Supermarktketten stoppen FFP2-Masken-Verkauf . Nachdem bekanntgeworden ist, dass Hygiene Austria einen Teil seiner Masken in China hat fertigen lassen, nehmen Einzelhändler reihenweise die Produkte der Firma aus dem Sortiment. Hofer, Rewe, Spar und dm kündigten an, vorerst keine FFP2-Masken von Hygiene Austria mehr zu verkaufen.

Von APA / BVZ.at. Update am 04. März 2021 (16:27)
Herkunft von FFP2-Masken im Fokus
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 Mehrheitseigentümer Lenzing setzt ein forensisches Team zur Klärung des Produktionsortes der Masken und einen zweiten Geschäftsführer ein. Konsumentenschützer sehen irreführende Werbung.

Die Einzelhandelsketten nehmen zwar Masken von Hygiene Austria aus dem Sortiment, betonen aber, dass sie über genügend andere Masken für Kunden und Mitarbeiter verfügen. Die Herkunft der FFP2-Masken von Hygiene Austria wird nun überprüft, sollte die Produktion in Österreich nicht nachweisbar sein, werden die Masken wohl zumindest teilweise zurückgegeben. "Wenn dieser Nachweis nicht erbracht werden kann, dann werden wir den Bestand an den Hersteller retournieren, da dies für uns ein zentrales Kriterium bei der Auswahl des Lieferanten und des Produkts war", sagte ein dm-Sprecher.

"Da wir unseren Kunden nur Ware anbieten möchten, wo das auch drin ist, was draufsteht, nehmen wir die Hygiene-Austria-Masken aus dem Sortiment", hieß es von Spar. Auch Hofer listet die Produkte vorerst aus und sagt: "Was alle weiteren Schritte betrifft, warten wir die finalen Ergebnisse der gegenständlichen Untersuchung ab und werden die weiteren Entwicklungen sehr genau beobachten".

Einen Rückruf gefordert hat am Donnerstagvormittag auch FPÖ-Chef Norbert Hofer. Die Masken sollten sowohl aus dem Handel als auch aus allen anderen Bereichen, wo sie ausgeliefert wurden, eingezogen werden. Die Menschen "atmen durch diese Maske ein" und man müsse sicherstellen, dass keine Gesundheitsgefährdung bestehe.

Dem Unternehmen, das unter reger Beteiligung verschiedener Politiker damit geworben hatte, Masken in Österreich herzustellen, könnten auch rechtliche Probleme drohen, sagte der Konsumentenschützer Peter Kolba. "Grundsätzlich ist eine falsche Herkunftsbezeichnung irreführende Werbung. Das sei relevant nach dem Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb (UWG)", so der Obmann des Verbraucherschutzvereins (VSV). Klagen dagegen sind möglich, Sammelklagen eher unwahrscheinlich.

Klagen könnten Mitbewerber oder Interessensvertretungen. Konsumenten müssten sich an jene Firmen wenden, bei denen sie die Maske gekauft haben. "Rechtlich kommt es auf die Erwartung des Durchschnittsverbrauchers an", erklärte Thomas Hirmke, Chefjurist des Verein für Konsumenteninformation (VKI). Betreffend Herkunftskennzeichnung gebe es keine einheitlichen Vorgaben für alle Produktkategorien.

Aber nicht nur die Kunden reagieren - auch Mehrheitseigentümer Lenzing zieht die Zügel straffer. Lenzing übernimmt bei Hygiene Austria die Managementkontrolle und setzt dort mit Stephan Sielaff einen zusätzlichen Geschäftsführer ein. Außerdem werde ein externes forensisches Untersuchungsteam bestellt, erklärte Lenzing am Donnerstag. Dieses soll "Klarheit schaffen", wie die Masken produziert wurden. Noch ist nicht klar, wie viele Masken in Wahrheit aus China stammten, statt wie beworben in Österreich produziert zu werden.

In Österreich wurden die FFP2-Masken von Hygiene Austria jedenfalls nicht geprüft. Vom Bundesamt für Eich-und Vermessungswesen (BEV) hieß es am Donnerstag zur APA: "Die Masken sind nicht von uns zertifiziert worden." Die CE-Kennzeichnung 2233 weist auf Ungarn hin. Laut der NANDO-Datenbank der EU-Kommission mit sämtlichen Notifizierungsstellen gehört diese Zahlenkombination der Prüfstelle GÉPTESZT mit Sitz in Budapest. Nach Angaben des Wirtschaftsministeriums gab es aber Mitte 2020 eine "Vorprüfung" in Österreich, bei der die Masken laut Medienberichten durchgefallen sind. Das Unternehmen selbst sprach am Mittwochabend im Zusammenhang mit den in China gefertigten Masken in einer Aussendung von einer Schweizer Zertifizierung, klärte aber bisher nicht auf, warum die am Markt befindlichen Masken die ungarische CE-Nummer tragen.

Die Stadt Wien gab unterdessen bekannt, keine Masken von Hygiene Austria bezogen zu haben. Das teilte ein Sprecher von Gesundheitsstadtrat Peter Hacker (SPÖ) am Donnerstag mit. Zuvor hatte Wiens FPÖ-Chef Dominik Nepp eine entsprechende Frage in den Raum gestellt. Er erbat Auskunft darüber, ob die Stadt in ihrem Einflussbereich diese Produkte bestellt bzw. verwendet hat oder ob Lieferungen noch offen sind.

Die Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB) haben hingegen 576.000 FFP2-Masken mit CE-Siegel über die Bundesbeschaffungsagentur von der Hygiene Austria erworben. Von diesen sind noch 360.000 Masken auf Lager, sagte ein ÖBB-Sprecher auf APA-Anfrage. Nun lasse man Stichproben vom Bundesamt für Eich- und Vermessungswesen auf ihre Wirksamkeit überprüfen. Dabei werde insbesondere die Filterwirkung der Masken überprüft.