Semenya für IAAF "biologisch männlich". Für den Leichtathletik-Weltverband IAAF gehört Doppel-Olympiasiegerin Caster Semenya aufgrund ihrer Hormonwerte zu den "biologisch männlichen Athleten mit weiblichen Geschlechtsidentitäten".

Von Redaktion, APA. Erstellt am 18. Juni 2019 (20:54)
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Semenya fühlt sich behandelt wie eine "menschliche Laborratte"

Das geht aus dem am Dienstag vollständig veröffentlichten CAS-Urteil samt Begründung hervor. Die Athletin fühlt sich indes als "menschliche Laborratte" missbraucht.

"Biologisch männlich, mit weiblichen Geschlechtsidentitäten." Mit dieser Argumentation hatte der Verband beim Internationalen Sportgerichtshof CAS seine neue Testosteron-Regelung begründet. Und der Sportsgerichtshof hatte die umstrittene Regel, in der Testosteron-Limits für Mittelstreckenläuferinnen mit intersexuellen Anlagen festgesetzt wurden, am 1. Mai bestätigt.

Das dreiköpfige CAS-Gericht in Lausanne hatte die Einsprüche Semenyas und des südafrikanischen Leichtathletik-Verbandes ASA mehrheitlich abgelehnt. Die IAAF-Regel sei zwar diskriminierend, aber die Mehrheit des Gremiums befand sie auf Grundlage der von allen Parteien eingereichten Unterlagen auch "als notwendiges, vernünftiges und angemessenes Mittel". Oder übersetzt erklärt: Die Diskriminierung einer Minderheit ist zulässig, um die Mehrheit zu schützen.

Der Weltverband und offenbar auch der CAS halten den Eingriff in den Hormonhaushalt im Falle von Frauen mit "Differences of Sex Development (DSD)" für angemessen. DSD, wie auch Semenya eine ist, verfügen etwa nicht über einen XX-Chromosomensatz, wie die allermeisten Frauen, sondern über XY-Chromosomen, was die Ausschüttung von vermännlichenden Hormonen wie Testosteron ankurbeln kann.

Der Körper der zweifachen 800-Meter-Olympiasiegerin produziert tatsächlich ungewöhnlich viel Testosteron, das u.a. Einfluss auf den Muskelaufbau und die Muskelmasse sowie das Hämoglobin hat, das wiederum die Kraft und Ausdauer maßgeblich mitbeeinflusst. Manche Mitbewerberinnen klagen, dass Frauen mit einem solchen Hormonlevel einen uneinholbaren Vorteil hätten.

Semenya sieht das alles nicht so, sie fühlt sich als Frau und betonte mehrmals, dass sie sich keinesfalls einer Hormonbehandlung unterziehen werde. Der Veröffentlichung des Urteils konterte sie mit einer Anschuldigung: "Die IAAF hat mich in der Vergangenheit als menschliche Laborratte benutzt, um zu experimentieren, wie die Medikamente, die ich einnehmen muss, meinen Testosteronspiegel beeinflussen", sagte sie.

Derzeit darf sie starten, die Regelung ist seit einem Urteil des Schweizerischen Bundesgerichts Ende Mai ausgesetzt. Damit darf die 28-Jährige bis auf weiteres auch wieder auf Strecken zwischen 400 Metern und einer Meile (1.609 Meter) antreten. Sie wird das auch tun. Wie ihr Management am Dienstag mitteilte, wird Semenya am 30. Juni über 800 m beim Prefontaine Classic in Kalifornien am Start stehen.