Toter Polizeischüler auf Mallorca: Wer ist die Zeugin?. Ersthelfer berichten nach NÖN-Beitrag von vermutlich deutscher Zeugin – die offenbar keine Polizei-Aussage machen durfte. Wer kennt sie? Wer hat sonst in der Nacht auf 9. August am Weg zwischen „Mega-Park“ und dem Lokal „Duques“ in der Calle de Trasimé irgendetwas Auffälliges beobachtet? Familie richtete eigenen Mailaccount für Zeugen ein.

Von Markus Lohninger. Erstellt am 23. August 2019 (07:33)
An der Playa de Palma ging für die Familie H. die Sonne unter. Thomas (22) verstarb im Urlaub mit Freunden. shutterstock/SchnepfDesign (Hintergrund), privat
shutterstock/SchnepfDesign (Hintergrund), privat

Weite Kreise zog der NÖN-Beitrag über den Tod eines 22-jährigen Waldviertlers nach einem mysteriösen Vorfall gegen 22 Uhr in der Nacht auf 9. August in Ballermann-Nähe in Mallorca: Eine selbst noch geschockte deutsche Urlauberin meldete sich aufgrund des Online-Berichtes beim Vater des an schwersten Kopfverletzungen verstorbenen Polizeischülers Thomas H. aus Gastern im Bezirk Waidhofen/Thaya.

Was sie zu sagen hatte, macht die Angelegenheit für die Angehörigen – die ein Gewaltverbrechen vermuten – noch verworrener. Die Deutsche habe mit zwei Freundinnen das direkt neben der Unglücksstelle gelegene Hotel verlassen, im Vorbeigehen eine große Menschentraube um einen auf der Fahrbahn liegenden Mann bemerkt. Niemand habe sich allerdings des noch röchelnden Schwerverletzten angenommen, also habe das Trio selbst die Versorgung aufgenommen, den internationalen Notruf abgesetzt und den Kopf von Thomas gegenüber vorbeifahrenden Autos abgeschirmt.

Beim Notruf 112 habe es kein Durchkommen gegeben, beim spanischen Notruf habe man sich nicht zuständig gefühlt. Daher habe es noch eine gute halbe Stunde gedauert, bis überhaupt Rettungsteams kamen. Die Polizei sei noch später gekommen.

Handy & Geldbörse an Polizei übergeben - was tat sie damit?

Vor allem: Eine vermutlich Deutsch sprechende Frau habe sich den Polizeibeamten als Zeugin für den Vorfall im oder vor dem Lokal angeboten, der den 22-Jährigen letztlich das Leben kostete. Sie sei aber abgewiesen worden, niemand habe ihre Daten aufgenommen oder ihre Darstellung gehört. 

Mehr noch: Die Ersthelferinnen aus Baden-Württemberg (die keine Gelegenheit hatten, mit der Zeugin selbst zu sprechen) hätten den Beamten Handy und Geldbörse des Verletzten übergeben – von beidem fehlt seither wie berichtet bis auf den Ausweis offenbar jede Spur. Noch Tage später war das Handy, wie die Familie H. betont, eingeschaltet, bloß seien Anrufe am anderen Ende nicht angenommen worden.

Was geschah vor dem „Mega-Park“?

Die Familie hat inzwischen einige Puzzleteile zum fraglichen Zeitpunkt zusammengefügt. Dokumentiert ist aus ihrer Sicht, dass Thomas zuletzt im beliebten „Mega-Park“ war, die Toilette und im Freien einen Zigaretten-Automaten aufsuchen wollte. Alles Weitere bis zum Eintreffen der Ersthelfer vor dem Lokal „Duques“ in der einige Minuten entfernten Calle de Trasimé, in der Thomas nie zuvor gewesen sein dürfte, ist noch ungeklärt.

Die Hinterbliebenen haben nun einen eigenen Mailaccount eingerichtet. Sie bitten Zeugen, die in der Nacht auf 9. August ungewöhnliche Vorfälle zwischen „Mega-Park“ und „Duques“ wahrgenommen haben, um Kontaktaufnahme unter thomas-mallorca@outlook.com

SP-Androsch: Was wurde in Österreich unternommen?

Sie seien von keinen offiziellen Stellen außer des Spitals in der Inselhauptstadt kontaktiert worden, sagen die trauernden Angehörigen. Außerhalb des Klinikums in Palma seien sie tagelang auf sich alleine gestellt gewesen, hätten bis heute keinen Wissensstand über allfällige Ermittlungen.

Der erste Anruf durch die Österreichische Botschaft bei der Familie sei erst erfolgt, nachdem die NÖN am 20. August beim Außenministerium nachgefragt hatte. Dessen Sprecher hatte gegenüber der NÖN noch beteuert, dass die Botschaft bei Todesfällen im Ausland eigentlich auf jeden Fall mit Angehörigen in Kontakt trete. Der Sache werde nachgegangen.

Antworten auf die quälenden Fragen zum viel zu frühen Tod von Thomas fordert inzwischen auch Nationalrats-Abgeordnete Maurice Androsch (SPÖ) aus Thomas' Heimatbezirk Waidhofen/Thaya: Er will bei Innen- und Außenministerium nachfragen, was in der Angelegenheit getan bzw. nicht getan wurde, was der Wissensstand über die Hintergründe ist. „Wenn mir die Infos nicht ausreichen, werde ich eine parlamentarische Anfrage stellen.“