"Man lässt dich nur ungern ziehen". Es war der erste Abschiedsbesuch in einer vermutlich langen Reihe: Caritas-Präsident Michael Landau und der scheidende Wiener Bürgermeister Michael Häupl (SPÖ) besuchten am Dienstag zwei Caritas-Einrichtungen und nutzten die Gelegenheit, einander für die gute Zusammenarbeit zu danken. "Dass du aufhörst, tut mir aufrichtig leid", sagte Landau zu Häupl, der am 24. Mai sein Amt abgibt.

Von Redaktion, APA. Erstellt am 03. April 2018 (13:52)
APA
Caritas bleibt Häupl auch weiter verbunden

"Ich habe dich wahrgenommen als einen, der die Menschen mag, und der von den Menschen gemocht wird", sagte der Caritas-Präsident beim gemeinsamen Besuch des Beschäftigungsprojekts "ArbeitsRaum". In der Einrichtung in Häupls Heimatbezirk Ottakring arbeiten 54 langzeitarbeitslose Menschen, die aus Werbeplanen Taschen, Papierkörbe und Rucksäcke herstellen. Auch dem JUCA, einem Wohnhaus für wohnungslose junge Menschen, statteten Häupl und Landau im Anschluss einen Besuch ab.

In Häupls Amtszeit sei "extrem viel weitergegangen", gerade auch im Sozialbereich, wie der Wohnungslosenhilfe, der Pflege, der Integration und der Bildung, lobte Landau. "Du hast den Menschen Chancen gegeben." Häupl habe mit ausgeprägter sozialer Handschrift regiert. Es sei keine Selbstverständlichkeit, davon abzusehen, die Mindestsicherung - wie es in anderen Bundesländern getan wurde - zu kürzen. Auch in der Flüchtlingskrise 2015 habe die Stadt eine "starke und klare Haltung" gezeigt. "Wien ist eine geniale Stadt", befand Landau.

"So gesehen lässt man dich, geschätzten Herrn Bürgermeister, nur ungern ziehen", sagte er. Zum Dank für die gute Zusammenarbeit überreichte er Häupl mit den Worten "Forever Young" ein "Young Caritas"-T-Shirt und eine Flasche Wein aus einem Caritas-Projekt im Weinviertel.

"Ich bin nicht aus der Welt", betonte der sichtlich gerührte Bürgermeister. Dass der Medientermin zu einer "Form von Abschiedsbesuch" wurde, habe er nicht gewollt, "weil bis zum 24. Mai arbeite ich voll". Auch er bedankte sich für die Zusammenarbeit und die guten Gespräche - "sie verhindern das tendenzielle Verblöden in der Politik".

Häupl bekräftigte, dass es immer sein Anliegen gewesen sei, dass möglichst wenige Menschen in Armut leben müssen. "Mir ist das wahnsinnig wichtig, ich meine das ganz ernst." Er sprach sich auch einmal mehr vehement gegen eine Wartefrist bei der Mindestsicherung aus. An der Aufteilung von Geld- und Sachleistungen könne man "drehen". "Woran ich nicht drehen will, ist eine Wartefrist", betonte Häupl. "Wovon sollen die Leute denn währenddessen leben?", fragte er. Überlegungen in Bezug auf eine Kürzung der Mindestsicherung seien "zum Schämen".

Die Erfolge seiner Politik im vergangenen Vierteljahrhundert könne er am Beispiel von Ottakring sehen. Es freue ihn, wie sehr sich sein Heimatbezirk in den vergangenen 24 Jahren verändert habe. "Die Innenstadt ist in jeder Stadt halbwegs schön. Die wirkliche Situation einer Stadt siehst du in der Vorstadt", meinte er. "Wir können wirklich nicht alles falsch gemacht haben", folgerte der scheidende Stadtchef.