Stipsits hat es schon wieder getan

Erstellt am 10. März 2022 | 04:27
Lesezeit: 7 Min
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Volle Konzentration. Thomas Stipsits geht in seinem dritten Stinatz-Krimi dem „Eierkratz-Komplott“ nach. Im BVZ-Interview spricht er zudem über seine berufliche Auszeit im Vorjahr.
Foto: Wirlphoto
Nach einer persönlichen Auszeit im Vorjahr meldet sich Star-Kabarettist Thomas Stipsits zurück – mit seinem am Montag erschienenen dritten Stinatz-Krimi, dem „Eierkratz-Komplott“. Mit der BVZ sprach er übers Buch, das Kabarett– und grundehrlich über seine Schaffenspause.

Herr Stipsits, haben Sie schon mal ostereiergekratzt?
Thomas Stipsits:
Hab´ ich tatsächlich schon, als kleiner Bub bei der Oma. Aber ich würde sagen, nicht mit überschaubarem, sondern echt mit gar keinem Erfolg. Meine gekratzten Eier – bitte nicht falsch verstehen (lacht) – sind stets sofort zu Bruch gegangen.

In Ihrem Stinatz-Krimi, dem „Eierkratz-Komplott“ – er ist nach der „Kopftuchmafia“ und der „Uhudlerverschwörung“ der dritte –geht es darum. Also ums Ostereierkratzen. Ein slawischer Brauch, der hierzulande nirgends mehr praktiziert wird, in Stinatz schon. Was hat es damit auf sich?
Stipsits:
Meine Oma hat´s bis vor zwei Jahren noch aktiv gemacht. Sie hat immer schon zu Neujahr begonnen zu kratzen, damit alle Eier zu Ostern fertig sind. Die Eier werden dann großteils auf Palmkatzerl gegeben, verschenkt und nahezu überall verteilt. Heute beherrschen in Stinatz noch zwei, drei Damen das Eierkratzen. Ein wirklich schöner Brauch, der, hoffe ich, nie ausstirbt.

Zum Inhalt des Buches: Wie ist die Story ums Eierkratzen konzipiert? Ich nehme an, es beschäftigt wieder ein Mordfall den Schauplatz Stinatz.
Stipsits:
So in etwa. Die Handlung startet damit, dass in einem Solarium liegend eine Leiche gefunden wird – mit einem Eierkratzmesser im Hals. Jeder geht von Mord aus, mein Oberinspektor Sifkovits erkennt bei seiner ersten Begutachtung aber nirgends Blutspuren. Also wirklich kaum Anzeichen von Erstechen. Heißt, die Person war wohl schon vorher tot, durchs Solarium. Mich hat vor allem interessiert, was juristisch passiert, wenn man auf jemanden einsticht, der schon tot ist, der Täter das aber nicht weiß. Inspektor Sifkovits versucht, den Fall zu klären.

Ihre ersten beiden Krimis sind bekannt dafür, mit viel Humor ausgestattet zu sein. Beim jetzigen wird das wohl kaum anders sein. Wie viel Kabarettist Thomas Stipsits steckt in den Büchern?
Stipsits:
Schon richtig viel. Ich denke, bei dieser Art von Genre braucht man das auch. Dass man mache Dinge mit einem Augenzwinkern und nicht todernst betrachtet. Mir ist auch wichtig, dass sich der Leser beim Lesen in den Ort hineinversetzt fühlt –und da passt eine Prise Humor super.

Treue Leser werden hinschauen: Welche Parallelen zu den ersten Krimis gibt es sonst?
Stipsits:
Der Figurenkosmos ist derselbe. Freilich kommen immer wieder neue Figuren und Charaktere dazu, aber der Grundstock steht seit Beginn.

Durch den Burgenland-Draht der Krimis steht hier im Interview bisher das Schreiben im Vordergrund. Aber das täuscht wohl ein wenig – Ihre Hauptjobs sind weiterhin Kabarett und Schauspiel?
Stipsits:
Kabarett nimmt weiterhin den größten Platz ein. Aber ich bin richtig froh, dass ich auch die anderen Bereiche machen darf. Schauspiel und Schreiben wechseln sich ab. Wenn Schauspiel dran ist, ist Schauspiel dran, wenn Schreiben am Plan steht, liegt der Fokus dort. Alles in allem ergänzt sich alles super –und ich will auch gar keine großen Rangordnungen machen.

Eine Rangordnung sei aber erlaubt. Ein Thema, das nämlich auch wichtig ist – und wohl wichtiger als alles andere: Sie haben sich vor nicht allzu langem, von September bis Dezember letzten Jahres, eine berufliche Auszeit genommen. Ihnen sei die Kraft ausgegangen, haben Sie damals gesagt. Wie geht es Ihnen jetzt?
Stipsits:
Mir geht es gut, ich hab´mich gut erholt. Dass mir die Kraft ausgegangen ist, war damals nur der Gipfel von allem, quasi die Ultima Ratio. Ich hatte mit Angst- und Panikzuständen zu kämpfen, was dann schnell in Depression und Burnout übergegriffen ist. Ich musste lernen, wieder mit mir selbst umzugehen. Das war ein wichtiger Prozess.

