Ketten wuchsen ins Fleisch: Stiere mussten leiden. Ein Landwirt unterließ es, die Anbindeketten bei drei Stieren zu überprüfen, sodass die Ketten ins Fleisch einwuchsen. Verfahren wird nach Geldbuße eingestellt.

Von Elisabeth Kirchmeir. Erstellt am 21. März 2018 (05:20)
Dieser Artikel ist älter als ein Jahr
Symbolbild
pixabay.com

Wegen Tierquälerei musste sich ein Landwirt aus dem Bezirk Jennersdorf vorige Woche vor Richter Andreas Beneder verantworten. Er hatte im Herbst 2017 drei seiner Stiere massive Schmerzen zugefügt.

Der Landwirt hält in seinem Stall Rinder noch in Kettentierhaltung, obwohl das nur mehr mit Sonderbewilligung erlaubt ist. Bei drei Stieren wuchsen im Herbst 2017 über Wochen hinweg die Stallketten im Nacken ein, weil der Bauer die zu engen Ketten nicht überprüfte und diese auch nicht erweiterte.

Als er die Tiere am 18. Dezember 2017 zum Schlachthof bringen wollte, riss er die Ketten einfach aus dem Fleisch der Stiere heraus, ohne sich um eine Betäubung zu kümmern oder einen Tierarzt zu rufen.

„Ich mache das seit 40 Jahren, es war nie etwas“

„Ich mache das seit 40 Jahren, es war nie etwas“, behauptete der Landwirt. Der Richter wies ihn darauf hin, dass er bereits 2015 von der Bezirkshauptmannschaft nach dem Tierschutzgesetz bestraft worden war. „Ja, das war aber nicht so grob“, sagte der Landwirt.

Er sei im Herbst 2017 von einem Stier am Fuß verletzt worden und habe drei Monate lang unter den Folgen gelitten. Trotzdem sei er „in den Stall gegangen“. Dass die Ketten bei den drei Stieren zu eng waren, habe er übersehen.

Die massiven Verletzungen der Tiere fielen dem zuständigen amtlichen Tierarzt auf, der am Schlachthof Dienst hatte, zu dem die Stiere geliefert worden waren. „Ich stellte tiefe blutende Wunden am Hals fest“, berichtete der Tierarzt. Man hätte die eingewachsenen Ketten operativ entfernen müssen. „Das Herausreißen verursachte sicher große Schmerzen“, so der Arzt.

Freispruch vom Vorwurf der Tierquälerei

Der Richter sprach den Bauer hinsichtlich des Einwachsens der Ketten vom Vorwurf der Tierquälerei frei – dabei handle es sich um ein Fahrlässigkeitsdelikt. Bei einer zwischenzeitlich durchgeführten Kontrolle durch die Polizei hätten sich bei der Tierhaltung – der Bauer besitzt 41 Stiere – keine Mängel gezeigt.

Hinsichtlich des Herausreißens der Ketten kam es zu einer Diversion: Wenn der Bauer 360 Euro Geldbuße bezahlt, wird das Verfahren gegen ihn eingestellt.

Staatsanwalt Heinz Prinke sprach sich gegen diese Vorgangsweise aus: „Es soll nicht der Eindruck entstehen, dass es egal ist, wie man Tiere behandelt“, so der Staatsanwalt. Außerdem kritisierte er, dass der Landwirt weiterhin Tiere in Ketten hält.