Katalanen stimmen über Unabhängigkeit von Spanien ab. In Barcelona bilden sich seit den frühen Morgenstunden vor Wahllokalen Schlangen von Menschen, die an diesem Sonntag für die Unabhängigkeit Kataloniens stimmen wollen.

Von Redaktion, APA. Erstellt am 01. Oktober 2017 (06:33)
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Das Verfassungsgericht hat das Referendum verboten
APA (AFP)

Die Befürworter des Referendums rechnen mit der Beteiligung Zehntausender, obwohl die Polizei die Abstimmung unterbinden soll. Die Zentralregierung in Madrid hat Tausende Beamte in die Region geschickt. 

Die Volksabstimmung ist nicht bindend und wurde vom spanischen Verfassungsgericht für illegal erklärt. Die Richter berufen sich auf die gesetzlich verankerte Unteilbarkeit des spanischen Staates. Nach dem Willen der Organisatoren sollen die Bürger ab 09.00 Uhr (MESZ) zur Wahl gehen. Die Wahllokale sollten jedoch von der Polizei abgeriegelt werden. Hunderte Unterstützer des Referendums wollten mit ihren Familien die Nacht über in noch besetzten Schulen auszuharren, um sie für die Wähler am nächsten Morgen offen zu halten.

In Katalonien begannen in der Nacht auf Sonntag vor allem in ländlichen Gebieten Tausende Bauern damit, die Eingänge von Schulen und Gemeindegebäuden, in denen am Sonntag über die Unabhängigkeit der spanischen Region abgestimmt werden soll, mit ihren Traktoren zu versperren. Damit wollen die Bauern die Polizei daran hindern, die Gebäude abzuschließen und weiträumig abzusperren.

Am Samstag besetzten auch Eltern, Schüler, Pensionisten- und Nachbarschaftsvereine in größeren Städten wie Barcelona Schulen, damit diese nicht von der Polizei verschlossen werden können. Sie veranstalteten Pyjamaparties, Kino-Vorführungen, Elternabende, gemeinsames Paella-Kochen, Fußball-Turniere für Väter und Spieleabende für Schüler.

Das scheint die Polizei allerdings kaum daran gehindert zu haben, die große Mehrzahl der vorgesehenen Wahllokale unzugänglich zu machen. Wie Spaniens Innenminister Juan Ignacio Zoido am Samstagabend erklärte, seien nur 163 der 2.315 Wahllokalitäten von Unabhängigkeitsbefürwortern besetzt worden. Zoido hielt es für "unverantwortlich, dass man Kinder und ältere Personen benutzte, damit die Polizei die Gebäude nicht räumen lässt".

Unterdessen forderte Spaniens Innenminister die katalanische Regionalpolizei Mossos d'Esquadra erneut auf, am Sonntag den Auftrag des Verfassungsgerichts umzusetzen, das die Durchführung des Unabhängigkeitsreferendums explizit verboten hat. Doch Josep Lluis Trapero, Chef der Regionalpolizei und bekennender Separatist, verbot seinen knapp 16.000 Beamte, am Sonntag "Gewalt" anzuwenden, um die Menschen am Wählen zu hindern und die besetzen Wahllokale zu räumen. Aus diesem Grunde halten sich sowohl die spanische Nationalpolizei sowie die paramilitärische Guardia Civil mit fast 10.000 Beamten bereit, um notfalls die Aufgabe der Mossos zu übernehmen.

Bereits am Samstagvormittag besetzte die Guardia Civil auch das Telekommunikations- und IT-Zentrum Kataloniens CTTI, um die technische Infrastruktur für die Abstimmung und deren Auszählung zu blockieren. Madrid ging davon aus, dass die elektronische Wahl eine Art "Alternativplan" der separatistischen Regionalregierung war, falls die Menschen nicht in den Wahllokalen wählen könnten.

Die Regionalregierung stellte die Wahlzettel auch online, nachdem die spanische Polizei in den vergangene Wochen Millionen von Stimmzetteln und Wahlmaterial beschlagnahmt hatte. Zigtausende Unabhängigkeitsbefürworter sollen sich die Stimmzettel bereits im Internet heruntergeladen und zu Hause ausgedruckt haben, um sie direkt zum Wahllokal mitzubringen.

Wie viele Katalanen am Sonntag wirklich wählen können, bleibt abzuwarten. "Wenn eine Million Personen ihre Stimme abgeben können, sind wir sehr zufrieden. Das wäre schon ein großer Erfolg", erklärte Jordi Sanchez, Vorsitzender der separatistischen Bürgerbewegung ANC, die mit Tausenden freiwilligen Helfern in ganz Katalonien das Referendum unterstützt, im Gespräch mit der APA.

Kataloniens separatistische Regionalregierung will gegen den Willen Madrids und trotz des Verbots durch das Verfassungsgericht am Sonntag 5,3 Millionen wahlberechtigte Katalanen über die Abspaltung von Spanien an den Urnen befragen. Am Samstag hatten in zahlreichen spanischen Städten Tausende für die Einheit des Landes demonstriert.