Rudolf Hundstorfer ist tot. Der frühere Sozialminister und ÖGB-Präsident Rudolf Hundstorfer (SPÖ) ist unerwartet im Alter von 67 Jahren gestorben. Trauerbekundungen reichten von Bundespräsident Alexander Van der Bellen und Kanzlerin Brigitte Bierlein über die eigene Partei und die Gewerkschaft bis zu den Vertretern aller politischer Lager. Gewürdigt wurden vor allem Hundstorfers soziales Engagement und Handschlagqualität.

Von APA, Redaktion und Redaktion noen.at. Update am 20. August 2019 (15:59)
Hundstorfer soll sich gerade in Kroatien befunden haben
APA (Archiv)

Hundstorfer soll sich gerade auf Urlaub in Kroatien befunden haben. Die genauen Umstände seines Todes wurden nicht kommuniziert. Erst am Dienstag vergangener Woche absolvierte er seinen letzten öffentlichen Auftritt als Präsident der Volkshilfe Wien. Ebenfalls bis zu seinem Tod tätig war der in dritter Ehe verheiratete Vater einer Tochter als Präsident der Österreichischen Bundes-Sportorganisation (BSO).

Van der Bellen würdigte den Verstorbenen als umgänglichen und heiteren Menschen, "mit dem ich jeden Austausch sehr geschätzt habe, auch während unserer gemeinsamen Kandidatur zur Präsidentschaft". "Rudolf Hundstorfer hat sich um unser Land besonders verdient gemacht", schrieb Bierlein. Sozialministerin Brigitte Zarfl ehrte ihn als "einen der profiliertesten Sozialpolitiker der Zweiten Republik".

Betroffenheit herrschte vor allem in Hundstorfers politischer Heimat: SPÖ-Chefin Pamela Rendi-Wagner und Bundesgeschäftsführer Thomas Drozda betrauerten den Verlust eines großen Sozialdemokraten und wahren Menschenfreunds. Trauer herrschte auch in sämtlichen Landes- und Vorfeldorganisationen der Partei sowie dem Parlaments- und Wiener Rathausklub. Seine Trauer drückte auch Bürgermeister Michael Ludwig aus.

SPNÖ-Chef Franz Schnabl und Nationalratsabgeordnete Sonja Hammerschmid zeigten sich am Vormittag vor Journalisten „tief betroffen“ vom Ableben Hundstorfers, der auch einen Nebenwohnsitz in Lackenhof am Ötscher (Gemeinde Gaming) hatte.

„Ich bin sehr betroffen. Wir waren freundschaftlich verbunden und ich  werde die guten Gespräche mit ihm vermissen. Er war ein Mensch, der immer ein offenes Ohr hatte, auch  für unsere Anliegen in der Gemeinde.  Mein ganzes Mitgefühl gilt nun der Familie", so die Nationalratsabgeordneten und SP-Bürgermeisterin Renate Gruber der Gemeinde Gaming.

Auch in der Gewerkschaft herrscht Betroffenheit

Hundstorfer habe den ÖGB in einer schwierigen Zeit als Präsident übernommen, erinnerte sich ÖGB-Präsident Wolfgang Katzian. Auch ÖGB-Vizepräsident und Christgewerkschafter Norbert Schnedl zeigte sich bestürzt, ebenso die Spitzen der Teilgewerkschaften und Fraktionen im ÖGB, der Arbeiterkammer, Wirtschaftskammer, Landwirtschaftskammer, der Sozialversicherung, Interessensvertretungen und NGOs.

Hundstorfers respektvollen Umgang mit allen politischen Lagern betonten auch sämtliche Parteien abseits der SPÖ sowie Nationalratspräsident Wolfgang Sobotka (ÖVP), der dessen Handschlagqualität erwähnte. Auch der Österreichische Sport trauerte um Hundstorfer, der seit 2016 Präsident der Bundes-Sportorganisation (BSO) war, unter anderem ÖOC-Präsident Karl Stoss sowie ÖFB-Präsident Leo Windtner.

'"Für Rudi Hundstorfer stand stets das Wohl der arbeitenden Menschen an erster Stelle." AK NÖ-Wieser

„Rudi Hundstorfer war ein Gewerkschafter aus Leidenschaft. Mit ihm verliert die Gewerkschaftsbewegung einen großen Kämpfer für die Rechte der arbeitenden Menschen.“ Mit diesen Worten reagierten der niederösterreichische AK-Präsident und ÖGB NÖ-Vorsitzende Markus Wieser sowie der Landessekretär des ÖGB NÖ, Christian Farthofer, auf das überraschende Ableben Hundstorfers.  

„Für Rudi Hundstorfer stand das Wohl der arbeitenden Menschen stets an erster Stelle. Er hat den Kampf für Gerechtigkeit immer in den Vordergrund gestellt. Gleichzeitig war er Zeit seines Lebens ein Sozialpartner mit Handschlagqualität. Auch in schwierigen Situationen hat er immer das Verbindende gesucht. Er hat damit viel zur Lebensqualität Österreichs und damit Niederösterreichs beigetragen", so Wieser und Farthofer. "Er hinterlässt in der österreichischen Gewerkschaftsbewegung eine große Lücke."

Auch die NÖGKK trauert

Gerhard Hutter, Obmann der NÖ Gebietskrankenkasse (NÖGKK), und Direktor Günter Steindl zeigen sich ebenfalls tief betroffen: „Rudolf Hundstorfer war ein engagierter und zugänglicher Politiker. Als Sozialminister hat er große Meilensteine für die Sozialversicherung erreicht, aber auch abseits dieser wichtigen politischen Funktion hatte er immer ein offenes Ohr und eine klare Stimme für Gesundheitsthemen.“

Echte staatliche Sozialpolitik und Chancengleichheit seien für Hundstorfer zentrale Anliegen im Gesundheitswesen gewesen, die er stets sachlich und fair vertreten habe. „Hundstorfers Bestreben war immer durch die Werte der Solidarität und der Festigung der sozialen Sicherheit bestimmt. Sein Einsatz für die Versicherten in unserem Staat ist beispiellos, die Arbeit für Niederösterreich besonders wichtig“, so Günter Steindl.

"Sowohl als Gewerkschafter als auch als Politiker eine starke Persönlichkeit"Alfred Schöls

FCG- und GÖD-NÖ-Vorsitzender Alfred Schöls trauert um einen persönlichen Freund: "Als aufrechter Sozialpartner, dem der soziale Ausgleich immer ein wichtiges Anliegen war, stand für Ihm auch die Zusammenarbeit der Fraktionen immer im Vordergrund seines gewerkschaftlichen Wirkens. Gerade in der schwierigen Phase, in der er den ÖGB übernommen hat, war er mit seiner gewinnbringenden Art die richtige Persönlichkeit zur Bewältigung dieser schweren Krise."

Digitales Kondolenzbuch online gestellt

Die Bestattung Wien hat für Hundstorfer ein digitales Kondolenzbuch (http://go.apa.at/hw8phhUh) online gestellt. Die Einträge sollen gesammelt und der Familie des Verstorbenen nach Abschluss der Trauerfeierlichkeiten in Buchform übergeben werden. Ein Termin für die Trauerfeierlichkeiten stand vorerst noch nicht fest.