ÖVV-Herren trotz starker EM-Gruppe auf Aufstieg aus. Erstmals findet ab Donnerstag eine Volleyball-EM der Herren mit 24 Mannschaften statt, und erstmals hat sich ein österreichisches Nationalteam aus eigener Kraft für eine Endrunde qualifiziert. Sowohl bei den allein durch die Nennung fixierten Teilnahmen 1955, 1958 und 1963 wie auch als Veranstalter 1999 und 2011 haben die Österreicher den letzten EM-Platz belegt. Das soll diesmal anders laufen.

Von APA, Redaktion. Erstellt am 10. September 2019 (14:04)
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Der Bundespräsident verabschiedete das Volleyball-Team

Die erfolgreiche Qualifikation wurde von Teamchef Michael Warm und seinem Team als Startschuss genommen, um auch in den fünf Spielen von Freitag bis Donnerstag nächster Woche in Gruppe B in Brüssel und Antwerpen etwas zu erreichen. Eineinhalb Monate lang im Mai und Juni mit der European Silver League sowie durchgehend ab der zweiten Juli-Hälfte war das rot-weiß-rote Nationalteam zusammengezogen, zahlreiche Länderspiele wurden absolviert.

"Je näher man rankommt, desto größer ist das Feuer, desto größer sind die Emotionen, desto größer ist die Klarheit, maximale Leistung zeigen zu wollen", hatte Warm schon in der vergangenen Woche die Vorfreude des gesamten Spieler- und Betreuerstabs auf den Titelkampf in Worte gekleidet. Für den Deutschen ist es der Höhepunkt seiner mittlerweile bereits fast neuneinhalbjährigen Tätigkeit als Österreichs Chefcoach, seine Bestellung wurde am 30. April 2010 fixiert.

Die seither fraglos stattgefundene Aufwärtstendenz soll Alexander Berger und Co. nun aus einer der vier Sechser-Gruppen in die K.o.-Phase bringen. Aus dem letzten Topf gezogen, müssten zumindest zwei höher eingeschätzte Teams hinter sich gelassen werden. Titelverteidiger Russland blieb den Österreichern bei der im Jänner im Brüsseler Atomium erfolgten Auslosung zwar erspart, dafür sind mit Deutschland, Serbien und Belgien die übrigen Semifinalisten von 2017 zu bespielen.

Warm und Co. wollen sich dadurch aber nicht von ihrem Weg abbringen lassen, die Slowakei, Spanien oder auch einen der Top Drei zu Fall bringen zu können. "Wir gehen so rein, dass wir zu den fünf Spielen, die wir am Anfang haben, mindestens noch ein sechstes dranhängen können", sagte der Langzeit-Coach, ab dieser Saison Chef-Betreuer beim deutschen Topclub VfB Friedrichshafen. Ein sechstes Match wäre ein Achtelfinale. Und alle Viertelfinalisten haben die EM-Teilnahme 2021 fix.

In keinem Fall möchte sich die ÖVV-Equipe nur auf vermeintlich schwächere Gegner fokussieren. "Wir können nicht pokern", betonte Warm. "Wir können nicht sagen, wir wollen das eine Spiel gewinnen, dann lassen wir drei weg, und dann wollen wir wieder eines gewinnen. Wir müssen schauen, das ist das Anstrengende für uns, dass wir jeden einzelnen Punkt mitnehmen, der da ist. Das ist das Erste, das zählt. Egal gegen wen - was einzusammeln ist, ist einzusammeln."

Zum Pluspunkt soll nach Vorstellung des 51-Jährigen die Einstellung werden. "Es geht darum, dass wir das machen, was wir das ganze Jahr machen. Man bereitet sich ganz normal auf ein Spiel vor, geht ganz normal hin, und spielt das ganz normal. Wenn man glaubt, man muss etwas Besonderes machen, nur weil es eine EM ist, ist man rasch auf einer falschen Fährte. Wenn wir es schaffen, den normalen Rhythmus beizubehalten, dann werden wir sicher am erfolgreichsten arbeiten."

Kapitän Peter Wohlfahrtstätter will gemeinsam mit anderen Routiniers wie Berger den Jüngeren im Team mit Erfahrung den Weg durch ein Turnier dieser Größenordnung weisen. "Da müssen wir auch Vorbilder sein und vorleben, wie man mit so einem Ereignis umgeht", meinte der bei Benfica Lissabon spielende Tiroler. "Dass man nicht die Nerven schmeißt, wenn man ein Spiel einmal verliert. Da müssen wir ältere Spieler als Vorbild dienen und ein bisschen Ruhe reinbringen."

Wohlfahrtstätter und Berger haben in Warms EM-Aufgebot wie die meisten anderen des 16-köpfigen Vorbereitungskaders längst ihren Fixplatz. Die komplette Truppe war auch noch am späten Dienstagvormittag bei der Verabschiedung bei Bundespräsident Alexander van der Bellen dabei, zwei Akteure müssen bei der Mittwoch-Anreise aber daheimbleiben. Bei einer Verletzung vor Ort besteht freilich die Möglichkeit, per "Medical Joker" einen Spieler nachzunominieren.

Los geht es am Freitag (20.30 Uhr) in Brüssel gegen das Gastgeberteam von Belgien, 24 Stunden später ist in der 15.000 Zuschauer fassenden Arena die Slowakei der Gegner. Nach einem Übersiedlungstag nach Antwerpen geht es am Montag gegen Deutschland und am Dienstag gegen Spanien (jeweils 17.30). Letztlich wartet am Donnerstag nächster Woche (20.30) ebendort 2000-Olympiasieger Serbien (alle Spiele live ORF Sport +) auf Rot-Weiß-Rot.