Lenzing meldet Kurzarbeit an

Erstellt am 08. September 2022 | 05:49
Lesezeit: 3 Min
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Das Lenzing-Werk in Heiligenkreuz ist zu über 90 Prozent von Gas abhängig. Die Konzernführung hat heuer bereits angekündigt, auf andere Energiequellen umzurüsten. Geplant sind eine Photovoltaikanlage und ein Biomasse-Kraftwerk.
Foto: Archiv
Explodierende Energiekosten veranlassten den Faserhersteller Lenzing, den Großteil der 340 Beschäftigten, zur Kurzarbeit anzumelden. Der Arbeitsmarkt befindet sich in dessen weiterhin in Vollbeschäftigung.
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Die Arbeitslosigkeit im Bezirk ist seit Monaten im Sturzflug, man befindet sich in Vollbeschäftigung. Auch im August sind die Zahlen wieder rückläufig (-11 Prozent). Grund für Optimismus sei das keiner, denn auch „in der Vollbeschäftigung gibt es noch genügend Jobsuchende, die zumindest auch kurzfristig arbeitslos werden und somit soziale Einschnitte erfahren.

Auch gilt es in der sogenannten Sockelarbeitslosigkeit, alle möglichen Ressourcen und Chancen zu erkennen und zu nützen. Damit kann erreicht werden, dass es noch relativ viele Vermittlungen seitens des AMS gibt, um den Personalbedarf der Wirtschaft zumindest etwas zu befriedigen.

Das bedeutet aber auch, dass leider nicht alle offenen Stellen durch Mithilfe des AMS besetzt werden können - und dass wirkt sich doch negativ auf den Wirtschaftserfolg aus“, erklärt AMS-Chef Harald Braun.

Als größte „Baustelle“ am Arbeitsmarkt beschreibt Braun die Langzeitarbeitslosigkeit. „Derzeit sind knapp über 80 Personen langzeitarbeitslos. Dies ist eine ganz leicht positive Entwicklung im Vergleich zu den letzten Jahren“, erklärt Braun.

Einen Rückgang von fast 20 Prozent — vermehrt Frauen — konnte man bei den den Personen über 50 verzeichnen. Ebenso bei der Gruppe bis 24 Jahre, wo es knapp 46 Prozent weniger Vorgemerkte gibt. Explodiert sei hingegen die Zahl der offenen Lehrstellen, eine Steigerung von 130 Prozent im Vergleich zum August des Vorjahres.

Wegen Kosten: Lenzing muss Produktion drosseln

Für große Sorgenfalten sorgt derzeit die Lage beim Faserhersteller Lenzing, der mit 1. September den Großteil der 340 Beschäftigen zur Kurzarbeit angemeldet hat.

Wegen des explodierenden Gaspreises sei die Wahrscheinlichkeit sehr groß, dass man zwei von drei Produktionslinien zurückfahren müsse. Eine kostendeckende Produktion sei nicht mehr gegeben, heißt es aus dem Unternehmen. Der Faserhersteller bezieht aktuell nur weniger als zehn Prozent der Energie aus erneuerbaren Quellen, den Rest aus Erdgas.

Das AMS sei, so Harald Braun, vom Kurzarbeitsplan in Kenntnis gesetzt. „Jetzt liegt es an den Verhandlungen mit den Sozialpartnern“, hält sich Braun zurück.

Das Land sei zu jeder machbaren Kraftanstrengung bereit, um den Standort zu stärken und die damit verbundenen Arbeitsplätze langfristig abzusichern. Man arbeite daher auch schon seit Wochen intensiv mit dem Management an alternativen Energielösungen, sagt Landeshauptmann Hans Peter Doskozil. Die Gründe für die Situation von Lenzing sehe er in den Preiskapriolen auf den Energiemärkten, vor deren Auswirkungen er mehrfach gewarnt habe.

Es brauche, so Doskozil, rasch und unverzüglich einen Preisdeckel für Energie, der neben den Haushalten auch die österreichische Wirtschaft absichere. Wenn der Bund nicht bald eine Entlastungslösung vorlegt, wird das dramatische Auswirkungen auf unsere Betriebe und den Arbeitsmarkt haben“, so Doskozil.

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