Abstandhalten bei Veranstaltungen oder Hilfe für den Fall eines Blackouts: Das sind zwei der kreativen Ideen, die die Teilnehmer beim „Future Tech Bootcamp“ als Lösungen für aktuelle Problemstellungen entwickelten. Die Initiative des „Digital Makers Hub“ fand in der Vorwoche zum zweiten Mal statt – aufgrund der Krise heuer nicht an der Fachhochschule St. Pölten, sondern virtuell.

Von Victoria Schmidt. Erstellt am 06. Juli 2020 (16:30)
Bootcamp-Organisatorin Sandra Stromberger, Wirtschaftslandesrat Jochen Danninger, Industriellenvereinigung NÖ-Präsident Thomas Salzer und Hannes Raffaseder, Chief Research and Innovation Officer der FH St. Pölten.
David Schreiber

Mehr als 70 teilnehmende Personen verzeichnete das offene Format zur Entwicklung innovativer und digitaler Ideen heuer. Das Verlegen der Veranstaltung in den virtuellen Raum hatte einen Vorteil: "Wir hatten erstmals internationale Gäste aus Deutschland, Frankreich und Indien mit an Bord", erklärte Organisatorin Sandra Stromberger bei der Projektpräsentation an der FH St. Pölten.

Vernetzung als Gebot der Stunde

Die Fachhochschule ist einer der Kooperationspartner des "Future Tech Bootcamp". bei dem Vertreter von Firmen, Organisationen und öffentlichen Stellen sich auch heuer mit sogenannten "Makers" (Machern), Experten und Technologiepartnern vernetzt haben.  Unter den teilnehmenden Unternehmen fanden sich unter anderen der Wieselburger Scheinwerfer-Hersteller ZKW oder der weltweit führender Anbieter von Halbleiterlösungen Infineon. Ziel war, anhand neuerster Technik  Lösungsansätze für aktuelle Problemstellungen zu erarbeiten.

Das Kernkonzept geht auf die Initiative "Industry meets Makers" zurück, die es seit 2015 gibt. Top-Industriebetriebe werden dazu angehalten, Briefings in Zukunftstechnologiebereichen wie etwa Robotik, Künstliche Intelligenz, Industrie 4.0 und mehr auszuschreiben. Die "Makers", das sind Startups, Klein-und Mittelunternehmer, freie Entwickler, Designer, Studenten oder auch Schüler bzw. Hobby-Tüftler wiederum sind eingeladen, Ideen, Konzepte und Projekte mit den Firmen zu erarbeiten.

Neben der Entwicklung von Energieautarkie-Konzepten, Lichtkommunikationsdesign im Zeitalter des autonomen Fahrens und kreativen Radar-Anwendungsfällen standen dieses Mal unter anderem auch innovative Sicherheitskonzepte für Bahninfrastruktur oder Notfallkommunikationssysteme für die dezentrale Selbstkommunikation im Falle eines kompletten Blackouts im Fokus.

Mehr Innovation für mehr Arbeitsplätze

Für Thomas Salzer, Präsident der Industriellenvereinigung Niederösterreich, die das "Future Tech Bootcamp" bereits zum zweiten Mal unterstützte, sind diese Entwicklungen von großer Bedeutung: "Die Lösungsansätze, die dabei entstanden sind, sind in Zeiten wie diesen besonders wichtig, denn wir brauchen innovative Lösungen, um den Weg aus der Krise bestmöglich zu bestreiten und um international konkurrenzfähig zu sein". Dort wo Innovation stattfindet, würden auch mehr Arbeitsplätze entstehen, ist sich Salzer sicher.

Das hat auch das Land Niederösterreich erkannt. ÖVP-Landesrat Jochen Danninger trat bei der Präsentation abermals für die Notwendigkeit der Digitalisierungsoffensive ein und betonte: "Als Land Niederösterreich fördern wir unter dem Motto ,digi4KMU' digitale Konzepte und Investitionen pro Betrieb mit bis zu 53.300 Euro. Seit Mitte Juni wurden bei dieser neuen Förderaktion 43 digitale Investitionen mit Investitionskosten von rund 1,4 Millionen Euro eingereicht."

Vielversprechende Projekte

Das zweite "Future Tech Bootcamp" war für die Veranstalter jedenfalls ein großer Erfolg.  Nicht nur die hohe Teilnehmerzahl, sondern auch die Ergebnisse seien Grund zur Freude, erklärte Stromberger. Nach den vier Tagen Camp arbeiten die Teams nun weiter an ihren Projekten. Im Idealfall sollten erarbeiteten Konzepte und Prototypen in der Praxis eingeführt werden - für viele sieht es bereits sehr gut aus.

Eines davon ist das Projekt "Social Distancing - effektive Prävention statt Corona-Piepserl". Salzburg Research hatte die Idee, das Bootcamp zum Finden und Umsetzen einer Lösung zu nutzen, die das Abstandhalten in großer Ansammlung unterstützt. Die  geringstmögliche Zusatzbelastung für den Einzelnen sollte gesucht werden.

Entstanden ist "eventFant – der Badge mit Abstandswarner" Benutzerfreundlich designed, multifunktional, mit Benefits für Veranstalter und Goodies für Teilnehmer, effektiv, mit ausreichender Betriebsdauer für lange Kongresstage. Ziel ist, auch dieses Projekt real zu testen, um daraus die richtigen Schlüsse zur Weiterentwicklung zu treffen.