Warnung auf Tramway: "Ärztemangel kann tödlich sein". Die Wiener Ärztekammer erhöht den Druck auf die Politik: Die Interessensvertretung fordert mindestens 300 Spitalsärzte mehr. Um der Bevölkerung die möglichen Folgen vor Augen zu halten, falls es nicht zu dieser Aufstockung kommt, hat die Kammer eine neue Kampagne gestartet. Dabei wird sogar eine Straßenbahn mit dem provokanten Slogan "Ärztemangel kann tödlich sein" durch die Stadt touren.

Von Redaktion, APA. Erstellt am 14. März 2019 (13:07)
APA (ÄRZTEKAMMER FÜR WIEN)
Neue Kampagne der Wiener Ärztekammer soll wachrütteln

"Wir Spitalsärzte arbeiten am äußersten Limit", warnte der Vizepräsident der Kammer und Obmann der Kurie der angestellten Ärzte, Wolfgang Weismüller, am Donnerstag in einer Pressekonferenz. Er verdeutlichte auch, was passiere, wenn es zu keiner Personalaufstockung in den Spitälern komme: "Wenn man am Limit arbeitet, dann passieren Fehler." Das heißt, die Fehlerwahrscheinlichkeit würde steigen. Zudem müssten Stationen geschlossen werden, wenn Diensträder nicht aufrechterhalten werden können.

Einer der Gründe für den eklatanten Personalmangel sei der Sparkurs des Krankenanstaltenverbundes (KAV) im Jahr 2015 gewesen, bei tatsächlich Personal reduziert worden sei, führte der Kammer-Vizepräsident aus. Auch die Einführung des viel kritisierten Krankenanstalten-Arbeitszeitgesetzes hatte Auswirkungen. Dabei erfolgte eine deutliche Reduzierung der erlaubten ärztlichen Arbeitszeit. Zudem würden - als "neues Phänomen" - gut ausgebildete Fachärzte die Spitäler verlassen, berichtete Weismüller weiters.

Aufgrund einer bevorstehenden Pensionierungswelle droht nun eine nochmalige Verschlechterung der Situation: "Ein Drittel aller Wiener Spitalsärzte gehen in den nächsten zehn Jahren in Pension." Dabei handle es sich Leute mit "enormen Fachwissen", so der Vizepräsident.

Damit es nicht soweit kommt fordert die Kammer nun in einem ersten Schritt zumindest 300 ausgebildete Fachärzte mehr. Überdies müsse das Grundgehalt für Mediziner um zunächst 30 Prozent angehoben werden, um die Abwanderung in den niedergelassenen Bereich weniger attraktiv zu machen. Denn im Schnitt würde ein niedergelassener Facharzt das Doppelte verdienen, veranschaulichte Weismüller.

Außerdem müsse das Krankenhaus als Arbeitsplatz wieder attraktiver gemacht werden. Derzeit sei die Infrastruktur veraltet, die Bürokratie überbordend und es fehle die Wertschätzung seitens des Arbeitgebers, bemängelte Weismüller. Aus diesem Grund bedürfe es einer "Infrastrukturmilliarde", um die Arbeitsbedingungen in den Einrichtungen zu verbessern. Auch ein jährlicher "Fortbildungstausender" könnte den Spitalsjob interessanter machen. Zusätzlich mahnte Weismüller die Einführung der Zentralen Notaufnahmen ein, die es vier Jahre nach der Einigung mit der Stadtregierung noch immer nicht gebe.

Um auf ihre Forderungen aufmerksam zu machen - und auch, warum diese berechtigt sind - hat die Kammer nun eine neue Kampagne gestartet. Diese rückt die Themen "Sparkurs", "Ärztemangel", "Wartezeit" und "Nachwuchs" in den Fokus. Mit Plakaten, Inseraten und auch der gebrandeten Straßenbahn soll die Öffentlichkeit sensibilisiert und der Druck auf die Politik verstärkt werden. Die Warnhinweise sprechen durchaus eine deutliche Sprache. Sie sind den Warnhinweisen auf Zigarettenpackungen nachempfunden.