Gewaltexzess gegen Frau: „Ich merkte, dass ich nichts mehr sehe“

Erstellt am 20. Juni 2022 | 05:27
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Gericht Symbolbild
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Foto: New Africa, Shutterstock.com
32-Jähriger aus dem Bezirk Jennersdorf prügelte hemmungslos auf Ex-Freundin ein. Sie war danach 51 Tage im Krankenstand.
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Am 20. März dieses Jahres klingelte ein 32-jähriger Mann bei seiner 39-jährigen Ex-Freundin im Bezirk Jennersdorf um 5 Uhr morgens Sturm.

Vorige Woche wurde der Mann verurteilt, weil er in den Minuten danach die Frau schwer verletzt hat.

„Er schubste mich zur Seite, ging in mein Zimmer und wollte sich ausziehen“, berichtete die 39-jährige Frau.

Sie habe ihrem Ex-Freund mitgeteilt, dieser brauche sich nicht auszuziehen, sie rufe ein Taxi.

Daraufhin habe der Mann begonnen, mit den Fäusten auf ihren Kopf und ins Gesicht zu schlagen.

„Ich habe so lange geschrien, bis meine Eltern aufwachten“, berichtete die Frau vor Gericht.

„Mein einziger Ausweg war, dass sie mich hören und ihn wegziehen.“

Leicht fiel es den Eltern nicht, den rabiaten Mann von ihrer Tochter wegzuzerren.

„Ich merkte, dass ich nichts sehe und den Kiefer nicht schließen kann“, beschrieb die Frau ihre Wahrnehmungen. „Meine Mama tupfte mir die Nase ab, die war gebrochen. Als ich aufschaute, hat er wieder auf mich eingeschlagen.“

32-Jähriger war bei Tat alkoholisiert

Bei dem Angreifer wurde kurz danach eine Alkoholisierung von rund zwei Promille gemessen. „Was führte dazu, dass Sie so ausgerastet sind?“, fragte ihn Richterin Karin Lückl. „Die Tat ist nicht zu entschuldigen“, bekannte sich der Angeklagte schuldig. Dann beschrieb er seine Probleme: Er sei mit seiner Firma in Konkurs gegangen, sei überschuldet, leide an Depressionen und Schlafstörungen. Außerdem habe er ein Alkoholproblem.

Angeklagter: „Mir ging es überhaupt nicht gut“

„Mir ging es überhaupt nicht gut“, sagte der Angeklagte. Außerdem habe ihn „fertiggemacht“, dass seine Ex-Freundin eine zeitlang in einer Dreiecksbeziehung gelebt habe. An den Gewaltexzess im Zimmer seiner Ex-Freundin könne er sich nicht erinnern.

Die Frau war nach der Attacke 51 Tage lang berufsunfähig. Der Angeklagte hatte ihr Jochbein und den Orbiterboden bei einem Auge zertrümmert.

„Mir wurde eine Platte in die Augenhöhle eingesetzt, ich sehe immer noch doppelt, habe Schmerzen und ein Taubheitsgefühl im Gesicht“, beschrieb die Frau ihren Gesundheitszustand. Sie könne keine festen Speisen essen, dürfe nicht schwer heben, sich nicht schnäuzen. Erst im November werde feststehen, ob sie ein weiteres Mal operiert werden muss. Eine Reise, die sie mit ihrem Lebensgefährten im Mai habe antreten wollen, musste sie stornieren, weil die Ärzte von einem Flug dringend abrieten.

„Es tut mir wahnsinnig leid“, beteuerte der Angeklagte am Ende der Verhandlung. Er trinke keinen Alkohol mehr, damit „so etwas nicht mehr passiert“.

Er wurde zu 1440 Euro Geldstrafe unbedingt und acht Monate Freiheitsstrafe auf Bewährung verurteilt.

An das Opfer muss er knapp 9.500 Euro bezahlen. Außerdem haftet er für alle Gesundheitsschäden, die sich aus der Tat ergeben.

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