Niki Lauda erwartet Verluste im ersten Jahr. Ex-Rennfahrer Niki Lauda geht bei der Niki-Nachfolgeairline Laudamotion im ersten Jahr von roten Zahlen aus.

Von Redaktion, APA. Erstellt am 16. März 2018 (14:14)
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Symbolbild

"Ich rechne damit, dass wir über den Sommer, ich hoffe, einstellige Millionen verlieren werden, was ganz normal ist", sagte Lauda am Freitag in einer Pressekonferenz. Ab dem zweiten Geschäftsjahr will Lauda bereits Geld verdienen, um sich seine Investitionen zurückzuholen.

Operationell sei Laudamotion an Condor angeschlossen. Condor erstelle die Flugpläne, teile die Crews ein und koordiniere die Tankwägen, erklärte Lauda. Auch beim Catering orientiert sich Laudamotion zunächst am Bezahl-Angebot von Condor, sein Vertrauter, Do&Co-Chef Attila Dogudan, unterstütze ihn aber, sagte Lauda. Nach dem anfänglichen Kompromiss soll aber später Do&Co als Caterer an Bord kommen.

Laudas Herausforderung ist neben dem Zeitdruck die Auslastung der Flugzeuge, wie er erklärte. Abseits der eigenen Buchungsplattform laudamotion.com, die seit heute online ist, vermarktet der deutsche Ferienflieger Condor Laudamotion-Flüge. Darüber hinaus will Lauda eine Vertriebskooperation mit der Lufthansa-Billigtochter Eurowings. Ob das wettbewerbsrechtlich erlaubt ist, wollen Lauda und sein Anwalt am Nachmittag bei der Bundeswettbewerbsbehörde (BWB) erfragen. "Wir wollen wissen, was ist erlaubt, und was nicht."

Lauda schließt Wetlease-Flüge für Eurowings aus

Dass er ganze Flugzeuge samt Crews an den Mitbewerber vermieten darf, halten Lauda und sein Anwalt für eher unwahrscheinlich. Sogenannte Wetlease-Flüge für Eurowings auf Laudamotion-Slots schloss Lauda dezidiert aus.

Am Laudamotion-Streckennetz soll sich aber nichts ändern, falls die Kooperation mit Eurowings untersagt wird. "Es sind unsere Flüge, wie wir sie füllen, ist unsere Sache", sagte Lauda. Lufthansa wurde der Niki-Kauf von den EU-Wettbewerbshütern untersagt, einen Einstieg durch die Hintertür verneinte Lauda heute: "Umgehung darf es keine geben".

Aufgrund steigender Passagierzahlen könnte Laudamotion Reisende der AUA-Schwester Eurowings bei Kapazitätsproblemen übernehmen, so Lauda. Es gebe darüber ein Grundverständnis mit Lufthansa-Chef Carsten Spohr. "Wir können aber erst dann anfangen darüber konkret nachzudenken, wenn die Wettbewerbshüter es auch so sehen", stellte Lauda klar.

Lauda schwebt offenbar vor, dass Eurowings in die Laudamotion-Flüge "hineinbuchen" kann, wie er es nannte. Also dass sowohl Laudamotion als auch Eurowings - jeder zu seinem Preis - ein Ticket für einen Laudamotion-Flug verkaufen kann. Eine Preisabsprache soll es dabei nicht geben.

Ladamotion fliegt im Sommer Urlaubsdestinationen am Mittelmeer an

Den heurigen Sommer über fliegt Laudamotion ausschließlich Urlaubsdestinationen am Mittelmeer an, der Schwerpunkt liegt auf Spanien und Griechenland. Lauda will aber früher oder später neben Charterflügen für Reiseveranstalter wieder - so wie easyJet und Ryanair - Low-cost-Cityshuttles anbieten. In Wien plant Laudamotion ab Juni Flüge nach Spanien (Mallorca, Ibiza und Malaga), Italien (Pisa und Brindisi), Griechenland (Kreta, Santorin und Kalamata) sowie Zypern (Paphos). Von Salzburg, Graz, Innsbruck und Linz fliegt Lauda im Sommer nach Mallorca.

