Wichtiger Glyphosat-Prozess verschiebt sich wohl. Der nächste US-Prozess um mögliche Krebsrisiken glyphosathaltiger Unkrautvernichter wird vertagt.

Von Redaktion, APA. Erstellt am 07. August 2019 (21:01)
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Über die Gründe der Verschiebung wurde bisher geschwiegen

Statt im August soll das Verfahren nun im Jänner stattfinden, wie eine Gerichtssprecherin am Mittwoch bestätigte. Ein konkretes neues Datum für den Prozessauftakt dürfte der zuständige Richter Brian May der Gerichtssprecherin zufolge Ende der Woche bestimmen.

Gründe für die Verschiebung wurden nicht genannt. Zuvor hatten der US-Blog "Right to Know" und die "Wirtschaftswoche" entsprechend berichtet. Auch ein Bayer-Sprecher konnte dazu auf Nachfrage keine Angaben machen. Ob noch andere Verfahren vertagt werden, blieb zunächst unklar.

In dem ursprünglich für August angesetzten Prozess macht die Klägerin den Unkrautvernichter Roundup des 2018 von Bayer übernommenen Herstellers Monsanto für ihre Erkrankung an Lymphdrüsenkrebs verantwortlich. Die Gerichtsverhandlung findet in St. Louis statt - der Agrarmetropole, in der Monsanto 1901 gegründet wurde und seinen Hauptsitz hatte.

Bayer hofft auf einen Heimvorteil

Das ursprünglich für August geplante Verfahren ist der vierte Glyphosat-Prozess und der erste im US-Bundesstaat Missouri, wo die Landwirtschaft zu den wichtigsten Industriezweigen gehört. Bayer hofft auf einen Heimvorteil, allerdings sind die Jurys in dem US-Bundesstaat auch dafür bekannt, Unternehmen zu hohen Schadenersatzzahlungen zu verdonnern.

Die Klägerin Sharlean Gordon macht den glyphosathaltigen Unkrautvernichter Roundup für ihre Krebserkrankung verantwortlich. Sie hatte erklärt, dass bei ihr Lymphdrüsenkrebs diagnostiziert worden sei, nachdem sie Roundup rund 14 Jahre lang eingesetzt hatte.

Die bisherigen drei Glyphosat-Prozesse, die alle in Kalifornien stattfanden, hat Bayer in erster Instanz verloren und wurde von den Geschworenen zu hohen Schadenersatzzahlungen verurteilt. Diese wurden später jedoch von den zuständigen Richtern deutlich gesenkt. Bayer sieht sich inzwischen mit insgesamt etwa 18.400 Klägern konfrontiert.

Der Konzern hat die Vorwürfe gegen Glyphosat stets zurückgewiesen und darauf verwiesen, dass Zulassungsbehörden weltweit das Herbizid bei sachgemäßer Anwendung als sicher bewerteten. Vorstandschef Werner Baumann hatte zuletzt erklärt, Bayer sei weiter fest entschlossen, sich entschieden zu Wehr zu setzen. Ein Vergleich werde nur in Betracht gezogen, wenn sich dieser in einem vernünftigen finanziellen Rahmen bewege und damit der gesamte Rechtsstreit endgültig beigelegt werden könne.