Genua: Untersuchung gegen Betreiber der Brücke startet. Die italienische Regierung hat nach dem Brückeneinsturz in Genua eine Überprüfung des Autobahnbetreibers Autostrade per l'Italia gestartet.

Von Redaktion, APA. Erstellt am 17. August 2018 (05:44)
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Die Suche nach Verschütteten geht weiter

Das Unternehmen habe 15 Tage Zeit, um nachzuweisen, dass es alle vertraglichen Verpflichtungen bezüglich der ordnungsgemäßen Funktion der Brücke und der Vermeidung von Unfällen erfüllt habe, erklärte das Verkehrsministerium am Donnerstag. Sollten die Auskünfte als unzureichend eingestuft werden, wäre dies ein Bruch der Konzessionsbedingungen. Die Muttergesellschaft Atlantia wurde aufgefordert, sofort den Wiederaufbau der Brücke auf eigene Kosten anzugehen. Auch für den Wiederaufbau der unter der Brücke zerstörten Gebäude müsse Atlantia aufkommen. Atlantia wird von der Familie Benetton kontrolliert. Das Unternehmen besitzt 88 Prozent am größten Betreiber mautpflichtiger Straßen in Italien.

Der Staatssekretär im Verkehrsministerium, Edoardo Rixi, und Regionalpräsident Giovanni Toti kündigten am Donnerstag an, dass im kommenden Jahr ein neues Viadukt anstelle des zusammengebrochenen stehen solle. Das Verkehrsministerium richtete zudem eine Kommission ein, die technische Überprüfungen und Analysen an der am Dienstag eingestürzten Brücke durchführen soll.

Die Ergebnisse der Arbeit sollen einer Mitteilung des Ministeriums zufolge schließlich dazu dienen, über eine mögliche Entziehung der Lizenz für den privaten Autobahnbetreiber zu entscheiden. Italienische Medien werteten das als Zurückrudern einiger Regierungsmitglieder, die die Verantwortung für die Katastrophe bereits am Mittwoch dem Betreiber Autostrade per l'Italia zugewiesen hatten. Auch Regierungschef Giuseppe Conte hatte erklärt, dass bereits erste Schritte für den Entzug der Konzession eingeleitet worden seien.

Unterdessen waren in der Nacht erneut Hunderte Rettungskräfte im Einsatz, um nach Vermissten zu suchen. Gefunden wurde niemand. Die Chancen, Überlebende zu finden, sind fast drei Tage nach der Tragödie aber schwindend gering. Die Präfektur hat bisher 38 Tote bestätigt. Elf Verletzte werden noch in Krankenhäusern behandelt. Am Samstag um 11.30 Uhr soll ein Staatsbegräbnis für die Opfer stattfinden.