2. Prozesstag zu Bootsunglück: Vertagung auf 16. Mai.

Von Jutta Hahslinger. Update am 19. April 2018 (12:54)
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Einig sind sich die beiden Angeklagten, ein 45-jähriger Unternehmer aus Niederösterreich und ein Kärntner (33), bislang nur in ihrer Verantwortung.  Beide beteuern ihre Unschuld: Der 45-Jährige zum Vorwurf der grob fahrlässigen Tötung des Kremsers Manfred Schroll (44), der Kärntner zum Vorwurf der fahrlässigen Tötung durch Unterlassung.

Nach den Einvernahmen der beiden Angeklagten und mehrerer Zeugen am ersten Prozesstag (NÖN.at hatte berichtet) bleibt der genaue Hergang des tödlichen Bootsunfalles im Wörthersee rätselhaft. Der hauptangeklagte Unternehmer räumt zwar ein, alkoholisiert das Boot gelenkt zu haben. Den Unfall will er aber nicht durch ein waghalsiges Fahrmanöver herbeigeführt haben. Er beteuert, dass das spätere Todesopfer durch einen Griff ins Lenkrad den Unfall ausgelöst habe. Er bestreitet auch, den Retourgang eingelegt zu haben, der dann zur tödlichen Kollision mit dem ins Wasser gefallenen Familienvater Manfred Schroll (44) aus Krems geführt hat.

„Wer legte den Retourgang ein?“

Laut Gutachten erlitt Schroll tödliche Kopfverletzungen durch die Schiffsschraube. Die entscheiden Frage für Richter Matthias Polak: „Wer legte den Retourgang ein?“

Der Unternehmer will es nicht gewesen sein: „Ich war zu diesem Zeitpunkt im Wasser“, behauptet er.

Dass der Unternehmer im Wasser war, bestätigen alle Bootsinsassen, sie können aber nicht sagen, wann genau und ob der 45-Jährige zeitgleich mit Schroll ins Wasser gefallen ist.

Der mitangeklagte Kärtner sah keinen Griff ins Lenkrad durch das Opfer. Sehr wohl aber riskante Fahrmanöver des 45-Jährigen mit dem 335PS-starken Motorboot.

Den Sachverständigen kommt bei der Klärung des Unfalls große Bedeutung zu. Mit Spannungen werden die Ausführungen des Experten für Kraftfahrwesen erwartet, der den Hauptangeklagten schwer belasten soll.  

Gerichtsmediziner spricht von Teilenthauptung

Der Gerichtsmediziner Peter Grabuschnigg, der die Obduktion durchgeführt hat, stellte bei Manfred Schroll schwere Kopfverletzungen als Todesursache fest. Er spricht von einer Schädelzertrümmerung und Teilenthauptung durch den Schiffspropeller.

Der 44-Jährige sei nach den Befunden beim Eintauchen ins Wasser noch bei Bewusstsein gewesen, sagt der Mediziner. Die Zeitspanne vom Eintauchen bis zur Kollision mit der Schraube sei aber nur abschätzbar, nicht auf die Sekunde genau zu verifizieren.

Sachverständige fühlen Zeugen auf den Zahn

Damit sich die Sachverständigen zum Unfallhergang ein besser Bild machen können, ruft Richter Matthias Polak nach den Ausführungen des Gerichtsmediziners einen 62-jährigen Kärntner in den Zeugenstand.

Ja, er habe aus rund 200 Meter Entfernung gesehen, wie ein Boot eine flotte, aber noch normale Kurve gezogen hat, bestätigt der Ortskundige und schildert: „Ich habe nicht immer zum Boot geschaut. Aber ich habe dann einen extremen Haken, einen Wackler des Bootes wahrgenommen und zeitgleich heulte der Motor auf. Das muss eine schlimme Kurve gewesen sein, sonst hätte sich das Boot nicht so verhalten. Ich befürchtete, es kentert“, schildert der 62-Jährige und geht brav auf die Fragen der Sachverständigen und der Verteidigerriege ein.

Er bestätigt dann: „Ich habe eine leichte Rückwärtsbewegung des Boots wahrgenommen. Wer am Steuer war, konnte ich nicht sehen, aber alle vier Personen an Bord waren nass. Ich habe dann die Polizei alarmiert, als erkennbar war, dass da was passiert ist.“

Alarmierender Anruf bei Bootseigentümer: „Dein Fahrer soll nicht so wild fahren!“

Als nächster wird der Eigentümer des Unglücksbootes in den Zeugenstand gerufen. Wie die Jahre zuvor habe der Niederösterreicher mit seinen Freunden ein Boot gegen Bezahlung mit Fahrer bei ihm bestellt.

„Ob es diesmal zu etwas Ungewöhnlichem gekommen sei?“, hakt der Richter nach und der Bootseigentümer räumt dann einen alarmierenden Anruf eines Kollegen nach der Abfahrt der Herrenrunde von Klagenfurt ein: „Dein Fahrer soll net so wild fahren!“, habe der Anrufer gemahnt.

Daraufhin habe er den Bootsführer angerufen und der habe offensichtlich in Panik nur in den Hörer gebrüllt: „Scheiße, der Manfred ist weg!“

Sachverständige mit Ergänzungsgutachten eingebremst: Prozessvertagung auf 16. Mai

Nachdem einige Zeugen von einem aufziehenden Wetter zum Unfallzeitpunkt berichteten, beantragten die Verteidiger Ergänzungsgutachten. „Es muss berücksichtigt werden, ob aufgrund des aufziehendes Wetters Wind aufgekommen ist, der sich auf den Wellengang auswirkte“, der Tenor der Strafverteidiger.

Richter Matthias Polak beschloss kurz und bündig: „Das Beweisverfahren mit den Ergänzungsgutachten wird am 16. Mai fortgesetzt.“