8.000 Fans feiern Semmering-Queen Shiffrin

Erstellt am 30. Dezember 2022 | 07:04
Lesezeit: 6 Min
"Volles Haus" beim Nachtslalom am Zauberberg - neuerlich führt an Superstar Mikaela Shiffrin kein Weg vorbei. Österreichs Girls verpassen die Spitzenplätze, die Mostviertlerin Katharina Huber muss sich mit Rang 23 begnügen.
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Die Semmering-Queen heißt Mikaela Shiffrin. Die US-Amerikanerin hat wie 2016 drei Technik-Rennen an drei aufeinanderfolgenden Tagen am Semmering gewonnen. Shiffrin kurvte am Donnerstag im Flutlicht zu ihrem 80. Weltcup-Sieg und dem 50. im Slalom. Die 27-Jährige setzte sich vor ihrer Landsfrau Paula Moltzan (+0,29 Sek.) und der Deutschen Lena Dürr (+0,34) durch. Applaus gab's u.a. von Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner und Sportlandesrat Jochen Danninger. Die NÖN hielt die Stimmung auf den Rängen fest.

Die Skifans ließen sich die Laune vom rot-weiß-roten Tief nicht verderben. Die Österreicherinnen schlossen das letzte Rennen des Jahres mit dem schlechtesten Slalom-Ergebnis der 27-jährigen "Zauberberg"-Geschichte ab.

Österreich hat nicht viel zu feiern

Platz 13 durch Katharina Truppe unterbot das Negativ-Ergebnis von 2000, als Renate Götschl Zwölfte geworden war. Als Halbzeit-Neunter unterliefen Truppe im Finale des 16. Semmering-Slaloms zu viele kleine Fehler, sie fiel damit noch zurück. "Ich habe doch zu oft eingeparkt. Es war wirklich so cool zu fahren, wenn du auf der Seite die Leute schreien hörst. Aber mit drei Fehlern war mir schon klar, dass sich das nicht ausgehen wird", meint Truppe. "Ich muss jetzt wirklich die kleinen Dinge sehen, ein bissl was ist weitergegangen. Ich baue auf dem auf."

In die andere Richtung ging es für Franziska Gritsch, die sich von Position 23 mit Laufbestzeit im zweiten Durchgang auf den 14. Platz verbesserte. Die Tirolerin bemerkte einen Schritt nach vorne angesichts einer bisher schwierigen Saison: "Im Training geht es leicht von der Hand, im Rennen will es noch nicht hinhauen", räumt Gritsch ein. "Ich glaube, ich habe den ganzen Frust reingelegt."

An Boden verloren

Die St. Georgenerin Katharina Huber verlor im zweiten Durchgang an Boden und klassierte sich auf Rang 23. Lisa Hörhager (21) machte in ihrem zweiten Weltcup-Rennen nach einem "wilden Ritt" mit Startnummer 55 als 27. "sehr unerwartet" erstmals Weltcup-Punkte. "Im Zweiten wäre noch mehr gegangen, aber bleiben wir mal am Boden - es ist sehr cool", freut sich die Zillertalerin.

Nach ihrem ersten Lauf hatte Shiffrin 0,72 Vorsprung auf die Schwedin Anna Swenn-Larsson gehabt, auf Moltzan waren es 0,79. In der Entscheidung baute sie im unteren Abschnitt, nachdem sie zunächst gut im Rhythmus drin war, eine kleine Unsicherheit ein, ließ aber "mit der Uhr im Kopf" dennoch nichts mehr anbrennen. Für die Ausnahmeathletin war es das erste Mal in einem Slalom, dass eine Teamkollegin neben ihr am Siegespodest stand.

Eine überwältigte Siegerin

"USA eins und zwei im Slalom - das ist überwältigend! Das ist unglaublich", meinte Shiffrin im ORF-Interview. Von Ex-Siegläuferin und Lokalmatadorin Michaela Dorfmeister bekam sie eine Torte überreicht. "Ich weiß nicht, was ich dazu sagen soll", meinte die sechsmalige Weltmeisterin perplex und sichtlich gerührt. Auch Moltzan wusste nicht, wie ihr geschah. Die 28-Jährige, die wie Lindsey Vonn aus dem Bundesstaat Minnesota stammt, stand das zweite Mal auf der Weltcup-Ebene am Stockerl, nachdem sie 2020 im Parallelrennen Lech/Zürs Zweite gewesen war.

Auf Vonns Fersen

Shiffrin indes pirscht sich nach der Anzahl der Siege immer näher an die Rekordhalter heran. Schon im folgenden Slalom-Doppel von Zagreb (4., 5. Jänner) könnte sie mit Landsfrau Vonn (82) gleichziehen, der Nummer eins bei den Frauen. Der Schwede Ingemar Stenmark brachte es als absoluter Top-Aktiver auf 86 Siege. Momente wie der Doppelsieg gemeinsam mit Moltzan würden ihr aber viel mehr geben als Rekord-Statistiken, betonte Shiffrin einmal mehr. "80 ist für mich nur eine Zahl. Ich habe keinen besonderen Bezug dazu."

Enttäuschung bei Liensberger & Co

Im zweiten Durchgang nach einem schweren Fehler und mit zu viel Zeitrückstand nicht mehr mit dabei war Katharina Liensberger (51./+5,48). "Mich hat es gleich bei der ersten Haarnadel hinten reingedrückt, ich war zu wenig stabil", erklärt die Vorarlbergerin zum Hergang ihres Ausritts  nach wenigen Sekunden. Danach wollte sie aber unbedingt weiterfahren und stieg zurück. "Mir ist es nicht gelungen, das Rennen und das Jahr stark abzuschließen, aber ich hoffe, dass ich daraus lernen kann und wieder stärker zurückkomme." Auch Chiara Mair schied aus.

Thomas Trinker, der Rennsportler der ÖSV-Frauen, zog eine nüchterne Semmering-Bilanz: "Es war sicher nicht das, was wir uns erhoffen. Teilweise ist der Speed da, aber nicht konstant." Nachsatz: "Es gibt keine Zeit fürs Enttäuschtsein. Unsere Aufgabe ist, dass wir da rauskommen."