Kindergrundsicherung "hochwirksam" gegen Kinderarmut. Die Volkshilfe hat die Kindergrundsicherung in die Praxis gebracht. Die Organisation unterstützt 23 armutsbetroffene Kinder mit der von ihr wiederholt geforderten Zuwendung. Start war im Jänner 2019, die Laufzeit des Projekts beträgt zwei Jahre. Die ersten Ergebnisse zeigen: "Kindergrundsicherung hat eine unglaubliche Wirkungsmacht", berichtete Volkshilfe-Direktor Erich Fenninger am Montag.

Von APA, Redaktion. Erstellt am 20. Januar 2020 (13:17)
Volkshilfe-Direktor Erich Fenninger präsentierte erste Ergebnisse
APA (Archiv)

In jedem Bundesland wurde eine Familie in das Projekt der Volkshilfe aufgenommen, erzählte Fenninger. Das jüngste Kind ist ein Jahr alt, das älteste 16 Jahre. Die Familien wurden auf Basis von Faktoren ausgewählt, die häufig zu Kinderarmut führen. So sind zum Beispiel fünf alleinerziehende Mütter und zwei alleinerziehende Väter im Programm. Jedes Kind erhält pro Monat durchschnittlich eine Unterstützung von 320 Euro, gestaffelt nach Haushaltseinkommen. Durch diese Mittel sollen die materielle Versorgung, Bildungschancen, soziale Teilhabe und gesundheitliche Entwicklung der Kinder sichergestellt werden.

Ersterhebungen der Gefühlslage der Kinder ergaben, dass sie sich oftmals für die Sorgen der Eltern mitverantwortlich fühlen. Das sei "alarmierend", sagte Judith Ranftler, Leiterin des Projekts "Kinderarmut Abschaffen" und begleitende Sozialarbeiterin. Gemeinsam mit den Kindern wurden dann in jeder Familie Ziele formuliert - und die Unterstützung zeigte Wirkung. "Wir waren überrascht, wie schnell wir bei den Kindern positive Veränderungen beobachten konnten", so Ranftler. Bereits nach drei bis vier Monaten habe man "eine Art von Selbstermächtigung" bei den Kindern gespürt.

Das Projekt wird auch sozialwissenschaftlich begleitet. Untersucht wird dabei vor allem, wie sich die finanzielle Unterstützung auf die Lebenswelt und die Gefühlslage der Kinder auswirkt. Besonderes Augenmerk wird auf die soziale Teilhabe, von der Kinder aufgrund von finanziellen Problemen oftmals ausgeschlossen sind, gelegt.

Die Volkshilfe begrüßt Pläne der neuen Bundesregierung, den Anteil armutsgefährdeter Menschen zu halbieren, wobei ein Fokus auf Kinderarmut liegen soll. Instrumente wie der Familienbonus seien jedoch nicht geeignet, Kinderarmut zu bekämpfen, kritisierte Fenninger am Montag. Die Volkshilfe sieht sich bei der Bekämpfung von Kinderarmut dennoch als "Partner" der Regierung, merkte er an. Daher sollen die Ergebnisse des Volkshilfe-Projekts zur Kindergrundsicherung so schnell wie möglich bei den politischen Parteien landen. "Wir werden viel Energie aufwenden", versprach Fenninger.

Laut Zahlen der Statistik Austria sind 19 Prozent der Kinder und Jugendlichen bis 19 Jahre armutsgefährdet, das sind in Österreich 372.000 Betroffene. Nach dem Modell der Volkshilfe für die Kindergrundsicherung soll jedes Kind bis zum 18. Lebensjahr mit 200 Euro monatlich unterstützt werden. Einkommensabhängig könnte diese Unterstützung noch um maximal 425 Euro ausgeweitet werden.