Harter Brexit würde Österreich am wenigsten treffen. Österreich und Kroatien kämen innerhalb der EU im Falle eines ungeregelten EU-Austritts der Briten wohl am glimpflichsten davon. "Die Auswirkungen eines harten Brexit würden die Mitgliedstaaten der EU unterschiedlich hart treffen", so die Wirtschaftsforscherin Marina Steininger vom ifo-Institut. Hauptleidtragender wäre Irland - gefolgt von Luxemburg, Malta und dem Vereinigten Königreich selbst.

Von APA, Redaktion. Erstellt am 23. August 2019 (14:15)
Ein harter Brexit wäre für Österreich erträglich
APA/Symbolbild

Ein sogenannter harter Brexit der Briten gilt als wahrscheinlich. Im EU-Vergleich am wenigsten sinken würde der Wohlstand in Kroatien (minus 0,34 Prozent) und in Österreich (minus 0,35 Prozent). Ebenfalls vergleichsweise gering wären die Einbußen in Rumänien (0,37 Prozent) sowie in Griechenland und Spanien (je 0,39 Prozent).

Eindeutig am schlimmsten beeinträchtigt würde Irland - das Münchner Wirtschaftsforschungsinstitut errechnete hier Wohlstandsverluste in Höhe von 8,16 Prozent. Dahinter folgten demnach Luxemburg mit einem jährlichen Rückgang des realen Konsums (gegenüber 2014) von 5,23 Prozent, Malta mit 5,19 Prozent, dann Großbritannien mit 2,76 Prozent und die Niederlande mit 1,64 Prozent.

Die Unsicherheiten für Investoren und sich ändernde Wechselkurse könnten die negativen Auswirkungen den Wirtschaftsforschern zufolge aber noch verschlimmern. "Ein Freihandelsabkommen würde auf jeden Fall die negativen Folgen dämpfen", betonte Steininger. Ohne Abkommen mit der EU für die Zeit nach Beendigung der Mitgliedschaft gehe der Wohlstand im Schnitt der EU-27 (ohne das Vereinigte Königreich) um 0,78 Prozent zurück, mit einem Freihandelsabkommen nur um 0,2 Prozent.

"Die Auswirkungen eines harten Brexit auf den Rest der Welt sind begrenzt", so die Forscherin vom ifo-Zentrum für Außenwirtschaft. Die USA wären - ebenso wie das Nicht-EU-Mitglied Schweiz - mit minus 0,01 Prozent betroffen, die Türkei mit minus 0,04 Prozent, Korea mit minus 0,03 Prozent. 

Es gäbe aber auch Profiteure eines abrupten, ungeregelten Brexit - der deutlichste Gewinner wäre laut ifo das Nicht-EU-Land Norwegen mit einem Wohlstandsgewinn von 0,52 Prozent. Mit Freihandelsabkommen stünde dort ein jährlicher Zuwachs des realen Konsums von lediglich 0,23 Prozent ins Haus.

Der wiederholt hinausgezögert Abschied des Vereinigten Königreichs von der Europäischen Union soll am 31. Oktober wahr werden. Premierminister Boris Johnson will den EU-Ausstieg notfalls auch ohne Abkommen, also ohne Übergangsregelungen, durchziehen.