Forderung nach Onkologie beim niedergelassenen Arzt. Rund 5.500 Patientinnen erhalten pro Jahr in Österreich eine Brustkrebs-Diagnose.

Von APA, Redaktion. Erstellt am 18. September 2019 (12:10)
APA (Symbolbild)
Nach der Operation sind viele Spitalbesuche nötig

Nach der Operation sind oft viele zeitlich und organisatorisch belastende Spitalsbesuche für die medikamentöse Therapie notwendig. Die Selbsthilfeorganisation Europa Donna will das geändert sehen - für mehr Lebensqualität bei gleichzeitiger Kostenersparnis, hieß es am Mittwoch bei einer Pressekonferenz in Wien.

"Die Einrichtung von onkologischen Ambulanzen oder Ordinationen außerhalb der Krankenhäuser würde einen Gewinn an Lebensqualität für die Patientinnen bringen und wäre auch ein ökonomischer Faktor mit Einsparungen", sagte Marianne Wenzl, Geschäftsführerin von Europa Donna Österreich. Die europaweite Initiative mit bereits 47 Landesorganisationen will als Selbsthilfeorganisation bestmögliche Informationen und optimalen Zugang zu Früherkennung, Diagnose und Therapie für Frauen mit einem Mammakarzinom durchsetzen.

Im Gegensatz zu Ländern wie Deutschland oder der Schweiz als im Gesundheitswesen wohl vergleichbarste Nachbarstaaten ist die onkologische Versorgung in Österreich auf die Krankenhäuser mit ihren Spezialabteilungen konzentriert. Onkologische Therapie - egal in welchem medizinischen Fachgebiet - im niedergelassenen Bereich mit Kassenverträgen existiert de facto nicht.

Gerade medikamentöse Behandlungen in Form von Infusionen etc. könnten aber auch sehr gut im niedergelassenen Bereich von dafür ausgebildeten Ärzten verabreicht werden. "Viele Patientinnen bekommen eine Chemotherapie oder eine Therapie mit zielgerichteten Medikamenten. Sie sind damit jeweils einen ganzen Tag beschäftigt", sagte Christian Singer, Leiter des Brustgesundheitszentrums an der Universitätsklinik für Frauenheilkunde in Wien (AKH).

Im niedergelassenen Bereich könnten diese Therapien wohnortnah und unter Vermeidung des bürokratischen und zeitlichen Mehraufwands von Kliniken erfolgen, betonte Singer: "Es ist doch bizarr, dass man Antikörper-Therapien wie jene mit Herceptin (Trastuzumab - monoklonaler Antikörper; Anm.) subkutan (unter die Haut ohne Infusion; Anm.) verabreichen kann, die Patientinnen dafür aber eine Spitalsaufnahme brauchen." Das gelte auch für tagesklinisch verabreichte Therapien. Für den Gynäkologen stehen bei dem Missstand eher verrechnungstechnische als sachliche Umstände im Hintergrund. In den Krankenhäusern zahlt die Medikamente bzw. die Therapie der Spitalserhalter, im niedergelassenen Bereich die Krankenkasse.

Europa Donna hat in den vergangenen 25 Jahren auf europäischer Ebene bedeutenden Druck für eine bessere Versorgung der Mammakarzinompatientinnen gemacht. 2003 und 2006 kam es auf Initiative der Organisation zu Entschließungen des Europäischen Parlaments für die Etablierung von flächendeckenden Screeningprogrammen zur Frühentdeckung der Erkrankung sowie zur Installierung von zertifizierten Brustgesundheitszentren, führte Mona Elzayat, Präsidentin von Europa Donna, aus.

2012 starben in der EU noch immer rund 91.000 Frauen an Brustkrebs. Das bedeutet, dass bei ihnen die Krankheit zuvor in ein metastasiertes Stadium übergegangen war. Hier gibt es offenbar noch wesentlichen Bedarf an Unterstützung für die Betroffenen.

"Ich habe 2013 die Diagnose von fortgeschrittenem Brustkrebs mit Knochen- und Lebermetastasen bekommen. Mittlerweile sind auch Bauchfellmetastasen dazugekommen. Wir werden oft vergessen. Darüber breitet sich oft ein Schleier. Metastasierte Patientinnen haben eine unheilbare chronische Krankheit, brauchen eine Dauertherapie und sind sehr früh mit der Endlichkeit des Lebens konfrontiert", sagte Claudia Altmann-Pospischek als Betroffene, mittlerweile Autorin und Bloggerin.

Europa Donna organisiert in den kommenden Tagen (21. bis 22. September) in Linz den 6. Österreichischen Brustkrebs-Patientinnen-Kongress. Die paneuropäische Konferenz der Organisation findet im Oktober in Wien statt (26. bis 27. Oktober; www.europadonna.at).