Ohne Hut erwischt: Saftige Strafe für Gablitzer Fiaker. 350 Euro soll ein Gablitzer zahlen, weil er beim Fahren mit der Kutsche in Wien ohne Melone auf dem Kopf erwischt wurde.

Von Birgit Kindler. Erstellt am 26. August 2020 (05:54)
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Peter Wurzer ist als Fiaker in Wien unterwegs – die Melone darf nicht fehlen.
privat

350 Euro Strafe – so viel muss Peter Wurzer zahlen, weil er seinen Hut als Fiaker nicht aufhatte. „Ich bin normalerweise ein braver Melonenträger“, sagt der Gablitzer.

Wann genau er am 30. November des vergangenen Jahres seine Melone – diese Art von Hut tragen die Fiaker – abgelegt hat, kann er sich nicht erklären. Gleich informiert über die Strafe wurde er jedenfalls nicht.

„Vielleicht gehe ich ins Gefängnis, so leicht verdient man 350 Euro nicht. Schaden würde das allerdings dem Steuerzahler.“Peter Wurzer

„Vor wenigen Tagen ist die Strafverfügung eingetrudelt. Ich muss 350 Euro zahlen oder für acht Stunden ins Gefängnis“, teilt Wurzer mit und setzt mit einem Schmunzeln hinzu: „Vielleicht gehe ich ins Gefängnis, so leicht verdient man 350 Euro nicht. Schaden würde das allerdings dem Steuerzahler.“

Wie genau er jetzt mit der Strafe umgehen wird, weiß er noch nicht. „Einige Kollegen haben ebenfalls schon so eine Strafe bekommen und Einspruch erhoben. Sie mussten dann weniger bezahlen“, berichtet Wurzer, der sich vielleicht anwaltliche Hilfe holen wird.

Kleidungsvorschrift legt Branche selbst fest

Besonders verärgert ist der Gablitzer darüber, dass er von jenem Magistrat gestraft wurde, der für die Fiakerfahrer zuständig ist. Sein erster Kontakt mit Polizei und Magistrat ist das nicht. „Seit 2017 fahre ich mit dem Fiaker in Wien und gleich am dritten Tag bekam ich eine Strafe, weil ich mich zu langsam eingeparkt habe“, erzählt Wurzer.

Derzeit ist er übrigens nicht mit seinen Pferden unterwegs. „Von Kollegen weiß ich, dass ganz wenig los ist. Die Touristen fehlen. Zum Glück halten Leute aus Österreich und den angrenzenden Nachbarstaaten den Fiakern die Stange“, sagt der Gablitzer, der heuer im Purkersdorfer Bad als Bademeister arbeitet.

Bestens vertraut mit dem Wiener Fiaker- und Pferdemietwagengesetz ist Daniel Vladar, stellvertretender Abteilungsleiter der MA 65, die unter anderem auch für Fiakerangelegenheiten zuständig ist. „In diesem Gesetz wird auch erläutert, dass Fiaker ein gepflegtes Äußeres haben müssen – dazu zählt auch das Tragen der Melone“, so Vladar.

Allerdings lege nicht der Magistrat diese Kleidungsvorschrift fest, sondern die Branche selbst. Laut Gesetz müsse die Melone im Fahrtendienst getragen werden, also mit Gästen. „Während der Fahrt ist es schwierig, jemanden aufzuhalten und über die Anzeige zu informieren“, meint Vladar.

Anzeigen aus der Bevölkerung

Grundsätzlich würden sich die Kontrollen des Magistrats aber eher auf das Tierwohl und die technische Sicherheit der Kutsche konzentrieren und nicht auf die Kleidung der Fiakerfahrer. Im Sommer werde beispielsweise oft wöchentlich am Standplatz kontrolliert.

„Wir bekommen in letzter Zeit allerdings auch viele Anzeigen aus der Bevölkerung. Es gibt einige Personen, die den Fiakerfahrern nicht besonders freundlich gegenüber eingestellt sind. Diese haben sich über die Kleidungsvorschriften natürlich genau informiert“, weiß der stellvertretende Abteilungsleiter.

350 Euro wie im Fall des Gablitzers seien schon happig. „Der Strafrahmen liegt – wie bei allen anderen Sachen – zwischen 140 und 3.500 Euro. Bemessen wird der Strafbetrag nach verschiedenen Faktoren“, weiß Vladar.