Experten fordern strengere Vorschriften. Der Transport von Nutztieren findet weiterhin unter teils problematischen Bedingungen statt. Die geltende EU-Tiertransport-Verordnung aus dem Jahr 2005 müsse dringend überarbeitet und deren Einhaltung strenger kontrolliert werden, forderten Experten bei einer von Tierschutz Austria (vormals Wiener Tierschutzverein) einberufenen Pressekonferenz am Freitag. Ein im September eingerichteter EU-Untersuchungsausschuss widmet sich dem Thema.

. Erstellt am 02. Oktober 2020 (13:07)
Strengere Kontrollen bei Tiertransporten gefordert
APA (dpa)

"Wir sehen, dass das Elend für Tiere bei Langstreckentransporten insbesondere in Drittstaaten kein Ende nimmt", meinte der Tierarzt und langjährige Tiertransportkontrolleur Alexander Rabitsch. Er habe Schafe gesehen, die vier Tage ohne Futter und Wasser aushalten mussten. Auch würden Vorgaben bezüglich der Ruhepausen sowie der höchstzulässigen Beförderungstemperatur oft nicht eingehalten werden. "Es mangelt außerhalb Europas an von der EU zertifizierten Versorgungsstationen für Tiere, wo diese abgeladen werden und ruhen können", zeigte Rabitsch auf. Transportunternehmen müssten diese buchen können und deren Lkw jederzeit verortbar sein, um die Einhaltung der EU-Verordnung überprüfen zu können.

Für den Präsidenten der Österreichischen Tierärztekammer (ÖTK), Kurt Frühwirth, war ebenfalls klar, dass Verstöße gegen den Tierschutz bei Transporten in Drittstaaten und an den EU-Außengrenzen an der Tagesordnung stehen. Diese müssten rigoroser geahndet werden. "Die Interessen unserer Mitgeschöpfe dürfen nicht auf der Strecke bleiben. Österreich muss eine Vorreiterrolle einnehmen und auf EU-Ebene Verbesserungen vehement einfordern", so Frühwirth. Die ÖTK fordert etwa ein grundsätzliches Verbot des Transports von Schlachttieren über mehr als acht Stunden. Derzeit dürfen laut EU-Tiertransport-Verordnung Rinder insgesamt 29 Stunden mit einstündiger Pause befördert werden. Nach einer Ruhezeit von 24 Stunden darf die Maximaldauer aber beliebig oft wiederholt werden.

Im EU-Parlament herrscht weitgehend Konsens, dass Missstände im Tiertransportwesen existieren. So hätten sich mehr als 600 der 705 Abgeordneten für die Einsetzung eines Untersuchungsausschusses eingesetzt, sagte der in eben diesem Untersuchungsausschuss vertretene EU-Abgeordnete Thomas Waitz (Grüne). "Wir wissen, dass die Verordnung veraltet ist und kaum eingehalten wird. Unser Ziel ist die Tiertransportverordnung auf einen modernen Stand zu bringen", erklärte Waitz. So sollen Transportunternehmen, die sich an die Regeln halten, geschützt werden und Amtstierärzte klare Vorgaben und Rahmenbedingungen erhalten.

Der EU-Abgeordnete der Grünen tritt für ein engmaschigeres Kontrollnetz, kürzere Transportzeiten und eine bessere Versorgung der Tiere während der Beförderung ein. Tiertransporte in Drittstaaten möchte er unterbinden, weil "hier die Einhaltung der EU-Tierschutzbestimmungen nicht garantiert werden kann", sagte Waitz.

Tiertransporte sorgen des Öfteren für Aufsehen. Im Februar deckte der Verein gegen Tierfabriken (VgT) einen Transport von Kälbern aus Vorarlberg nach Spanien auf. Dort wurden sie gemästet und anschließend in einem wochenlangen Transport in den Libanon verbracht, wo sie unter schlimmen Bedingungen geschlachtet wurden. Ein im Juli von Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) abgehaltener Tiertransport-Gipfel brachte keine konkreten Ergebnisse. Jedoch sollten in künftigen vierteljährlichen Treffen Allianzen zwischen den Beteiligten, von den Bauern bis zu den Tierschützern, geschmiedet werden, um Alternativen zu den Lebendtransporten von Rindern in Staaten außerhalb der EU zu finden.