ÖSV-Speedchef: "Abfahrt wird sensationell werden". Keineswegs leicht, definitiv WM-würdig, so der allgemeine Tenor. Mit dem Herren-Super-G bei der Ski-WM in Cortina hat die Strecke Vertigine etwas von ihrem Mysterium verloren, aber bei Läufern, Trainern und Zuschauern Anklang gefunden. "Es ist auf jeden Fall ein lässiger Hang", sagte Matthias Mayer. Am Sonntag könnte es noch spektakulärere Bilder geben. "Ich glaube, die Abfahrt wird sensationell werden von der Pistenbeschaffenheit", meinte ÖSV-Speedchef Josef Brunner.

Von APA / BVZ.at. Update am 12. Februar 2021 (12:54)
Matthias Mayer gefällt der Hang
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Das Gerede, die neue Piste könnte möglicherweise zu wenig anspruchsvoll und selektiv für Speed-Events bei einer WM sein, "ist erledigt", stellte "Sepp" Brunner klar. "Es sind einfach Passagen sind, die wichtig sind, um da Weltmeister zu werden. Das ist die Traverse, die Einfahrt, den unteren Teil mit den Wellen darf man auch nicht unterschätzen." Mayer sagte: "Man hat es gesehen. Es geht oben gleich einmal bissig weg, der erste Teil ist sehr hart, eisig, ein bisschen unruhig. Unten ist nicht wirklich spektakulär, aber die ersten zwei Drittel sind sehr gut zum Fahren."

Vor allem die Passage nach dem Vertigine-Sprung, "die wir einfach nicht einschätzen haben können", habe die Tücken der Strecke offenbart. "Da bin ich neugierig, wie man die Abfahrt hinsetzt, weil da muss dann brutal rausnehmen, sonst ist man im Loch drin, und dann wird es gefährlich", erläuterte Brunner. Kurssetzer Hannes Trinkl, der FIS-Rennchef Speed auf Herren-Seite, habe das aber gut im Griff. Die Abfahrt werde durch die erwartete trockene Kälte einen aggressiven Schnee haben, "da kommt es sicher sehr viel auf die Abstimmung an".

Herren-Chefcoach Andreas Puelacher ging zunächst nicht davon aus, dass in der Abfahrt das höhere Tempo an der Schlüsselstelle zum Thema werden könnte. "Es wird unruhig, das schon", sagte der Sportliche Leiter der Alpin-Herren. Am Donnerstagabend sei der schon gesetzte Kurs aber noch einmal umgesteckt worden, verriet er später. Bis zum Rennen am Sonntag werden noch einmal Anpassungen passieren, speziell bei der Anfahrt zum ersten Sprung, die im Freitagstraining einigen Läufern wie ein Riesentorlauf auf Abfahrtslatten vorkam.

"Wir haben es runder gesetzt, damit wir hundertprozentig sicher sind, dass wir keinen Sturz haben", erklärte Trinkl. "Klar, wenn ich Läufer bin, bin ich auch fuchsteufelswild. Wir werden einige Tore ein bisschen aufmachen, dass wir ein bisschen mehr Geschwindigkeit haben." Super-G Weltmeister Vincent Kriechmayr nahm nach dem Training seinen oberösterreichischen Landsmann in Schutz: "Lieber man ist zu langsam als zu schnell. Bis morgen wird er sicher einige Passagen ein bisschen öffnen."

Puelacher gab ebenfalls preis, dass sehr wahrscheinlich Max Franz den dritten Startplatz in der Abfahrt neben Mayer und Kriechmayr bekommen wird. Favorit für den vierten ist Striedinger, der sich in erster Linie mit Daniel Hemetsberger misst, der allerdings einen Traumlauf bräuchte. Auch Christian Walder bestreitet die beiden Trainings am Freitag und am Samstag, "falls irgendetwas passiert, man weiß ja nie". Franz und Striedinger untermauerten ihre Ansprüche im ersten Training mit den Plätzen drei und vier.

"Ich fühle mich wohl in der Abfahrt, der Schnee taugt mir. Von dem her bin ich sicher bereit für die nächsten Tage", sagte Striedinger. "Die Spitzkehren können vielleicht ein bisschen entschärft werden für morgen, aber sonst ist es ein lässiger Hang." Die Abfahrt sei "absolut WM-würdig". Franz freute sich über "ein Gelände, das ich gern habe. Ich habe gezeigt, dass ich einen guten Grundspeed habe im Moment." Die Piste "wird sich sicher noch entwickeln. Der Großteil der Strecke ist eher aggressiver, also etwas, das ich auch gern mag".

Mayer stand in dieser Weltcup-Saison beginnend mit seinem Bormio-Sieg viermal in Serie auf dem Abfahrtspodest. Er hat in Cortina noch etwas gutzumachen. "Ich wollte um die Medaillen (im Super-G; Anm.) mitfahren", sagte Mayer, der bei der Schlüsselstelle zu sehr das Tempo reduziert habe. "Aber ich habe am Sonntag auch noch eine Chance." Brunner meinte: "Ich glaube schon, dass wir da auch gut aufgestellt sind und dass wir sehr positiv an die nächsten Aufgaben rangehen." Einen hatte er besonders auf der Rechnung - Max Franz. "Das ist ein Rennfahrer."