Für den Herbst ist ein Relaunch geplant, bei dem die Mitarbeiter neue Uniformen erhalten. Erst über den reiseschwachen Winter sollen die ehemaligen Air-Berlin-Flieger umlackiert werden. Pro Jet dauert das laut Lauda drei Wochen. Bis dahin überklebt Lauda den Air-Berlin-Schriftzug mit einem roten Laudamotion-Sticker, das rote Air-Berlin-Logo am Heck bleibt vorerst.

Ein Teil der Flieger, mit den Laudamotion abhebt, ist wegen der Wirren nach der Air-Berlin-Pleite im Besitz der Lufthansa, sie werden nun von Lauda lediglich geleast. Für weitere sieben geplante Maschinen soll am Markt ein anderer Leasinganbieter gefunden werden. Lauda kündigte an, in der Folge auch neue Flugzeuge von Airbus kaufen zu wollen.

Lauda bestätigte, dass er für die Geschäftsteile der insolventen Air-Berlin-Tochter Niki rund 47 Mio. Euro bezahlt habe. Weil er zunächst nur 14 oder 15, später 21 Flugzeuge betreiben wird, habe er allerdings nicht alle rund 1.000 Niki-Mitarbeiter gebraucht, aktuell beschäftige er 641 Leute.

Lauda dementierte Personal-Engpass in den Cockpits

"Nicht alle konnten ein Angebot bekommen", räumte Lauda ein. Das Problem habe sich aber von alleine gelöst. So seien von 52 Büro-Angestellten am 1. März nur noch 27 Mitarbeiter erschienen. "Das hat mich schon etwas erstaunt", sagte Lauda. Niki sei zuletzt auch von vielen Air-Berlin-Leuten geführt worden, diese seien ebenfalls weg. "Mit denen hätte ich sowieso nicht arbeiten können", so Lauda.

Lauda dementierte aber, dass in den Cockpits ein Personalengpass droht. "Alle Piloten sind da", so Lauda. Flugbegleiter fehlten noch ein paar, konkret 55 bis Ende Juni. "Wir machen eine Art Heidi-Klum-Casting, wobei anscheinend die Heidi Klum dann ich sein muss", witzelte der 69-Jährige. Flugbegleiter seien aber ohnehin relativ gut und einfach zu finden. Lauda betonte, den Mitarbeitern in der Flugzeugkabine ähnlich viel wie bei der AUA zu bezahlen. Der Kollektivvertrag (KV) könnte noch vor dem Sommer abgeschlossen sein, meinte er.

Lauda gab den Journalisten auch Einblick, warum sich der Neustart in Wien von März auf Juni verspätet und sich alles andere als einfach gestaltet. Er habe erst am 1. März ins Niki-Büro dürfen, davor habe dort ein Assistent des deutschen Insolvenzverwalter das Sagen gehabt. Am Vorfeld habe man Flugzeuge vorgefunden, die seit Mitte Dezember dort geparkt sind. Jetzt sei er dabei, diese technisch auf den letzten Stand zu bringen.

Gestartet wird am 25. Märtz mit sechs Flugzeugen

"Deswegen können wir am 25. März jetzt mit sechs Flugzeugen starten und dann bis am 1. Juni auf 21 Flugzeuge hochfahren". In Deutschland und der Schweiz startet Laudamotion in Kooperation mit Condor Ende März, die Flüge ab Österreich folgen zum Beginn der Hauptreisezeit, in Wien werden dann fünf Flugzeuge stationiert. Lauda versprach, dass die weitere Expansion in Wien stattfinden wird: "Die Laudamotion muss nach Wien zurück."

Die Rückgabe von Slots verteidigte Lauda. Vor der Insolvenz habe Niki für 36 Flugzeuge rund 60.000 Slots besessen, nun seien für 21 Flieger nur rund 40.000 Slots nötig. Den Rest habe er an die Koordinatoren zurückgeben. "Weil ich brauch' keine Slots von Linz nach Wien oder von Hamburg nach Hannover, wo ich nie fliegen werde, weil mit diesen Slots gehe ich in Konkurs. Das hat die Air Berlin ja zustande gebracht."