Al-Khelaifis UEFA-Mandat sorgt für Diskussionen. Mit den UEFA-Regeln ist Nasser al-Khelaifi als Präsident von Paris Saint-Germain zuletzt oft im Clinch gelegen. Künftig wird der einflussreiche Katarer eben diese Regeln selbst mitbestimmen können. Der bevorstehende Einzug des 45-Jährigen in das Exekutivkomitee von Europas Fußball-Union (UEFA) hinterlässt nach den Skandal-Jahren der internationalen Verbände schon wieder einen faden Beigeschmack.

Von Redaktion, APA. Erstellt am 05. Februar 2019 (12:09)
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Den Bock zum Gärtner gemacht?

Regelmäßig mussten PSG-Vertreter bei der UEFA wegen Verstößen gegen das Financial Fair Play (FFP) vorstellig werden - das jüngste Verfahren ist noch nicht endgültig abgeschlossen. Nun sitzt ihr Chef bald mit an den Schalthebeln von Europas Fußballmacht.

Vor allem den um Glaubwürdigkeit bemühten Deutschen Fußball-Bund (DFB) bringt das in Erklärungsnot. Kurz vor der Abstimmung über al-Khelaifis Einzug in das Exekutivkomitee (Exko) am Donnerstag beim UEFA-Kongress in Rom muss DFB-Boss Reinhard Grindel sein Wahlverhalten pro al-Khelaifi rechtfertigen. "Die ECA hat das Recht, zwei Vertreter ins Exko zu entsenden, das akzeptieren wir. Deshalb werden wir die Ernennung von Herrn al-Khelaifi bestätigen", sagte Grindel der dpa.

Eine Ablehnung und selbst eine Enthaltung käme für UEFA-Verhältnisse einer Revolte gleich. Dieses Konfliktfeld will der DFB, der immer noch dankbar für den EM-Zuschlag 2024 ist, nicht aufmachen. Grindel selbst bewirbt sich zudem in Rom ohne Gegenkandidat für eine zweite Amtszeit als UEFA-Mitglied im Council des Weltverbandes (FIFA).

Der 45-jährige Katarer al-Khelaifi wird als einer von zwei Vertretern der European Club Association (ECA) in das 20 Funktionäre umfassende Führungsgremium der UEFA aufrücken. Diese beiden Sitze wurden den Clubs von der UEFA zugesichert, um Abspaltungstendenzen zu stoppen. Der andere Abgesandte der Vereine ist Andrea Agnelli von Juventus Turin.

Pikant ist der Einzug des PSG-Präsidenten ins Exko nicht nur wegen der andauernden Auseinandersetzung des mit Milliarden vom Golf alimentierten französischen Meisters mit der UEFA wegen Verstößen gegen das Financial Fair Play, das finanzielle Auswüchse im Club-Fußball unterbinden soll. Zudem ist er auch noch Geschäftsführer der beIN Media Group, die als Vertragspartner der UEFA die Rechte zur TV-Übertragung der Champions League im arabischen Raum innehat.

Interessenskonflikte des ersten Exko-Mitglieds ohne direkten Bezug zu einem der 55 UEFA-Mitgliedsverbände sind somit programmiert. Kritiker sehen zudem einen weiteren Einflussgewinn für den umstrittenen WM-Gastgeber Katar. "Ich freue mich darauf, mit Mitgliedern des UEFA-Exekutivkomitees zusammenzuarbeiten, um den europäischen Fußball zu verbessern und zu entwickeln und gleichzeitig sicherzustellen, dass die Interessen aller Clubs im Entscheidungsprozess vertreten werden", wurde der Katarer in einer ECA-Mitteilung zitiert.

Beim DFB spricht man von einer fußballpolitischen Variante des Wandels durch Annäherung. "Mit der Funktion im Exko wird al-Khelaifi noch stärker in das Regelwerk der UEFA eingebunden sein. Damit steigt auch seine Verantwortung, sich generell und natürlich besonders in seinem Verein für die Einhaltung des Financial Fair Play einzusetzen", begründete Grindel seine Abstimmungsentscheidung. Andere, wie der Chef der spanischen Liga, Javier Tebas, sprechen von der Metapher vom Bock, der zum Gärtner gemacht wird. "Seine Ernennung muss abgelehnt werden, da sie gegen alle zumutbaren Regeln der guten Regierungsführung verstößt", sagte Tebas, der selbst in Rom nicht mit abstimmen kann.