Syrische Armee verkündet Einmarsch in Manbij. Vor einer drohenden Offensive der Türkei im Norden Syriens ist die syrische Armee am Freitag in die nördliche Stadt Manbij einmarschiert. Die syrische Nationalflagge sei in Manbij gehisst worden, teilte ein Armeesprecher im Staatsfernsehen mit. Es ist das erste Mal seit sechs Jahren, dass sich syrische Streitkräfte in der 30 Kilometer von der türkischen Grenze entfernten Stadt befinden.

Von Redaktion, APA. Erstellt am 28. Dezember 2018 (15:29)
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Syrische Kurden fürchten türkische Militäroffensive

Man garantiere "volle Sicherheit für alle syrischen Bürger und andere, die sich in der Region aufhalten", so die syrische Armee. Die Truppen kämen ihrer Verpflichtung nach, die staatliche Souveränität auf dem gesamten syrischen Staatsgebiet sicherzustellen, erklärte das Generalkommando der Armee.

Die Ankündigung erfolgte kurz, nachdem die syrischen Kurden den syrischen Machthaber Bashar al-Assad um Beistand gegen die Türkei gebeten hatten. "Wir laden die syrischen Regierungstruppen ein, die Kontrolle über die Gebiete zu übernehmen, die wir ihnen entzogen haben, insbesondere von Manbij, und diese Gebiete gegen eine türkische Invasion zu verteidigen", hieß es in einer Erklärung der kurdischen Volksverteidigungseinheiten (YPG).

Die YPG rechnen mit dem baldigen Beginn einer türkischen Militäroffensive. Die türkische Armee verstärkte zuletzt ihre Truppenpräsenz an der syrischen Grenze. Von Ankara unterstützte syrische Rebellengruppen schickten ihrerseits am Montag zusätzliche Kämpfer der Rebellengruppe Nationale Armee nach Manbij. Damit droht ein Aufeinandertreffen mit Truppen von Präsident Assad. Die Konvois bewegten sich zusammen mit den türkischen Streitkräften auf die Frontlinien in Manbij zu, in "voller Bereitschaft, militärische Operationen zur Befreiung der Stadt zu starten".

Das türkische Verteidigungsministerium erklärte, die syrischen Kurden hätten "nicht das Recht", sich Beistand aus Damaskus zu holen. Syriens Verbündeter Russland hingegen, das Assad im September 2015 um militärischen Beistand gebeten hatte, begrüßte den Vorstoß der syrischen Armee. Kremlsprecher Dmitri Peskow sagte, der Vormarsch trage zur "Stabilisierung der Lage" bei.

Anfang Jänner will Russland einen weiteren Syrien-Gipfel mit den Präsidenten des Iran und der Türkei einberufen. Sein Land sei an der Reihe, ein solches Treffen zu organisieren, sagte der russische Vize-Außenminister Michail Bogdanow laut der Nachrichtenagentur Interfax.

Nachdem vergangene Woche US-Präsident Donald Trump den Abzug der US-Truppen aus Syrien angekündigt hatte, hatte der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan gedroht, neben der Jihadistenmiliz "Islamischer Staat" (IS) auch die YPG aus der Region zu vertreiben. Die YPG kämpfen im Norden Syriens insbesondere gegen den IS und wurden dabei bisher von den USA unterstützt. US-Soldaten hatten in Manbij einen Stützpunkt. Nach einem Bericht des US-amerikanischen Sender ABC könnte der US-Truppenabzug jedoch mehrere Monate dauern.

Die Türkei betrachtet die YPG als Verbündete der in der Türkei verbotenen Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) und damit als Terrororganisation. Wegen der US-Truppenpräsenz in Nordsyrien hielt sich Ankara bisher mit Angriffen zurück, der geplante Abzug der 2.000 US-Soldaten machte nun den Weg für eine Offensive frei.

Die arabischen Golfstaaten Bahrain und die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) öffnen unterdessen fast sieben Jahre nach ihrem Abzug wieder ihre Botschaften in Syrien. Das bahrainische Außenministerium kündigte am Freitag an, dass die Botschaft des Königreichs ihre Arbeit in Syrien "weiterführen" werde.

Die Öffnung der Botschaften ist eine Wende in der bisherigen Syrienpolitik der arabischen Golfstaaten. Bahrain und die weiteren Länder des Golfkooperationsrates (GCC) - das sind Saudi-Arabien, Katar, Kuwait, der Oman und die VAE - hatten ihre Botschafter im Februar 2012 aus Syrien abberufen, um damit gegen das brutale Vorgehen der syrischen Regierung gegen die Bevölkerung zu protestieren.

Nachdem US-Präsident Donald Trump einen Abzug der US-Truppen aus Syrien angekündigt hat, befürchten die arabischen Golfstaaten einen zu großen Einfluss des Irans in Syrien. Der Iran unterstützt wie Russland und die libanesische Schiitenmiliz Hisbollah die syrische Regierung von Präsident Assad.

Die VAE hatten bereits am Donnerstag mit dem Hissen der Nationalflagge an der Botschaft ihre Arbeit in Syrien wieder offiziell aufgenommen. Der Schritt unterstreiche das Bekenntnis der Emirate, die Beziehungen zu Syrien wieder auf einen normalen Kurs zu bringen, hieß es in einer Stellungnahme des Außenministeriums. Dadurch solle die "arabische Rolle" bei der Stabilisierung Syriens gestärkt werden.

Syrien war 2011 aus der Arabischen Liga ausgeschlossen worden. Mehrere arabische Staaten verhängten Sanktionen. Zugleich unterstützten einige Staaten, wie etwa die Emirate oder Saudi-Arabien, auch verschiedene Rebellengruppen im Kampf gegen die Regierungstruppen von Assad.