Christian Schaber: „Wollen absolute Mehrheiten brechen“

Erstellt am 06. Februar 2022 | 05:02
Lesezeit: 4 Min
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Christian Schaberl sucht aktuell noch Kandidaten für eine Bürgerliste in Rudersdorf. Auch in Eltendorf will er punkten.
Foto: David Marousek
Christian Schaberl ist Landeskoordinator des „Unabhängigen GemeindeVetreterForums“ im Bezirk Jennersdorf. Für die Gemeinderatswahl 2022 stellen sich die unabhängigen Bürgerlisten gerade auf.
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Seit fünf Jahren ist der Eltendorfer Christian Schaberl als Landeskoordinator für das UGVF tätig, zuvor war er als Kommunikationstrainer tätig. Im Gespräch mit der BVZ erklärt er, wie man 37 Bürgerlisten verbinden kann, redet über das „Brechen“ von absoluten Mehrheiten in Gemeinderäten und über seine Pläne mit Eltendorf, falls er Bürgermeister werden sollte.

Die anderen Parteien werden an dieser Stelle gefragt, für was sie im Bezirk eintreten wollen. Haben die Bürgerlisten überhaupt gemeinsame Wahlkampfthemen?

Christian Schaberl: „Ja, aber es gibt immer Missverständnisse bei den Listen. Sie sind alles eigenständige Listen, aber das UGVF ist ein Zusammenschluss von 37 Bürgerlisten und deshalb ein Gemeindeverband. Wir hätten gerne einen einheitlichen Gemeindeverband wie in der Steiermark und Tirol, aber das ist hier aus politischen Gründen wohl nicht möglich. Deshalb haben wir uns eigenständig gemacht und sind sogar ein größerer Verband als die Freiheitlichen. Aktuell stellen wir drei Bürgermeister [Anm. Jennersdorf, Bad Sauerbrunn und Parndorf]. Eines unserer Ziele ist, dass Gemeinderatssitzungen im Livestream zu sehen sind. Weiters wollen wir die digitale Amtstafel und Antikorruption. Es laufen sehr viele korrupte Vorgänge in den Gemeindestuben ab. Besetzungen von Posten oder Ausschreibungen, die unter aller Sau sind. Außerdem ist die direkte Demokratie ein wichtiger Punkt. In Eltendorf würde ich, sollte ich Bürgermeister werden, die Gemeinde zur Mustergemeinde der direkten Demokratie nach Schweizer Vorbild machen.

Kann man die Bürgerlisten überhaupt auf einem politischen Spektrum lokalisieren?

Christian Schaberl: „Vor fünf Jahren war die Hauptfrage, ob die Linken und Rechten zusammenarbeiten können. Das ist jetzt nicht mal mehr ein Thema. Wir teilen auch nicht in links und rechts ein, sondern in Fundamentalist und Realist. Als Fundamentalist hast du kommunal langfristig aber keine Chance. Mit extrem Ansichten wirst du nicht gewählt.“

Aber in Oberösterreich gibt es die MFG, die, überspitzt gesagt, „Impfung böse, Maske böse“ als Wahlprogramm hat?

Christian Schaberl: „Die MFG halten wir für ein politisches Strohfeuer. Wenn die Coronakrise vorbei ist, dann ist auch die MFG weg.“

Dem könnte man entgegenhalten, dass sich die Pegida und die AFD in Deutschland gehalten haben.

Christian Schaberl: „Dort wurden die rechten Parteien auch immer künstlich niedergehalten.“

Wie funktioniert die Zusammenarbeit zwischen den Listen, wenn jeder „sein eigenes Ding“ macht?

Christian Schaberl: „Es gibt regelmäßig Bezirkstreffen, wir haben da ab und zu 30 Gemeindevertreter da. Das bringen ÖVP und SPÖ nicht zusammen. Wir sind schon im Vorwahlkampf.“

Wie ist die Entwicklung der Listen im Vergleich zur letzten Wahl?

Christian Schaberl: „Bei der letzten Gemeinderatswahl hat eine Bürgerliste, welche zum ersten Mal antrat, eine Überlebenswahrscheinlichkeit von 45 Prozent. Seit dem UGVF ist diese auf 85 Prozent gestiegen. Es hat sich eine Dynamik entwickelt, die ich selbst nicht erwartet habe. Wir werden unterschätzt, weil wir uns nicht ständig in den politischen Alltag einmischen. Unser Ziel ist wieder Qualität in die Gemeinderäte zu bringen. Es gibt Leute in den Gemeinderäten, die würden nicht mal einen Portier-Posten bekommen und stimmen über Millionen-Budgets ab.

Das Durchschnittsalter in den Listen ist aber schon höher, oder?

Christian Schaberl: „Ja, viele haben eine politische Vergangenheit und wollen jetzt frei sein.“

Aber es gibt ja auch parteinahe Bürgerlisten?

Christian Schaberl: „Damit haben wir ein großes Problem, die sind nicht unabhängig. Wir müssen uns den Wahlkampf selbst finanzieren, die bekommen Parteiförderung. Das ist Wählertäuschung.“

Wird es im Südburgenland bei der Wahl neue Listen geben?

Christian Schaberl: „In Rudersdorf suchen wir noch jemanden für eine Bürgerliste. Das ist eine Schlüsselgemeinde und Potenzial ist vorhanden. Wir wollen absolute Mehrheiten brechen. Im Bezirk Jennersdorf treten alle wieder an. In einer Ortschaft im Süden wird es ein Überraschungsergebnis geben. Erst Ende Juni werden wir alles endgültig wissen.

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