Alaphilippe und Pinot lassen "Grande Nation" hoffen. Das Team Sky, das nun Ineos heißt, hat die Tour de France mit sechs Siegen in den vergangenen sieben Jahren dominiert.

Von Redaktion, APA. Erstellt am 22. Juli 2019 (14:11)
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Der Lokalmatador hat auch die heimischen Fans im Rücken

2019 ist das bisher anders, der Ausgang der 106. Auflage ist vor der letzten Woche völlig offen. Ineos ist aber mit einem Duo im Kreis der Besten vertreten. Spitzenreiter Julian Alaphilippe und Kletterer Thibaut Pinot weckten die Sieghoffnungen der "Grande Nation".

Alaphilippe führt das Klassement auch nach den zwei Pyrenäen-Etappen überraschend an. Der 27-Jährige beeindruckte mit dem Sieg im Einzelzeitfahren ebenso wie bei den Abschnitten in den Bergen. Alaphilippe habe mit Stil Zeit gewonnen, seine Präsenz habe die Art und Welse geändert, wie die Tour gefahren werde, erklärte Ineos-Teamchef Dave Brailsford am Montag am Ruhetag in Nimes.

Der WM-Achte von Innsbruck fährt erstmals in einer dreiwöchigen Rundfahrt auf das Gesamtklassement. Nun nimmt er die letzte Phase sogar im "Gelben Trikot" in Angriff. "Für den 2. Platz auf dem Tourmalet musste ich meine Reserven angreifen", gab Alaphilippe zu. "Ich beginne, die vergangenen zwei Wochen zu spüren. Ich fahre eben so, wie ich es liebe." Neben den Rennen fordern auch die Pflichttermine ihren Tribut, die Regeneration leidet.

Zudem ist sein Deceuninck-Team nicht für Helferdienste in den Bergen konzipiert, der Chef wird auf sich allein gestellt sein, wenn am Donnerstag auf der 208-km-Fahrt nach Valloire die Tour-Klassiker Col de Vars, Izoard (2.360 m) und Galibier (2.642 m) warten und tags darauf vor der Bergankunft in Tignes der mit 2.770 m höchste Punkt, der Col de l'Iseran, passiert werden muss. Dem nicht genug, wartet am Samstag in Val Thorens (2.365 m) eine weitere Bergankunft. "Ich werde wie bisher mein Bestes geben und nehme es Tag für Tag", erklärte Alaphilippe.

Hinter dem Weltranglisten-Ersten, der heuer im Frühjahr schon Klassikersiege bei Mailand-San Remo und dem Fleche Wallonne gefeiert hatte, wartet ein Quintett mit maximal 134 Sekunden Rückstand auf seine Chance. Pinot, aus dessen Helfer-Kreis der Steirer Georg Preidler nach seiner Doping-"Beichte" ausgeschieden ist, scheint vor den Alpen-Etappen der erste Anwärter auf den ersten französischen Gesamtsieg seit Bernard Hinault 1985 zu sein.

Der dreifache Tour-Etappensieger, der heuer auf dem Tourmalet triumphiert hat, war 2014 bei seiner Heimat-Rundfahrt Dritter. Nun hat er als aktueller Vierter 1:50 Minuten Rückstand auf seinen Landsmann. 1:40 Minuten hatte er just auf einer Flachetappe eingebüßt, als sich das Feld bei starkem Seitenwind teilte. Nur drei Sekunden vor Pinot liegt der Niederländer Steven Kruijswijk, auf den zweitplatzierten Vorjahressieger Geraint Thomas fehlen ihm 15 Sekunden.

"Das Wichtigste in den Pyrenäen-Etappen war, dass ich auf alle Konkurrenten Zeit aufholen konnte", sagte der 29-jährige Pinot. Er werde neuerlich angreifen, "wenn ich weiterhin gute Beine habe".

Der Hauptgegner des französischen Duos ist wohl Ineos-Profi Thomas. Sein Rückstand stieg am Wochenende sogar leicht an, doch der Waliser blieb positiv. "Ich freue mich auf die Alpen. Um eine große Tour zu gewinnen, muss man von Anfang bis zum Ende präsent sein", betonte der 33-Jährige. Es gebe mehrere Arten, eine Tour zu gewinnen. "Okay, wir haben nicht das Gelbe Trikot, aber wir sind in einer starken Position."

Denn als einziger Rennstall hat Ineos auch ohne den verletzten Vierfach-Gewinner Chris Froome zwei Fahrer unter den besten sechs. Der erst 22-jährige Kolumbianer Egan Bernal wartet mit 2:02 Minuten Rückstand auf seine Chance. "Aber falls der Moment kommt, in dem ich mich opfern muss, damit Geraint die Tour gewinnt, werde ich das gerne tun."

Der Deutsche Emanuel Buchmann (Team Bora) ist 2:14 zurück Sechster und baut in der letzten Woche auch auf die Unterstützung von Gregor Mühlberger und Patrick Konrad. Konrad, bis Samstag Ko-Kapitän neben Buchmann, hatte am ersten Ruhetag noch auf eine Besserung seiner Rippenprellung gehofft. Doch die erfüllte sich nicht, die Probleme behindern den Niederösterreicher weiterhin.

Schon an einem der ersten Tage war ein anderer Fahrer gegen ihn geprallt, als er wegen eines Sturzes vor ihm anhalten musste. "Es ist schon hart, wenn du weißt, dir gehen einfach 30 Watt ab. Es ist alles zu und blockiert. Das hat in den vergangenen Tagen extrem an der mentalen Kraft gezehrt. Ich versuche das Beste daraus zu machen", erklärte der Giro-Siebente des Vorjahres.