30 Kilometer Straße, aber 530 Hektar für die Natur

Erstellt am 12. Juni 2022 | 04:46
Lesezeit: 4 Min
Geschützte Tiere und Pflanzen haben Ausgleichsflächen entlang der Schnellstraße S7 bereits besiedelt.
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Die Fürstenfelder Schnellstraße von Riegersdorf in der Steiermark bis Heiligenkreuz an der ungarischen Grenze macht nicht nur den Verkehr künftig sicherer und entlastet die Menschen vom Durchzugsverkehr, sondern entpuppt sich ebenso als Vorzeigeprojekt für Umwelt- und Naturschutz. Dafür sorgen die riesigen Ausgleichsflächen, die mehr als das Sechsfache, der für den Straßenbau benötigten Fläche, ausmachen.

Die erfreulichen Fakten kann der Ökologe Christian Gissing vom Grazer Unternehmen „freiland ZT GmbH“ liefern. „Beim jüngsten Monitoring haben wir erneut die seltene und geschützte Libellenart Vogel-Azurjungfer entdeckt. Ebenso haben mehrere geschützte Vogelarten, darunter der Flussregenpfeifer, der Bruchwasserläufer und der Kiebitz in der Oststeiermark und im Südburgenland neue Lebensräume gefunden. Durch den angepassten Mähzeitpunkt werden die Nester und die Jungvögel optimal geschützt.“

Die Liste an Tieren und Pflanzenarten, die erst durch die Errichtung der S 7 neue und für immer geschützte Lebensräume finden konnten, ist lang und reicht von Schmetterlingen über Zauneidechse, verschiedene Amphibienarten und Bachmuscheln bis hin zu Fledermäusen sowie von Heidenelke über Fünfzahl-Weißmiere bis hin zum Großen Wiesenknopf, der wiederum eine wesentliche Futterquelle für die Raupen der geschützten Schmetterlingsart Dunkler Wiesenknopf-Ameisenbläuling ist.

Von Nistkästen bis Steinhaufen und Teiche

Mehr als 200 Nistkästen als Ersatzquartiere für Fledermäuse wurden angebracht, die auch bereits entsprechend bewohnt werden. Horste für Schwarzstörche wurden errichtet, die ebenfalls schon bezogen wurden, inklusive Storchen-Nachwuchs. Um Reptilien einen idealen Lebensraum zu bieten, wurden Steinhaufen und weitere Trockenlebensräume angelegt und auch schon erster Nachwuchs nachgewiesen.

Eine ehemalige Schottergrube im Bereich der S 7 West wurde aufgefüllt und in Summe eine Fläche von 15 Hektar so adaptiert, dass sie für bodenbrütende Vögel ideal ist. Kiebitz, Rebhuhn, Wachtel und Flussregenpfeifer wurden bereits gesichtet. „Die Fläche hat sich zudem zu einem Hotspot für Ornithologen entwickelt, weil sie auch von vielen Zugvögeln zum Zwischenstopp genutzt wird“, sagt ASFINAG-Umweltexpertin Irina Langegger.

„Und dass der Kiebitz auch in den Ausgleichsflächen brütet, ist ein besonderer Erfolg, da die meisten Nester durch die landwirtschaftliche Tätigkeit zerstört werden. Magere, artenreiche Vegetation als Grundlage für eine hohe Artenvielfalt und damit für eine gute Nahrungsversorgung der Jungvögel und die Anlage von Feuchtsenken überzeugten die bodenbrütenden Watvögel, sich in den Ausgleichsflächen niederzulassen und für Fortpflanzung zu sorgen.“

Im Ostabschnitt der S 7 wurden insgesamt sechs Teiche mit je etwa 500 Quadratmeter Wasserfläche errichtet. Diese Stillgewässer stehen ausschließlich der Natur zur Verfügung und wurden innerhalb kürzester Zeit von zahlreichen Pflanzen- und Tierarten erobert, darunter auch geschützte Tierarten wie Grünfrösche, Springfrösche, Kröten, Unken, Teichmolche, Alpen-Kammmolche, Ringelnattern und zahlreiche weitere, wie etwa Libellen und Ruderwanzen.

Ergänzt wurden diese Arten mit einem aufwendigen Ansiedelungsprojekt der Knoblauchkröte. Die Knoblauchkröte kommt nur noch selten im Umfeld der S 7 vor und war früher zahlreich vertreten. Im Rahmen der Errichtung der S 7 wurden Kaulquappen aus stabilen Populationen in der Südsteiermark unter fachkundiger Anleitung entnommen und in einigen der neu errichteten Teiche eingesetzt, damit die Knoblauchkröte in Zukunft auch hier wieder einen Lebensmittelpunkt in der Region hat.

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