Weiter große Lawinengefahr in Ost- und Südtirol. Auch mit Abklingen der massiven Schneefälle an der Alpensüdseite hat am Montag in weiten Teilen Ost-und Südtirols weiter große Lawinengefahr, also "Stufe 4" der fünfteiligen Skala, geherrscht.

Von Redaktion, APA. Erstellt am 04. Februar 2019 (10:29)

Vor allem gelte dies für höhere Lagen oberhalb von rund 1.600 Metern, teilte der Lawinenwarndienst mit. Ein 18-Jähriger ist zudem am Sonntag bei einem Lawinenabgang in Sexten in Südtirol ums Leben gekommen.

Der Jugendliche war laut Medienberichten mit einem Freund unterwegs, als er von dem Schneebrett mitgerissen und komplett verschüttet wurde. Er verstarb wenig später im Krankenhaus. Der Begleiter des Jugendlichen hatte zuvor einen Notruf abgesetzt und den 18-Jährigen aus rund eineinhalb Metern Tiefe befreit. Der lebensgefährlich Verletzte wurde daraufhin in ein Krankenhaus gebracht, wo er schließlich verstarb. Im Einsatz standen die Rettungshubschrauber Pelikan 1 und Aiut Alpin Dolomites, die Bergrettung, die Freiwillige Feuerwehr sowie Ordnungskräfte.

Einzelne spontane Lawinen seien immer noch möglich. Für Wintersport abseits gesicherter Pisten sind die Verhältnisse gefährlich, hieß es. Mit Neuschnee und starkem Wind waren zuletzt viele mittlere und große Schneebretter abgegangen, stellenweise sogar sehr große. Nach dem Ende der intensiven Schneefälle nehme die spontane Lawinenaktivität indes deutlich ab.

"Einzelne große spontane Lawinen sind aber immer noch möglich, besonders an sehr steilen Südhängen oberhalb von rund 2.300 Metern, dies vor allem am Nachmittag", warnten die Experten. Zudem sind am Nachmittag an Südhängen einige kleine und mittlere trockene Lockerschneelawinen zu erwarten.

Nach einem Lawinenabgang bei Courmayeur im italienischen Aostatal sind indes am Montag drei von vier vermissten Tourengehern tot gefunden worden. Bei den Wintersportlern handelt es sich um zwei Briten und zwei Franzosen, berichtete die italienische Nachrichtenagentur ANSA. Die Tourengeher wurden von der Lawine verschüttet. Rettungseinheiten suchen mithilfe von Spürhunden nach dem vierten Vermissten. Bei der Suche waren seit Sonntag auch Hubschrauber im Einsatz.

Nachdem Schneefälle in Südtirol am Wochenende zudem für einen Ausnahmezustand auf der Brennerautobahn (A22) gesorgt hatten, machen Italiens Frächter die Lkw-Fahrverbote Tirols für das Chaos verantwortlich. "Das Chaos ist nicht den auf Schnee unvorbereiteten Lkw-Fahrern, sondern einfach Österreichs Lkw-Blockadepolitik zuzuschreiben", hieß es in einer Presseaussendung der Frächter.

Seit Jahren gebe es für Lkw keine Winter- und Sommerreifen, sondern lediglich Reifen für jede Wetterbedingungen. "Niemand darf daher behaupten, dass das Chaos auf der A22 auf die Sommerreifen einiger Lkw zurückzuführen ist", so Thomas Baumgartner, Präsident des Frächterverbands Anita. "Wie seit langer Zeit der Fall, bildete sich Freitagabend wegen des Nachtfahrverbots, das nun auch auf Samstagfrüh ausgedehnt wurde, eine lange Kolonne von Lkw auf der südlichen Seite des Brenners. Wegen des Schneefalls und der Präsenz der Lkw auf der rechten Spur war eine optimale Straßensäuberung auf der Autobahnstrecke nicht möglich", meinte Baumgartner.

Die Drohung des italienischen Verkehrsministers Danilo Toninelli (M5S), nach dem Schneechaos die Südtiroler Brennerautobahn zu verstaatlichen, sorgt für rege Debatten. Parlamentarier aus den Reihen der Oppositionsparteien merkten an, dass die A22 ohnehin schon zu 85 Prozent in öffentlicher Hand sei.

"Die Brennerautobahn ist bereits mehrheitlich in öffentlicher Hand. Außerdem wurde 2016 ein Protokoll unterzeichnet, mit dem die Autobahnstrecke, die derzeit von Autobrennero Spa betrieben wird, einer vollkommen öffentlichen Gesellschaft übergeben werden soll", betonte die sozialdemokratische Parlamentarierin Alessia Rotta.