Rückzug: Karl der Große nimmt den Hut. Nach über 26 Jahren im Bürgermeistersessel verabschiedet sich Karl Schlögl nun in die Pension. Gemeinderat muss über Nachfolge abstimmen.

Von Martin Gruber-Dorninger. Erstellt am 30. August 2018 (11:00)
Gruber-Dorninger
Karl Schlögl bei der Pressekonferenz

Eine „persönliche Erklärung“ wolle Karl Schlögl Donnerstag Mittag abgeben und lud dazu die Presse in den Purkersdorfer Trauungssaal. Darin gab er seinen Rückzug aus der Lokalpolitik bekannt. Das Geheimnis ist also gelüftet, Ende Oktober wird er als Oberhaupt der Stadt zurücktreten.

In einer Sitzung der Stadtpartei hat Schlögl seine Pläne bereits vorgetragen. Die NÖN erhielt darüber exklusiv Auskunft. Über die Nachfolge muss der Gemeinderat in einer Sitzung entscheiden. Als aussichtsreichster Kandidat gilt Gemeinderat Stefan Steinbichler, der auch von Schlögl als soöcher ins Rennen um den Stadtchef geschickt wird. Zuvor soll darüber noch in den SPÖ-Gremien intern beraten werden.

Ein Bürgermeister Steinbichler könnte auch personell weitgreifende Veränderungen im Gemeinderat nach sich ziehen. Vizebürgermeister Christian Matzka kündigte stets an, gemeinsam mit Schlögl die Gemeindepolitik verlassen zu wollen. Ob das Team Schlögl als solches auch unter Steinbichler bestehen bleibt, bleibt abzuwarten. Erste kritische Stimmen wurden jedenfalls bereits laut. Schlögl zieht also einen Schlussstrich unter eine beeindruckende politische Karriere.

Eine Leben für die Politk

1985 zog Schlögl erstmals in den Purkersdorfer Gemeinderat ein. Die Bedingungen waren mit heute kaum vergleichbar. So schildert Schlögl die Situation: „Die ÖVP war mit der SPÖ vollkommen zerstritten und intern gab es in der Volkspartei auch Probleme.“ 1989 kam es dann zur Neuwahl und unter Schlögl erreichte die SPÖ Purkersdorf 43 Prozent, knapp hinter der ÖVP mit 44 Prozent. Damit gewann er neun Prozent im Vergleich zur vorhergehenden Wahl. Für eine Wahl zum Bürgermeister ging es sich dennoch noch nicht aus. Die Liste Baum machte Schlögl mit ihren zwei Mandaten zum Bürgermeister. Er folgte somit Franz Matzka (ÖVP) als Stadtchef nach.

Dessen Sohn Christian Matzka ist aktuell Vizebürgermeister für die SPÖ-Liste Schlögl. „Schlögl hat die Ende der 1980er Jahre gespaltene Purkersdorfer Gesellschaft geeint und eine Purkersdorfer Identität ermöglicht, in der sich sehr viele Menschen finden können“, spricht Christian Matzka von den Geschicken Schlögls.

Die Gründung des Gymnasiums, die Ansiedelung der Unternehmensleitung der ÖBF (Österreichische Bundesforste) und die stetige Entwicklung Purkersdorfs zur größten Stadt im Bezirk St. Pölten zählen zu Schlögls Errungenschaften als Bürgermeister. Die Marke Purkersdorf sei untrennbar mit der Marke Karl Schlögl verbunden, so Matzka.

Dies blieb auch der Bundes-SPÖ nicht lange verborgen. Schlögl wurde 1995 Staatssekretär im Bundeskanzleramt, 1997 berief ihn Bundeskanzler Franz Vanitzky zum Innenminister „Damals hätte ich mir nicht gedacht, dass ich einmal wieder als Bürgermeister nach Purkersdorf zurückkommen würde“, erklärt Schlögl.

Schlögl war starker Kritik ausgesetzt

Die Zeit als Innenminister zählt Schlögl zu seiner politisch schönsten Zeit, und das, obwohl er in seinem Ressort kaum zur Ruhe kam: Die Briefbombenserie von Franz Fuchs, die Flüchtlingsbewegungen aus dem Kosovokrieg, die Entführung von Natascha Kampusch, die Lawinen-Katastrophe von Galtür und das Grubenunglück von Lassing fielen in seine Amtszeit.

Starker Kritik war Schlögl wegen des Falls Marcus Omofuma ausgesetzt. Nicht nur seitens der Grünen, sondern auch aus der eigenen Partei. „Könnte ich etwas aus der damaligen Zeit ändern, dann würde ich mich dieser Kritik nicht mehr so einsam und alleine aussetzen“, so Schlögl.

Der Purkersdorfer Bürgermeister strebte auch den Bundespartei-Obmann der SPÖ an. „Dazu hat mir aber schlussendlich die letzte Brutalität gefehlt“, erinnert sich Schlögl. Sein Engagement als Minister beendete er gezwungenermaßen durch die schwarz-blaue Koalition im Jahr 2000.

Für ein Jahr versuchte Schlögl auch sein Glück in der Landespolitik als Landeshauptmann-Stellvertreter. Davon trat er dann 2001 zurück. 2000 kam Schlögl auch wieder zurück nach Purkersdorf und löste Traude Eripek als Bürgermeisterin ab. „Seither kamen immer wieder Angebote der Bundes- und Landespolitik, auch von verschiedenen Parteien. Diese Angebote ehren mich alle, doch ich habe stets dankend abgelehnt“, hat Schlögl mit der Spitzenpolitik abgeschlossen.

Nun verabschiedet er sich nach über 26 Jahren an der Spitze der Stadtpolitik ganz von der politischen Bühne. „Ich komme aus einer bürgerlichen Familie. Hätte es Kreisky nicht gegeben, wäre ich wohl zur ÖVP gegangen“, denkt Schlögl an seine politischen Anfänge zurück.

Mikl-Leitner: "Persönlichkeit mit Handschlagqualität"

Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner (ÖVP) würdigte Schlögl am Donnerstag als "Persönlichkeit mit Handschlagqualität und Integrität".

Schlögl habe "stets die Arbeit für unser Land NÖ und seine Gemeinde Purkersdorf in den Mittelpunkt gestellt." Mikl-Leitner sprach von gegenseitiger Wertschätzung, die bestehen bleiben werde.

Karl Schlögl für SP-NÖ eine "Bürgermeister-Legende"

"Im Oktober tritt eine Bürgermeister-Legende ab", schrieb die SPÖ Niederösterreich in einer Aussendung am Donnerstag zum angekündigten Rückzug von Karl Schlögl. Landesparteivorsitzender LHStv. Franz Schnabl dankte dem scheidenden Langzeit-Stadtchef für dessen "unermüdliche" Arbeit für Purkersdorf.

 In Jahrzehnten in politischen Funktionen habe Schlögl einen großen Wissens- und Erfahrungsschatz angesammelt. "Ich freue mich sehr, dass er uns auch in Zukunft - egal ob auf Gemeinde- oder Landesebene - mit Rat und Tat zur Seite stehen wird", bekräftigte Schnabl seine Intention, Experten und erfahrene Politiker wie den früheren Innenminister auf Dauer an die SPÖ binden und zu Rate ziehen zu wollen.