Doping: Verdächtige Proben von 298 russischen Sportlern. Die von der WADA aufgedeckten Datenmanipulationen im russischen Dopingskandal betreffen verdächtige Proben von 298 Sportlern. 145 davon könnten einer Verfolgung entgehen, weil ihre Datensätze nicht mehr vollständig rekonstruiert werden können. Das geht laut Medien aus dem Bericht der WADA-Untersuchungskommission hervor. Russlands Regierungschef Dmitri Medwedew kritisierte die drohenden Strafen.

Von APA, Redaktion. Erstellt am 05. Dezember 2019 (14:57)
Von den 298 Sportlern könnten 145 einer Verfolgung entgehen
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Die von der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) beauftragten Experten hatten die mutmaßliche Fälschung der Moskauer Labordaten aus den Jahren 2012 bis 2015 in den vergangenen Monaten untersucht. Die Manipulationen waren aufgeflogen, weil die WADA dank eines Whistleblowers in den Besitz des Originaldatensatzes gekommen war und diesen mit den von Russland erst mit monatelanger Verspätung ausgehändigten Dopingtest-Ergebnissen abglichen hatte.

Aufgrund der mutmaßlichen Manipulationen und weiteren Beweismittelfälschungen drohen Russland am Montag scharfe Sanktionen durch die WADA-Exekutive. Ein Untersuchungsgremium hat eine vierjährige Sperre der russischen Anti-Doping-Agentur (RUSADA) empfohlen. Diese war bereits von 2015 bis September 2018 gesperrt gewesen, weil man Russland im Staatsdopingskandal weitreichende Manipulationen bei den Olympischen Spielen 2014 und davor nachgewiesen hatte. Im Zuge der Affäre sind bereits zahlreiche russische Spitzenathleten aus diversen Sportarten, darunter etliche Olympiamedaillengewinner, überführt und gesperrt worden.

Die Aufhebung der RUSADA-Sperre im Vorjahr war unter anderem an die Bedingung geknüpft gewesen, dass die Russen die nun betroffenen Moskauer Labordaten unverzüglich an die WADA aushändigen müssen. Das geschah dann aber erst mit gehöriger Verspätung, in diesem Zeitraum soll es zur Manipulation der Daten gekommen sein.

Neben der neuerlichen Sperre der RUSADA dürfte die WADA russische Sportler am Montag von den Olympischen Spielen 2020 und 2022 ausschließen. Ihre Teilnahme unter neutraler Flagge wäre aber trotzdem möglich, was international zu teils harter Kritik am Internationalen Olympischen Komitee geführt hat. Außerdem dürfte Russland gemäß den Strafenkatalog-Empfehlungen in den kommenden vier Jahren auch die Austragung wichtiger internationaler Wettkämpfe untersagt werden.

Unabhängig von den aktuellen 298 Verdachtsfällen hatte die WADA im Herbst zur Verfolgung möglicher Dopingvergehen bereits die Daten 47 anderer russischer Athleten an internationale Sportverbände weitergeleitet. Diese Datensätze aus dem Moskauer Labor sind laut WADA nicht von Fälschungen betroffen.

Der russische Regierungschef Dmitri Medwedew kritisierte im Doping-Skandal die drohenden Strafen gegen sein Land als politisch motiviert. "Mich erinnert das an eine unendliche antirussische Serie. Offensichtlich hat das etwas mit der gesamtpolitischen Situation zu tun", sagte Medwedew am Donnerstag im Staatsfernsehen.

Medwedew behauptete außerdem, dass gegen Russland härter vorgegangen werde als gegen andere Länder, in denen es auch Doping gebe. "Das ärgert am meisten. Wir kennen diese Beispiele, aber sie werden unter den Tisch gekehrt, und auf uns wird dauernd geschaut." Zugleich kündigte Medwedew an, dass Russland alles dafür tun werde, dass die Sportler des Landes an internationalen Wettkämpfen teilnehmen könnten.

Medwedew betonte auch, dass sein Land weiter gegen Doping kämpfen werde. Doping sei ganz klar ein Rechtsverstoß, bekräftigte er. Die Schuld der Athleten sei aber nicht erwiesen. Auch solle in Russland härter mit jenen ins Gericht gegangen werden, "die die Entscheidung treffen, diese Präparate einzusetzen, während sie sich im Klaren darüber sind, dass die Verantwortung letztlich beim Sportler und dessen Arzt liegt".