Apropos „Wie geht´s?“ – also die wirklich tiefgründige Variante. Wird diese Frage in unserer schnelllebigen Welt zu selten gestellt?
Stipsits:
Das schlichte Begrüßungs-„Wie geht´s?“ wird meines Erachtens nacheinfach schon so inflationär verwendet, dass es beim Gegenüber kaum eine Reaktion auslöst. „Interessiert dich das wirklich?“, denk´ ich mir dann meistens. Wichtig ist, dass man, wenn es einem nicht gut geht, mit einer echten Vertrauensperson darüber spricht. Wir sollten so weit kommen, dass, wenn ich sag´, dass ich schwach bin, Stärke beginnt. Und nicht arbeiten, bis es einen umprackt.

Das hat Ihnen Ihre Auszeit gelehrt?
Stipsits:
Mein Problem war, dass ich nie „Nein“ sagen konnte. Ich dachte immer, ich muss alles machen. Wenn ich „Nein“ gesagt habe, hatte ich immer schlechtes Gewissen. Jetzt denke ich mir: „Warum? Sag´ doch mal ´Nein´, nichts kann so wichtig sein wie du für dich selbst.“ Wir tendieren dazu, uns in der Prioritätenliste zu weit hinten anzuordnen. Ich sehe seit meiner Auszeit deutlich: Es gibt nicht nur Beruf, sondern auch Zeit, die ich für mich selbst nutzen soll. Wichtig ist, alle Lebensbereiche in Balance zu bringen.

Aus eigener Erfahrung: Was können Sie Menschen raten, die, aus welchen Gründen auch immer, schwere Zeiten durchmachen?
Stipsits:
Ebensolche Dinge: sich selbst mehr Zeit nehmen. Ich bin mir bewusst, dass ich mir meinem Beruf da wahrscheinlich leichter tue als jemand, der in einem Angestelltenverhältnis steht. Was ich aber generell für ratsam halte: sich im persönlichen Kalender nicht nur die beruflichen Termine einzutragen, sondern auch die, die man für sich selbst wahrnimmt. Ein simples Beispiel: „An dem und dem Tag gehe ich für eine Stunde in den Wald, lasse meine Gedanken kreisen, bin einfach ich.“ Für mich ist das wie geistiges „Aufs Klo-Gehen“.

Nun stehen Sie seit Dezember wieder auf der Bühne, sind online aktiv, nehmen Medientermine wahr. Ist also alles so wie vorher – oder gibt es wo Unterschiede?
Stipsits:
Definitiv gibt es Unterschiede – wie angesprochen. Vor meiner Auszeit hatte ich zeitweise zwanzig Spieltermine und hab´nebenbei noch einen Film gedreht. Das tu´ ich jetzt nimmer. Ich teil es mir bewusster auf, sag´ nicht mehr alles und jedem zu. Ich möchte darauf achten, dass ich nicht wieder in ein Loch falle.

Abschließend nochmals zu Ihrem Schreiben. Jetzt haben Sie das Kopftuch, den Uhudler und das Eierkratzen durch. Was typisch Burgenländisches kommt Ihnen noch in den Sinn?
Stipsits:
Denke ich an Stinatz, der Binkerlball. Ein Ball zur Faschingszeit, wo jeder mit seinem Jausenbinkerl und freilich maskiert kommt und so ein großes gemeinsames Buffet beim ortsansässigen Wirten entsteht. Ebenfalls interessant: der Allerheiligen-Festakt am Friedhof, der hier besonders ist, das Neujahrswünschen. Im Grunde genommen vieles –Stinatz gibt viel her.

Sie sprechen von Stinatz: Sie wohnen nicht hier, aber sind Sie eigentlich noch oft in Stinatz?
Stipsits:
Meine Lebensmittelpunkte sind Wien und das Waldviertel. Mit dem Burgenland ist aber nichts vergleichbar: Ich bin, wenn es die Zeit erlaubt, immer gern hier. Vor allem zum Verwandte besuchen. Aber auch zum Zurückziehen, Runterkommen, Recherchieren, Schreiben...

...und Filmen? Vor etwas mehr als einem Jahr haben wir in gleichem Setting über eine mögliche Verfilmung Ihrer Krimis gesprochen. Gibt es die Pläne noch?
Stipsits:
Die Pläne gibt es noch! Es ist alles auf Schiene –und wenn alles gut geht, können wir nächstes Jahr, 2023 im Spätsommer, starten zu drehen. Etwas, auf das ich mich richtig freue. Derzeit sind wir in der Planungsphase, wenn es konkreter wird, wollen wir auf die Leute zugehen. Ich bin ja zum Beispiel voll dafür, „Schauspielcastings“ bei Theatergruppen aus der Region für die Produktion zu machen. Vielleicht findet man ja das ein oder andere Supertalent.